Lexikon der Religionen:

Meditation und Achtsamkeit

Wichtige Elemente buddhistischer Glaubenspraxis

Meditation ist ein Begriff, der sich vom lateinischen „meditatio“ (Überlegen, Nachdenken) ableitet. In buddhistischen Kreisen wird in diesem Kontext oft von „Bhavana“ (Sanskrit: Übung) gesprochen. Im Zusammenhang mit Buddhismus steht Meditation für eine Vielzahl von Praktiken und Techniken, die der Konzentration des Geistes dienen. Heilsame Geisteshaltungen werden eingeübt. Die Einsicht in die Natur der Wirklichkeit soll vertieft werden. In den verschiedenen buddhistischen Traditionen finden sich unterschiedliche Zugänge zur Meditation.

Meditation der Geistesruhe („Shamatha“)

Durch die Konzentration auf ein Meditationsobjekt, beispielsweise auf den Atem, beruhigt sich der Geist und sammelt sich langsam, bis er schließlich ganz konzentriert ist. Dieser konzentrierte Zustand wird „Samadhi“ (Sammlung) genannt. Ein anschauliches Beispiel für diesen Prozess ist ein Glas, das mit trübem Wasser gefüllt ist. Wartet man ein wenig, klärt sich das Wasser wieder. Die Partikel, die das Wasser getrübt haben, lagern sich am Grund des Glases ab.

Einsichtsmeditation (Vipashyana)

Mit einem klaren und ruhigen Geist soll Einsicht in die Natur der Dinge erlangt werden. Die buddhistischen Lehren wie die „Drei Daseinsmerkmale“ und „Die Vier Edlen Wahrheiten“ werden in dieser Art der Meditation überprüft und direkt erfahren. Die Einsichtsmeditation („Vipashyana“) führt im Idealfall schließlich zu Weisheit („Prajna“) und Erleuchtung („Bodhi“).

Die „Vier Unermesslichen Verweilzustände“ („Brahma-Vihara“)

  • Liebe („Maitri“)
  • Mitgefühl („Karuna“)
  • Mitfreude („Mudita“)
  • Gleichmut („Upeksha“)

Wohlwollen gegenüber der ganzen Welt

Es gibt auch eine Form buddhistischer Meditation, die in der Kultivierung von positiven Geisteszuständen besteht. Es geht darum, alle Himmelsrichtungen mit Liebe und Mitgefühl zu durchdringen. Diese Art der Meditation wird so geübt, dass man erst in sich selbst das Gefühl der Liebe im eigenen Herzen wachruft. Dieser Vorgang kann unterstützt werden, indem rote Farbe visualisierte und ein warmes Gefühl imaginiert werden. Dann dehnt man diese Empfindung auf Wohltäter und Freunde aus, die man sich im eigenen Geist bildlich vorstellt. Das Gefühl wird ausgeweitet auf Menschen, die man nicht gut kennt. Schließlich öffnet man sich auch sogenannten Feinden und weitet letzten Endes das Gefühl des Wohlwollens ins ganze unermessliche Universum aus. Diese Meditation dient besonders dazu, Hass und Selbstbezogenheit zu überwinden.

Beispiele für Achtsamkeitsübungen

  • Beobachtung des Körpers (wie Atem-Zählen und Achten auf Körperhaltungen)
  • Beobachtung der Gefühle (wie das Auftauchen/Vergehen bestimmter Gefühlsregungen)
  • Beobachtung der Geisteszustände (emotionale und mentale Zustände)
  • Beobachtung der Geistesobjekte (Gedanken und Konzepte)

Achtsamkeit schärfen

Die Methoden der Achtsamkeitsmeditation wurden bereits im frühen Buddhimus gelehrt und sind im „Satipatthana Sutra“ niedergelegt. Die Kultivierung von Achtsamkeit gilt bis heute als Grundlage buddhistischer Meditationstechniken.

Nachdem der Geist ein gewisses Maß an Ruhe erreicht hat, wählt der Praktizierende einen der vier Bereiche Körper, Gefühle, Geisteszustände, Geistesobjekte. Das Meditationsobjekt wird im Lichte der buddhistischen Lehre betrachtet („Vipashyana“), wodurch der Praktizierende zunehmend Einsicht in die Drei Daseinsmerkmale und in die Funktionsweise des eigenen Geistes gewinnen soll.

Mit Visualisierungen meditieren

Besonders in der Tradition des Vajrayana (Tantrischer Buddhismus) wird in der Meditation mit Visualisierungen gearbeitet. Der Praktizierende visualisiert sich dabei selbst in Form eines erleuchteten Wesens, das sich in der Mitte eines Mandalas befindet. Ein Mandala ist ein kreisförmiges Diagramm mit mystischer Bedeutung. Körper, Rede und Geist des Praktizierenden sollen während der Visualisierung in die des erleuchteten Wesens verwandelt werden. Bei dieser Art der Meditation werden auch liturgische Texte, rituelle Gesten und heilige Silben („Mantras“) und Bilder der Meditationsgottheiten („Thankas“) verwendet. Abschließend wird die Visualisierung aufgelöst und der Praktizierende verweilt im Zustand der Leerheit („Shunyata“), der Natur der Wirklichkeit.

Zen-Meditation als japanische Variante

In der Tradition des japanischen „Zen“ wird Sitzmeditation („Zazen“) und Gehmeditation („Kinhin“) praktiziert. In der Tradition des „Soto-Zen“ wird die Meditation im Sitzen betont, die als unmittelbare Erfahrung der Buddhaschaft betrachtet wird. In der Traditon des „Rinzai-Zen“ wird mit einem Koan („Zen-Rätsel“) gearbeitet. Ein „Koan“, eine kurze Anekdote oder ein Zitat eines Zen-Meisters, soll dem Praktizierenden helfen, das rationale Denken auszuhebeln, um zu einer unmittelbaren intuitiven Erleuchtungserfahrung (japan. „Satori“) zu gelangen.

Übersichtsartikel zum Buddhismus

Siehe dazu auch im ORF-Religionslexikon: