Koran

Das heilige Buch der Muslime

„Al-Quran al-karim“ (der edle Koran) ist das heilige Buch der Muslime, das in arabische Schrift gegossene Wort Gottes („Allah“). Nach muslimischem Glauben liegt das Original der heiligen Schrift auf Tafeln im Himmel bei „Allah“, das irdische Exemplar ist die Kopie dieses Texts: Demnach ist der Koran dem Propheten Mohammed zwischen 610 und 632 n. Chr. vom Erzengel Gabriel („Dschibril“) offenbart worden. Er gilt Muslimen nach Altem und Neuem Testament als das letzte, einzig gültige Offenbarungsbuch und drückt Gottes Willen aus.

Prachtexemplar eines Korans
Thinkstock/xyno
Koranausgaben werden oft sehr aufwändig und kostbar gestaltet.

Offenbart in Mekka und Medina

Der Koran enthält 114 Abschnitte, Suren genannt, die wiederum in Verse („Ayat“) unterteilt sind. Nach der ersten Sure, „al-Fatiha“ (die Eröffnung), einem der meistzitierten Gebete des Islam, sind die weiteren Suren fast durchgehend nach ihrer Länge - von der längsten zur kürzesten - geordnet. Alle Suren, außer der Sure 9, „at-Tauba“ (die Buße), beginnen mit der Gebetsformel „Basmala“ - „bi-smi llahi r-rahmani r-rahim“ (Im Namen des barmherzigen und gnädigen Gottes, Übers. n. Paret). Alle Suren tragen Namen, die jedoch nicht unbedingt den Inhalt des folgenden Abschnitts zusammenfassen.

Mit den Worten „Iqra bi-smi rabbika lladi chalak“ (Trag vor im Namen deines Herrn, der erschaffen hat. Sure 96,1, Übers. n. Paret) soll sich Erzengel Gabriel im Jahr 610 n. Chr. Mohammed in einer Höhle auf dem Berg Hira genähert und ihm die erste Offenbarung Gottes ins Herz diktiert haben. Im Lauf von Mohammeds Leben bis zu seinem Tod hatte der muslimische Prophet immer wieder Offenbarungserlebnisse, die er an seine Anhänger weitergab. Je nach Offenbarungsort unterscheidet man zwischen mekkanischen und medinensischen Suren. Üblicherweise wird in den Koranexemplaren der Herkunftsort zusammen mit dem Namen der Sure und der Anzahl der Verse in einer Liste angeführt.

Kunstvolle Koranrezitationen als gottgefällige Tat

Die erste Koranausgabe geht auf den dritten rechtsgeleiteten Kalifen Uthman zurück. Er fasste verschiedene Textpassagen und Koranausgaben zu einer einzigen Version zusammen. Dazu musste jeder Vers von zwei Zeugen bestätigt werden. Nur sechs Verse sind ausschließlich von Mohammeds Vertrauensperson, seinem ehemaligen Diener, Said, bestätigt worden. Bereits zuvor, unmittelbar nach Mohammeds Tod im Jahr 632 n. Chr., hatte der erste rechtsgeleitete Kalif Abu Bakr alle Textstücke zusammengetragen, um sie vor dem Vergessen zu retten. Diese waren jedoch noch in unterschiedlichen arabischen Dialekten abgefasst. Mit Uthmans Version setzte sich der quraischitische Dialekt, das Arabisch des Propheten, als Vorlage für das heutige Hocharabisch durch.

Die arabische Schrift kennt einige Buchstaben, die sich nur durch Punkte, die diakritischen Zeichen, unterscheiden. Auch Vokale werden teilweise nicht in der Schrift wiedergegeben. Daher kam zu Beginn der Korantradition der mündlichen Überlieferung große Bedeutung bei. Der niedergeschriebene Text war dafür eher eine Gedächtnisstütze. Zwar wurden die diakritischen Zeichen im 10. Jahrhundert ergänzt und die Eindeutigkeit der Worte somit festgeschrieben, doch gilt es noch heute als gottgefällig, den Koran auswendig rezitieren zu können. Koranrezitationen sind in der islamischen Welt auch auf Tonträgern sehr beliebt. Vor allem im Ramadan gibt es in Fernsehen und Radio viele Koranrezitationen und sogar Wettbewerbe.

Unübersetzbare, heilige Schrift

Das koranische Arabisch wird als sprachlich besonders schön und anspruchsvoll angesehen, was für Muslime den göttlichen Ursprung des Texts belegt. Daher darf man den Koran nur im rituell reinen Zustand (mehr dazu im Beitrag „Wudu’“) berühren. Koranexemplare sind meistens aufwändig verziert, sie müssen in Ehren gehalten werden und dürfen nicht einfach weggeworfen werden. Der Koran muss außerdem in seiner Originalsprache Arabisch rezipiert werden, er kann für religiöse Zwecke nicht übersetzt werden. Zum Einen wird der sprachliche Ausdruck als Teil der göttlichen Offenbarung gewertet, zum Anderen werden Übersetzungen für Interpretationen und damit Verfälschungen gehalten.

Koranübersetzungen:

  • Friedrich Rückert: Der Koran. Anaconda, 576 Seiten, 7,95 Euro.
  • Rudi Paret: Der Koran. Kohlhammer, 440 Seiten, 19 Euro.
  • Hartmut Bobzin: Der Koran. Beck, 640 Seiten, 17,95 Euro.
  • Koranübersetzungen (Wikipedia-Eintrag)

Dennoch wurde der Koran zahlreiche Male in andere Sprachen übertragen. Die deutschsprachige Wissenschaft anerkennt die Übersetzung von Rudi Paret (1966), die ziemlich nahe am Originaltext bleibt, als Standardwerk. Paret ergänzt seine Übersetzung mit einem Kommentar und einer Konkordanz. Poetischer ist der Text von Friedrich Rückert (1888), der versucht hat, auch die sprachliche Schönheit des Koran ins Deutsche zu übertragen, heute allerdings als veraltet gilt. Die jüngste Übersetzung hat Hartmut Bobzin, Professor für Semitische Philologie und Islamwissenschaft, vorgelegt. Illustriert von Shahid Alam versucht auch dieses Werk, die Schönheit des Korans auch in der deutschen Ausgabe abzubilden.

Der Koran als Quelle für Recht und Wissenschaft

Im Koran sind die Glaubensgrundsätze und zahlreiche religiöse und gesetzliche Vorschriften niedergeschrieben. Manche Passagen beziehen sich auf Ereignisse der damaligen Zeit, andere erzählen Geschichten über biblische Figuren wie Adam, Abraham, Mose und auch Jesus, die auch im Islam als Propheten gelten.

Zusammen mit der „Sunna“ (Brauch), die als Aussprüche und Berichte vom Propheten Mohammed in den Hadithen überliefert ist, bildet der Koran die Grundlage für muslimische Lebensregeln und die islamische Rechtssprechung, die Scharia, aber auch für verschiedene Wissenschaftszweige. Neben seiner Eigenschaft als Referenzwerk für die arabische Sprache, entwickelte sich rund um den Koran die umfassende Wissenschaft der Koranexegese („Ilm at-Tafsir“), da der Koran ohne weitere Auslegung auch für Muttersprachler schwer verständlich ist.

Übersichtsartikel zum Islam

Siehe dazu auch im ORF-Religionslexikon: