Hadsch

Große Pilgerreise der Muslime nach Mekka

Mindestens einmal im Leben muss jeder Muslim, der dazu in der Lage ist, den „Hadsch“ (große Pilgerfahrt), nach Mekka unternehmen: „Und Gott hat den Menschen die Pflicht zur Wallfahrt nach dem Haus auferlegt, allen, die dazu eine Möglichkeit finden“ (Koran, Sure 3, 97). Als fünfte der „fünf Säulen des Islam“ ist die Hadsch eine der zentralen Glaubenspflichten. Die anderen fünf Säulen des Islam sind die „Schahada“ (Glaubensbekenntnis), „Salat“ (Gebet), „Zakat“ (Almosen) und das Fasten im Ramadan (Fasten)

Der Hadsch, an dem jedes Jahre rund 2,5 Millionen Muslime aus aller Welt teilnehmen, findet immer im Pilgermonat Dhu l-Hidscha, dem letzten Monat im islamischen Kalender, statt. Am Ende des Hadsch steht das viertägige Opferfest („Id al-Adha“).

Schematischer Ablauf der Hadsch, Stationen, Illustration der Moschee Grafik
APA/Rainer Waxmann
Übersicht über den Ablauf des Hadsch

Für den Hadsch gilt eine Reihe von Ritualen, die streng eingehalten werden müssen, da die Pilgerreise sonst ungültig im Sinn der Glaubenspflicht wird. Die meisten Pilger reisen daher in Gruppen und lassen sich von kundigen Pilgerführern anleiten und begleiten. Weil Mekka jedes Jahr während des Hadsch überlaufen ist, gibt die saudiarabische Regierung Visa nur sehr restriktiv aus: Pro 1.000 Einwohner eines Landes wird nur ein Visum ausgestellt.

Nach Mekka im Weihezustand „Ihram“

Die Pilgerreise beginnt mit dem Eintritt in den Weihebezirk etwa 20 Kilometer rund um Mekka, der für Nicht-Muslime tabu ist. Die Pilger versetzen sich in den Weihzustand („Ihram“): Die Pilger duschen („Ghusl“), legen ihr Pilgergewand an und bekunden ihre innere Absicht („Nija“), den Hadsch zu machen. Männer tragen zwei ungesäumte, weiße Tücher. Durch diese einheitliche, einfache Kleidung soll die Gleichstellung aller Gläubigen vor Gott und dem jüngsten Gericht – ungeachtet der Klasse und Herkunft – symbolisiert werden. Frauen bedecken ihren Körper und ihr Haar, nur die Hände und das Gesicht müssen frei bleiben.

Zwei Pilger vor der Kaaba während der Hadsch
Reuters/Ali Jarekji
Den heiligen Bezirk dürfen die Pilger nur in der Pilgerkleidung betreten

Danach beten die Pilger zwei Gebetseinheiten („Raka“ - mehr dazu in Salat). Heute wird der Übertritt in den Weihebezirk meist im Flugzeug vollzogen, der Zeitpunkt wird an Bord bekannt gegeben. Während des gesamten Hadsch ist es verboten, sich zu rasieren, das Haar und die Fingernägel zu schneiden und Parfüm zu benutzen. Während des Weihezustands bis zum Ende des Hadsch dürfen Muslime nicht heiraten und keinen Geschlechtsverkehr haben. Auch Auseinandersetzungen, Provokationen und das Töten von Tieren, beispielsweise auf der Jagd, sind verboten.

Sieben Mal um die Kaaba, Wasser aus dem Zamzam

Der erste Weg in Mekka führt die Wallfahrer in die „al-Masdschid al-haram“, die große Moschee, in deren Innenhof die Kaaba steht. Dort laufen die Pilger sieben Mal spiralförmig gegen den Uhrzeigersinn um die Kaaba, bis sie den schwarzen Stein erreichen, der in ihre Ostseite eingelassen ist. Dieser Lauf heißt „Tawaf“.

