Mohammed

Islamischer Prophet und Religionsstifter (gest. 632 n. Chr.)

Mohammed – mit vollem Namen Mohammed ibn Abdallah ibn Abd al-Muttalib ibn Haschim ibn Abd al-Manaf al-Quraischi – wurde im Jahr 570 oder 571 n. Chr. in der arabischen Stadt Mekka geboren. Ab dem Jahr 610 bis zu seinem Tod im Jahr 632 soll ihm durch den Erzengel Gabriel der Koran, das heilige Buch der Muslime, offenbart worden sein. Den Muslimen gilt Mohammed als wichtigster und letzter in der Reihe der Propheten und wird deshalb auch häufig „Siegel der Propheten“ genannt.

Arme, aber einflussreiche Familie

Mohammeds Familie gehörte der Sippe der Haschemiten im Stamm Quraisch an, der in Mekka vorherrschte. Seine Familie war jedoch verarmt. Nach dem frühen Tod seiner Eltern wurde Mohammed von seinem Großvater Abd al-Muttalib und seinem Onkel Abu Talib aufgezogen. Mohammed schlug sich zunächst als Ziegenhirte durch und begleitete später seinen Onkel auf Handelsreisen bis nach Syrien, wo er die Lehren des Christentums kennengelernt haben soll. Nach islamischer Überlieferung soll der syrische Mönch Bahira prophetische Zeichen an Mohammed erkannt haben.

Mit etwa 25 Jahren heiratete Mohammed die 15 Jahre ältere Witwe und Großkauffrau Chadidscha bint Chuwailid. Aus der Ehe, die Chadidscha initiiert hatte, gingen mehrere Kinder hervor, doch nur Fatima, später Ehefrau von Ali, erreichte das Erwachsenenalter. Auf die Linie von Ali und Fatima gehen die schiitischen Imame zurück - mehr dazu in Schiiten. Nach Chadidschas Tod heiratete Mohammed mehrmals und hatte mehrere Ehefrauen, darunter seine Lieblingsfrau Aischa, Tochter von Abu Bakr, dem ersten der rechtsgeleiteten Kalifen.

Im Jahr 610 erste Offenbarungen

Im vorislamischen Mekka, einer Pilgerstätte für altarabische Gottheiten, hatten sich bereits einige Einwohner einem noch wenig ausgeprägten Eingottglauben zugewandt, darunter auch Angehörige aus Mohammeds Clan. Auch Mohammed gehörte zu jenen, die auf Gottes- und Sinnsuche waren. Immer öfter zog er sich zum Fasten und zur Meditation zum Berg Hira zurück. Im Jahr 610 hatte er während einer solchen Tour das erste Offenbarungserlebnis. Der Erzengel Gabriel soll ihm, dem Analphabeten, befohlen haben: „Lies!“ und ihm Sure 96, Verse 1 bis 5, angesagt haben. Bis zu seinem Tod im Jahr 632 n. Chr. wurden Mohammed die 114 Suren des Koran offenbart.

Chadidscha war die erste Anhängerin Mohammeds. Sie bestärkte ihren verunsicherten Mann im Glauben, Gottes Gesandter zu sein, der den Arabern den wahren Glauben bringen solle. Mohammed begann, öffentlich zu predigen. Er verkündete die Einzigkeit Gottes und forderte von seinen Zeitgenossen mit Hinweis auf das jüngste Gericht einen besseren Lebenswandel. Die etablierten Mekkaner reagierten ablehnend. Sie befürchteten, die neue Glaubenslehre könnte den Handel beeinträchtigen und sie wirtschaftlich schwächen. Anhänger fand Mohammed am Anfang nur vereinzelt bei Angehörigen benachteiligter Schichten und in seiner Familie, beispielsweise in seinem Cousin Ali ibn Abi Talib, der Mohammeds Tochter Fatima heiratete und später der vierte der rechtsgeleiteten Kalifen wurde.

„Hidschra“: 622 Beginn der islamischen Zeitrechnung

Als sich die Situation für Mohammed und seine Anhänger zuspitzte, wanderten sie im Jahr 622 in die nördlich gelegene Oasenstadt Medina aus. Dieses Ereignis wird „Hidschra“ (Auswanderung) genannt und markiert den Beginn der islamischen Zeitrechnung. Von Medina aus breitete sich der Islam sehr schnell über weite Teile der arabischen Halbinsel aus, weil sich viele altarabische Stämme Mohammed anschlossen.

Vom religiösen zum politischen Führer

Einen Wendepunkt in Mohammeds Leben stellt der Konflikt mit den beiden jüdischen Stämmen in Medina dar. Mohammed sah sich als Prophet für alle Araber, der die letztgültige Fassung des Neuen und Alten Testaments verkünden sollte. Doch die Vertreter der Juden akzeptierten Mohammed und seine neue Lehre nicht und standen außerdem in besten Beziehungen zu den einflussreichen Gegnern Mohammeds in Mekka.

Mohammed änderte daraufhin die Gebetsrichtung: Statt Richtung Jerusalem sollten die Muslime künftig Richtung der Kaaba in Mekka beten. Damit erhob Mohammed auch politisch Anspruch auf Mekka. Ein mehrere Jahre dauernder militärischer Konflikt zwischen den Anhängern Mohammeds und den Mekkanern folgte. Mohammed trat er nicht mehr nur als religiöser Prediger auf, sondern positionierte sich auch als politischer und militärischer Führer. 630 ergab sich Mekka schließlich den Muslimen. Mohammed lebte jedoch weiterhin in Medina und kam nach Mekka nur zu Besuch. 632 n. Chr. starb Mohammed. Er wurde in Mekka beerdigt. Sein Grab befindet sich auf dem heutigen Gelände der Prophetenmoschee.

Buchhinweis:

Marco Schöller: Mohammed. Suhrkamp Verlag, 160 Seiten, 7,90 Euro.

Vorbildwirkung für alle Muslime

Mohammed, für die Muslime der letzte und wichtigste der Propheten, gilt als sündenfreier Mensch, sein Lebenswandel als vorbildlich. Beim Jüngsten Gericht wird er für die Gläubigen als Fürsprecher auftreten. Muslime orientieren sich in ihrem religiösen und profanen Leben an überlieferten Handlungen und Aussprüchen des Propheten, die in der Hadithliteratur gesammelt sind und als Sunna „Brauch, überlieferte Norm“ bezeichnet werden. Sprechen Muslime Mohammeds Namen aus, setzen sie üblicherweise die Formel „salla llahu alaihi wa-sallama“ (Allah segne ihn und spende ihm Heil).

Muslime verehren Mohammed als Propheten, nicht jedoch als gottgleiche Gestalt. Die religiöse Anbetung richtet sich nur an Allah, den einzigen, unteilbaren Gott. Der Eingottglaube ist zentrale Glaubensbotschaft im Islam. Daher lehnen Muslime ab, als „Mohammedaner“ bezeichnet zu werden.

Übersichtsartikel zum Islam

Siehe dazu auch im ORF-Religionslexikon: