Lexikon der Religionen:

Buddha

Der Begründer des Buddhismus (ca. 450 - 370 v. Chr.)

Siddhartha Gautama, der später als der „Buddha “ (der Erwachte) bekannt wurde, stammte aus der Krieger- und Beamtenkaste. Sein Vater Suddhodana war Regent der Sakya-Republik in Kapilavastu im heutigen Nordindien. Siddharthas Mutter Maya verstarb wenige Tage nach seiner Geburt. Seine Tante Prajapati zog ihn auf. Im Alter von 16 Jahren heiratete Siddhartha seine Cousine Yashodhara. Ein Sohn Namens Rahula („Fessel“) ging aus dieser Beziehung hervor. Obwohl Suddhodana seinem Sohn ein sorgloses und genusserfülltes Leben ermöglichte, um ihn von religiösen Spekulationen abzuhalten, begann der junge Fürstensohn über die Unvermeidbarkeit von Alter, Krankheit und Tod nachzusinnen.

„Die vier Ausfahrten“

Die idealtypische Erzählung berichtet von den Exkursionen Siddharthas, bei denen er einen alten, einen kranken, einen toten Menschen sowie einen Mönch traf. Die Erkenntnis, dass das Leben endlich und leidvoll ist, verwirrte ihn. Er wusste nicht recht, wie er mit dieser Einsicht umgehen sollte. Bei der vierten Ausfahrt sah er einen Wandermönch, der ihn durch seine Gefasstheit und friedliche Ausstrahlung beeindruckte. Da fasste er den Entschluss, diese Lebensweise anzunehmen.

Die Legende berichtet weiter, dass sein Vater unter Tränen versuchte, ihn umzustimmen. Siddhartha versprach zu bleiben, wenn sein Vater Suddhodana es vermochte, ihn von Krankheit, Alter und Tod zu befreien. So verließ Siddharta im Alter von knapp 30 Jahren seine Heimat mit der festen Absicht, Mönch zu werden. Er verabschiedete sich von seinem neugeborenen Sohn Rahula und verließ den königlichen Palast, um in die Hauslosigkeit zu gehen und ein Leben als wandernder Bettelmönch zu führen.

Ausbildung bei zeitgenössischen Lehrern

Der „Bodhisattva“ (wörtl. „Erleuchtungswesen“ bzw. „Erleuchtungsheld“) Siddhartha ging bei zeitgenössischen Lehrern in Ausbildung. Nachdem er ihre Lehren gemeistert hatte, zog er weiter. Er spürte, dass er noch nicht am Ziel seiner Reise angelangt war. Nach sechs Jahren radikaler Askese begann Siddhartha wieder damit, mehr Nahrung zu sich zu nehmen und beendete die kräftezehrende Kasteiung.

Er sah ein, dass auf diesem Weg das Erwachen nicht möglich war. Dabei half ihm eine Erinnerung aus der Kindheit. Er kontemplierte eine meditative Erfahrung seiner Jugend, die ihm vollkommen mühelos erschienen war. Die Veränderung der grundlegenden geistigen Haltung und die Meditation der Geistesruhe („Shamatha“) und Einsicht („Vipasyana“) ermöglichten ihm schließlich in einer sagenumwobenen Nacht der vollkommenen Entschlossenheit unter dem Bodhibaum das große Erwachen.

Buchhinweis

Thich Nath Hanh: Wie Siddhartha zum Buddha wurde: Eine Einführung in den Buddhismus. Kamphausen, 559 Seiten, 30,80 Euro.

Die Nacht des Erwachens

In den drei sogenannten Nachtwachen wurde Siddhartha nach buddhistischem Glauben erleuchtet und erinnerte sich an seine vorangegangenen Existenzen. Er nahm im Zuge des gegenwärtigen Augenblicks den Mechanismus wahr, der alle Wesen in Unwissenheit („Avidya“) und damit im Daseinskreislauf („Samsara“) gefangen hält. Er verstand nicht bloß intellektuell, sondern wurde auf der Ebene der Erfahrung des Gesetzes von Ursache und Wirkung („Karma“) gewahr und gewann tiefe Einsicht in das Entstehen und Vergehen in wechselseitiger Abhängigkeit („Pratityasammutpada“).

Schließlich entdeckte er die Wurzel des menschlichen Leidens und den Weg der Befreiung und wurde so zum Buddha, dem Erwachten. Nachdem er seine neu gewonnene Freiheit alleine für sich genossen hatte, begann er seine Lehrtätigkeit zum Wohle aller Wesen. Er suchte nach seinen ehemaligen Gefährten, die sich damals von ihm abgewandt hatten, als er die extreme Askese aufgegeben hatte und fand sie im Wildpark Sarnath bei Benares - mehr dazu in Geschichte des Buddhismus.

Lehrtätigkeit Buddhas

Daraufhin lehrte er zum ersten Mal die Vier Edlen Wahrheiten, den Kern der buddhistischen Heilslehre. In den darauf folgenden vierzig Jahren seines Wirkens versammelte er viele Mönche und Nonnen sowie Laienanhänger um sich. Schließlich starb er im Alter von achtzig Jahren.

Übersichtsartikel zum Buddhismus

Siehe dazu auch im ORF-Religionslexikon: