Kuh

Hinduistischer Gott im lebendigen Tier

Ein wichtiges Gebot des Hinduismus ist der Schutz des Rindes. Kuh und Stier verkörpern seit frühesten Zeiten Hervorbringung und Bewahrung der Schöpfung. Dabei steht besonders das weibliche Tier im Zentrum, die Kuh als Verkörperung der Göttin. Man sieht sie als „Gomata“ (Kuhmutter), als Muttersymbol, Ausdruck für Fürsorge und Lebenserhaltung.

Der Ursprung dieser Verehrung ist nicht bekannt, jedoch finden sich die wichtigsten Wurzeln schon in den Veden, den ältesten Texten des Hinduismus. Als Verkörperung der Erde, oder von Himmel und Erde, kommt sie an vielen Stellen vor. Der Atharva-Veda stellt die Kuh als das gesamte sichtbare Universum dar (siehe weiter unten).

So sehr die Kuh auch gepriesen wird, es gibt keine Kuhstatuen in irgendeinem Tempel. Man verehrt ausschließlich das lebende Tier. Dagegen sind an vielen Plätzen und Tempeln Statuen des männlichen Rindes zu finden, des Bullen Nandi, dem Begleittier des Gottes Shiva.

Die Kuh in der Mythologie

In der gesamten Mythologie spielt die Wunschkuh „Kamadhenu“ eine wichtige Rolle, dem Symbol der Fülle. Aber eine Kuh bedeutet nicht nur die Verheißung von Wohlstand: Überaus wichtig für das tägliche Leben eines Hindu sind die Produkte der Kuh. Für jede Puja, den Gottesdienst, braucht man Milch, geklärte Butter und Joghurt als Opfergabe, sogar Kuhdung ist wichtig zur Reinigung. Kuhprodukte gelten als besonders rein.

Die Verehrung der Kuh ist besonders mit Krishna, einer Inkarnation des Gottes Vishnu, verbunden. Er soll vor mehreren tausend Jahren als Kuhhirte in einem Dorf aufgewachsen sein. Im „Bhagavatam“, das die Überlieferung von Krishna enthält, werden Kühe mit Menschen verglichen, die unter der Obhut ihres Hirten stehen.

Bedeutung im Alltag

Aus dieser besonderen Stellung heraus ist der Verzicht von Rindfleisch für Hindus obligatorisch. Trotzdem hat man in alten Zeiten auch Rindfleisch als Opferspeise gegessen.

Im Alltag des indischen Subkontinents erfüllt das Rind seine Aufgabe wie jedes andere Nutztier, jedoch steht es zu bestimmten Feiertagen im Mittelpunkt. So gilt der dritte Tag des Pongal-Festes im indischen Bundesstaat Tamil-Nadu den Kühen. Nachdem sie gewaschen, geölt und geschmückt wurden, erhalten sie ebenso wie die Menschen den traditionellen Pongal-Brei aus Reis, Zucker und Butter. In manchen Orten sind spektakuläre Stierkämpfe populär, bei denen aber der Kämpfer nicht bewaffnet ist und den Stier nicht tötet. In nördlicheren Landstrichen ist es Gobardhan, der dritte Tag nach dem Lichterfest Diwali, an dem man Kühe besonders verehrt. Auch hier waschen, ölen und schmücken die Menschen ihre Tiere, bevor sie ihnen Grünfutter, Fett und Zucker ins Maul schieben.

Ehre sei Dir, Quell des Lebens, .....

Ehre, O Kuh, Deiner Schwanz Quaste, Deinen Hufen und Deiner Form.
Hierher laden wir Dich ein mit unseren Gebeten, Kuh, die tausend Ströme verströmt.
Durch welche der Himmel, die Erde und die Gewässer erhalten werden....
Von Deinem Maul kamen die Lieder,
deinem Nacken entstammt die Stärke, O Kuh.
Das Opfer entstand aus Deinen Flanken,
die Strahlen der Sonne aus Deinen Zitzen.
Von Deinen vier Enden und deinen Schenkeln entsprießt die Bewegung,
Nahrung aus deinem Eingeweide und vom Bauch die Pflanzen.
Sie nennen die Kuh „Unsterbliches Leben“ - verehre sie auch als Tod.
Sie wurde zum Universum, Vorväter, Rishis, Götter, Menschen, Geister.
Ein Weiser heißt die Kuh willkommen

Atharva Veda X: 10

Übersichtsartikel zum Hinduismus

Siehe dazu auch im ORF-Religionslexikon: