Lexikon der Religionen:

Abendmahl (Kommunion, Eucharistie)

Zentrales Element des christlichen Gottesdienstes

Christen der ersten Generation feierten das gemeinsame Essen als Wiederholung des Mahles Jesu mit seinen Gefährten zuerst täglich, dann wöchentlich am Auferstehungstag Jesu. Sehr bald wurde das gewöhnliche Essen (Sättigungsmahl) vom Herrenmahl getrennt (1 Kor 11,34), aus dem sich dann die Liturgie des Gottesdienstes entwickelte.

Als zentrales Ereignis der christlichen Religion wurde dieses Herzstück des Gottesdienstes auch zu einem Unterscheidungsmerkmal zwischen den Konfessionen, insbesondere zwischen der römisch-katholischen Kirche und den Kirchen der Reformation. Was ist unter den Worten Jesu zu verstehen, die drei Evangelien und der Apostel Paulus in Bezug auf das letzte Gemeinschaftsmahl vor Verhaftung und Hinrichtung überliefern? Da sagt Jesus zu Brot und Wein: „Das ist mein Leib und das ist mein Blut“ (Mt 26, 26 f; Mk 14,22 f; Lk 22,15f; 1 Kor 11, 23f). Und wer ist befugt, dieses Wort zu wiederholen und wirksam zu machen?

Unterscheidungsmerkmal zwischen Konfessionen

Was in den ersten Christengemeinden eine Aufgabe der ganzen Gemeinde war, wurde nach und nach für die geweihten Priester reserviert. Das ist bis heute in der römischen Kirche Kirche und in den orthodoxen Kirchen der Fall. Damit verbunden wurde die Wiederholung der Worte Jesu, die Abendmahlserzählung, mehr und mehr zu einer Art Beschwörungstext, als wäre der Priester imstande, in die Substanzen von Brot und Wein göttliche Gegenwart zu zwingen. Damit parallel versuchte man, eine Verwandlung der Substanzen mit philosophischen Begriffen deutlich zu machen (Transsubstantiation) und erhob diese Vorstellung 1215 beim 4. Laterankonzil zum Dogma.

Dagegen wandten die Reformatoren ein, Brot und Wein werden nicht in eine andere Substanz verwandelt, sondern repräsentieren die reale Gegenwart Jesu, die er selbst versprochen hat. Während die römische Kirche die verwandelte (konsekrierte) Hostie (flaches Weißbrot – Oblate) auch zur Anbetung in kostbaren Monstranzen anbietet, gilt für evangelische Christen beim Abendmahl der gläubige Empfang von Brot und Wein als ausschlaggebend. Diese Differenz ist bis heute eine kaum überbrückbare Kluft zwischen Papstkirche und Reformation.

Unterschiede zwischen Lutheranern und Calvinisten

Aber auch zwischen calvinistischer und lutherischer Auffassung von der realen Präsenz Jesu in Brot und Wein gab es konfessionstrennende Unterschiede. Für Calvinisten ist die Gegenwart Jesu „im Heiligen Geist“ erinnernd gegeben, für Lutheraner aber entschiedener real, wenn auch nicht bleibend wie nach katholische Auffassung.

Die innerprotestantischen Lehrstreitigkeiten wurden erst im 20. Jahrhunderte ernsthaft hinterfragt und überwunden. Die Leuenberger Konkordie von 1973 führte die evangelischen Kirchen schließlich zu einer Abendmahls- und Predigtgemeinschaft zusammen. Diese Vereinbarung betrifft auch die Waldenser und die Böhmischen Brüder.

Eucharistische Gastfreundschaft

In der römischen Kirche wird grundsätzlich jeder Gottesdienst als Eucharistiefeier mit Kommunion gefeiert, daneben gibt es Wortgottesdienste ohne Abendmahl. Die evangelischen Kirchen feiern das Abendmahl in größeren Abständen, da das Wort Gottes in Lesungen und Predigt von großer Bedeutung ist. Während die evangelischen Kirchen auch Christen anderer Konfession die eucharistische Gastfreundschaft anbieten, verweigert die römische Kirche offiziell nach wie vor Katholiken das evangelische Abendmahl und Evangelischen die katholische Kommunion. In der Praxis werden diese Verbote aber längst übergangen.

Übersichtsartikel zum Christentum

Siehe dazu auch im ORF-Religionslexikon: