Sukkot

Das jüdische Laubhüttenfest im Herbst

Das siebentägige Laubhüttenfest (Sukkot) gehört neben Pesach und dem Wochenfest „Schawuot“ im Frühling zu den drei jüdischen Wallfahrtsfesten. Es ist ein Fest der Freude und beginnt am 15. Tischri, 15 Tage nach dem ersten Herbstfeiertag „Rosch ha-Schana“ und fünf Tage nach Jom Kippur. In der Zeit des Zweiten Tempels (515 v. Chr. - 70 n. Chr.) pilgerten Juden zum Fest nach Jerusalem und brachten im Tempel Opfer dar. Auch damals gab es bereits die Laubhütte, die „Sukka“, die dem Fest seinen Namen gibt.

Eine orthodoxe Jüdin transportiert Palmwedel für die Laubhütte in einem Kinderwagen
Reuters/Nir Elias
Eine orthodoxe Jüdin transportiert Palmwedel für die Sukka in einem Kinderwagen.

Die „Sukka“ (Laubhütte) ist eine provisorische Hütte aus Latten und Zweigen, Blättern und Stoff, die häufig im Garten oder im Innenhof aufgebaut wird. In Israel findet man in den Wohnvierteln der Strenggläubigen einige terassenartig angelegte Häuser. So können die Bewohner ihre Laubhütten auch auf dem Balkon errichten, denn die „Sukka“ muss unter freiem Himmel stehen. Nachts soll man durch ihr Blätterdach die Sterne sehen können. In großen Wohnblocks kann es Gemeinschaftshütten für alle geben. Während der ganzen Sukkot-Woche nehmen die Familien ihre Mahlzeiten in der „Sukka“ ein, feiern und beten darin. Manche schlafen sogar in der Laubhütte.

Laubhütten im chassidischen Jerusalemer Wohnviertel Mea Schearim
Reuters/Amir Cohen
Im ultra-orthodoxen Jerusalemer Stadtteil Mea Schearim sieht man während Sukkot viele Laubhütten.

Sicherheit gibt nur Gott

Die Woche in der Laubhütte soll die Gläubigen sowohl die harten Bedingungen ihrer Vorfahren beim Auszug aus Ägypten durch die Wüste Sinai erleben lassen, als auch die Vergänglichkeit von materiellem Wohlstand verdeutlichen. Nach jüdischem Glauben ist nur Gott unvergänglich, nur bei ihm gibt es Sicherheit und echten Anlass zu Freude. Das Fest hat aber vermutlich bereits kanaanitische Wurzeln und war vermutlich ursprünglich ein Erntedankfest.

Im 3. Buch Mose (Levitikus), 23,33-36 und 23,39-44, sind die biblischen Regeln für das Laubhüttenfest zusammengefasst.

In Israel beginnt das Fest mit einem Hochfeiertag, in den Ländern der Diaspora mit zwei. An diesen Tagen ist es wie am Schabbat verboten zu arbeiten, worunter auch Kochen und Autofahren fällt. Die darauf folgenden Tage gelten als Halbfeiertage („Chol ha-Moed“), an denen die meisten Arbeiten erlaubt sind. Bei gläubigen Juden steht jedoch auch an diesen Tagen das Feiern, die Familie und Gebete im Mittelpunkt.

Ein chassidischer Jude untersucht eine Etrog-Frucht.
Reuters/Gil Cohen Magen
Ein chassidischer Jude untersucht eine Etrog-Frucht, ob sie völlig unversehrt und damit rituell verwendbar ist.

Vier Pflanzen symbolisieren das Volk Israel

Zu den Morgengottesdiensten in der Synagoge bringen die Gläubigen einen „Lulav“ mit. Der „Lulav“ ist ein Feststrauß aus vier Pflanzenarten („arba’a ha-Minim“) und ist in einem Gebot im 3. Buch Mose, 23,40 beschrieben: „Am ersten Tag nehmt schöne Baumfrüchte, Palmwedel, Zweige von dicht belaubten Bäumen und von Bachweiden und seid sieben Tage lang vor dem Herrn, eurem Gott, fröhlich!“. Die „vier Arten“ stehen symbolisch für die vier Menschentypen im Volk Israel. Außer am Schabbat schütteln die Gläubigen in der Früh den Lulav in sechs Richtungen - in alle Himmelsrichtungen und nach oben und unten, während sie Segenssprüche rezitieren.

Nahmensgebend ist der Palmwedel, hebräisch: „Lulav“. Dazu kommen ein Bachweidenzweig („Arava“), ein Myrthenzweig („Hadas“) und der Etrog. Etrog ist die Frucht einer Zitronenart, die nur noch für den Einsatz bei Sukkot gezogen wird. Auf die Auswahl des geeigneten Etrog für das Fest wenden gläubige Juden viel Sorgfalt auf, damit die Frucht den rabbinischen Bestimmungen genügt. Dementsprechend hoch sind die Preise, die Etrog-Züchter auf dem Markt erzielen. Mittlerweile kann man Etrogs auch online bestellen.

Bitte um gute Ernte zum Abschluss

Das Fest endet am 21. Tischri mit dem „Hoschanna Raba“ (großes Hosianna), dem letzten „großen Feiertag“ im Herbst. An diesem Tag wird nach jüdischer Vorstellung das göttliche Urteil über die Menschen für das kommende Jahr, das zu „Rosch ha-Schana“ geschrieben und zu „Jom Kippur“ besiegelt wurde, dem göttlichen Gericht übergeben und damit endgültig. Beim Festgottesdienst umrunden die Teilnehmer sieben Mal die „Bima“ (Lesepult für die Tora - mehr dazu im Eintrag Synagoge) und bitten Gott um Regen und eine gute Ernte im kommenden Jahr.

Unmittelbar im Anschluss an Sukkot beenden die beiden Feiertage „Schmini Azeret“ (achter (Tag) der Versammlung) und „Simchat Tora“ (Freude an der Tora die Reihe der herbstlichen Feste. In Israel fallen die beiden Feste auf denselben Tag, den 22. Tischri. In der Diaspora wird „Schmini Azeret“ sowie alle Feiertage zwei Tage lang begangen, weswegen „Simchat Tora“ außerhalb Israels erst mit dem zweiten Feiertag zusammenfällt.

Zwei Feiertage zum Abschluss

Zwar gilt „Schmini Azeret“ als eigener Feiertag, jedoch sind viele Bräuche ähnlich wie bei Sukkot. So wird auch an diesem Feiertag für reichen Regen gebetet, und viele Familien essen noch einmal in ihrer „Sukka“. Beim Gottesdienst zu „Schmini Azeret“ wird das „Jiskor“ (Totengebet, wörtl: Du sollst Dich erinnern) gesprochen, das nur vier Mal im Jahr gebetet wird.

„Simchat Tora“ ist der freudvolle Schlusspunkt der Herbstfeiertage. An diesem Tag endet der Lesezyklus der fünf Bücher Mose, der Tora und beginnt sofort wieder von neuem. Alle Torarollen werden aus ihrem Schrein genommen und sieben Mal feierlich um das Lesepult, die Bima, getragen. Kinder werden zu „Simchat Tora“ üblicherweise mit Süßigkeiten beschenkt.

Übersichtsartikel zum Judentum

Siehe dazu auch im ORF-Religionslexikon:

Aus dem ORF-Medienarchiv Judentum

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