Rosch ha-Schana

Der jüdische Neujahrsfest im Herbst

Mit dem zweitägigen Fest „Rosch ha-Schana“ (wörtlich: Anfang des Jahres) im September oder Oktober beginnt am 1. Tischri ein neues Jahr im jüdischen Kalender und gleichzeitig eine ganze Reihe an Herbstfeiertagen. Dieser Tag im Jahr 3761 v. Chr. soll nach der Überlieferung der sechste Tag der Schöpfungsgeschichte gewesen sein, an dem Gott den Menschen erschaffen hat.

Rechenschaft über das eigene Handeln

Bei Rosch ha-Schana geht es um die Beziehung zwischen Gott und den Menschen. Mit ihrem Bund mit Gott am Sinai sind die Juden eine besondere moralische Verpflichtung gegenüber dem Schöpfer eingegangen. Zur Rosch ha-Schana legen die Gläubigen jedes Jahr vor sich und vor Gott Rechenschaft über ihr Handeln ab und bekennen sich zur Umkehr. Es ist der einzige Feiertag, der sowohl in der Diaspora als auch in Israel zwei Tage lang gefeiert wird.

Nach jüdischem Glauben öffnet Gott am ersten Tag von Rosch ha-Schana das Buch des Lebens („Sefer ha-Chajim“), in dem das Schicksal der Menschen für das kommende Jahr festgeschrieben wird. Zehn Tage lang haben die Gläubigen noch die Chance, Gottes Urteil durch gute Taten und aktive Reue positiv zu beeinflussen, bis es am 10. Tischri zu Jom Kippur besiegelt wird. Daher rührt auch der Feiertagswunsch: „Schana tova u-metuka we-chatima tova“ (Gutes und süßes Jahr und eine gute Eintragung).

... am ersten Tag des Monats, ist für euch Ruhetag, in Erinnerung gerufen durch Lärmblasen, eine heilige Versammlung.
3. Buch Mose, 23,24

Unverzichtbar: Das Schofarhorn

Das Fest findet zum Großteil in der Synagoge statt, ein unverzichtbares Musikinstrument dabei ist das „Schofarhorn“, ein rituelles Blasinstrument aus einem Widderhorn. Seine Töne sollen die Gemeinde zur Besinnung aufrufen und das Lob Gottes verkünden. Das Schofar wird mehrfach während der Morgengottesdienste in festgelegter Tonfolge geblasen. Nur wenn der erste Tag von „Rosch ha-Schana“ auf einen Schabbat fällt, bleibt das Schofar still. Das Schofarhorn wird auch am zweiten Feiertag geblasen sowie an Jom Kippur.

Ein orthodoxer Jude bläst das Schofarhorn.
Reuters/Baz Ratner
Ein orthodoxer Jude bläst das Schofarhorn an der Klagemauer in Jerusalem.

Kurz vor Sonnenuntergang des ersten Tages entledigen sich die Gläubigen symbolisch ihrer Sünden mit dem „Taschlich“-Brauch. Dabei wirft man Krümel, die noch in den Taschen der Kleidung hängen, oder kleine Steine in ein Wasser und spricht dabei einen Bibelvers.

Süße Speisen dominieren die Festtafel

Obwohl ernste Themen wie Reue und Umkehr im Mittelpunkt stehen, ist Rosch ha-Schana ein freudvolles Fest im Vertrauen auf Gottes Erbarmen und auf ein gutes neues Jahr. In vielen Gemeinden wird der Neujahrsgottesdienst besonders festlich gestaltet. Weiß als Farbe der Reinheit herrscht vor: Der Vorhang des Toraschrein und der Überwurf des Lesepults sind wie die Kleidung der Betenden aus weißem Stoff.

Äpfel, Honig und Granatäpfel zu Rosch Ha-Schana
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Traditionell isst man zu Rosch ha-Schana Speisen, die so süß sind, wie das neue Jahr sein soll. Typisch sind in Honig getauchte Äpfel und Granatäpfel als Symbol der Fruchtbarkeit.

Wie jedes jüdische Fest beginnt auch das Neujahrsfest bereits am Vorabend, an „Erev Rosch ha-Schana“. Während sich die Männer in der Synagoge mit dem „Kol Nidre“-Gebet von jenen Gelübde lösen, die sich sich selbst auferlegt haben, bereiten die Hausfrauen ein Feiertagsmahl mit besonderen Speisen vor. Man isst bevorzugt süße Speisen, die ein bevorstehendes „süßes Jahr“ symbolisieren. So taucht man Apfelstückchen in Honig und spricht vor ihrem Verzehr einen Segen über die Baumfrüchte. Sehr verbreitet sind Honigkuchen und „Zimmes“, ein süß geschmortes Karottengericht. Auch Granatäpfel werden zu Rosch ha-Schana häufig gegessen. Mit ihren vielen Kernen stehen sie für Fruchtbarkeit.

Übersichtsartikel zum Judentum

Siehe dazu auch im ORF-Religionslexikon:

Aus dem ORF-Medienarchiv Judentum