Nach einem persönlichen Gebet trinken die Pilger Wasser aus dem Zamzam-Brunnen. Dieser Brunnen soll an jener Stelle stehen, aus der Gott nach islamischer Überlieferung Wasser sprudeln ließ, um Hagar und ihren Sohn Ismael vor dem Verdursten zu retten, nachdem Abraham (Arabisch: „Ibrahim“) sie in Mekka zurück gelassen hatte. Der verzweifelten Wassersuche Hagars wird auch beim nächsten Pilgerritual gedacht: Wie Hagar laufen die Wallfahrer sieben Mal zwischen den beiden Hügeln Safa und Marwa hin und her, begleitet von Gebeten. Dieses Ritual heißt „Sa’i“.

Spiritueller Höhepunkt beim Berg Arafat

Nach diesen Vorbereitungen beginnt die eigentliche, gemeinschaftliche Wallfahrt am 8. Dhu l-Hidscha mit dem „Lauf nach Mina“, einem Ort östlich von Mekka, wobei der „Lauf“ heute meist in Bussen absolviert wird. Dort verbringen die Pilger einen ganzen Tag, vom Mittagsgebet („Zuhr“) bis zum Morgengebet („Fadschr“) am darauffolgenden Tag.

Pilger beten auf dem Berg Arafat bei Mekka
Reuters/Ammar Awad
Die Gebete auf dem Berg Arafat sind der spirituelle Höhepunkt des Hadsch

Am 9. Dhu l-Hidscha geht es in der Morgendämmerung zum nahe gelegenen Berg Arafat, wo die Pilger bis zum Sonnenuntergang bleiben. Es ist die Zeit für persönliche Gebete in der Muttersprache, für Bitte um Vergebung der Sünden und für die völlige Hingabe an Allah. Spirituell gilt der Aufenthalt auf und um den Berg Arafat, einer etwa 70 Meter hohen Granitformation, als Höhepunkt der Hadsch. Auf diesem Berg soll Gott Adam und Eva nach der Vertreibung aus dem Paradies und einer 200 Jahre währenden Trennung wieder zusammengeführt haben.

Steinigung des Teufels vor dem großen Fest

Die Nacht verbringen die Pilger unter freiem Himmel im Nachbarort Muzdalifa. Noch vor Sonnenaufgang, nach dem Morgengebet („Fadschr“) machen sich die Pilger wieder Richtung Mina auf. Spätestens jetzt sollten alle mindestens sieben Steinchen für die „Steinigung des Teufels“ gesammelt haben. Dieses Ritual wird heute auf der Dschamarat-Brücke absolviert, wo die Pilger den Teufel symbolisch steinigen, indem sie sieben Steinchen - oder ein Vielfaches davon: 49 oder 70 - gegen eine Wand werfen, die den Satan repräsentiert. In früheren Zeiten waren es statt der Wand drei Säulen, die „Dschamarat al-Aqaba“ (Säulen von Aqaba).

Zeltstadt bei Mena während der Hadsch
Reuters/Mohammed Salem
In Mina sind die Pilger in gigantischen Zeltstädten untergebracht

Am 10. Dhu l-Hadsch bringen die Pilger in Mina ein Tieropfer dar. Das ist auch der Auftakt zum „Id al-Adha“ (Opferfest), das alle Muslime weltweit gleichzeitig feiern. Mit dem Tieropfer wird der Bereitschaft Abrahams gedacht, seinen Sohn Ismael für Gott zu opfern. Das Fleisch essen die Pilger teils selbst, teils spenden sie es Bedürftigen.

Ende des Hadsch

Nach der rituellen Schlachtung treten die Wallfahrer aus ihrem Weihezustand („Ihram“). Die Männer lassen sich die Kopfhaare abrasieren, die Frauen die Haare schneiden. Duschen, rasieren und normale Straßenkleidung sind wieder erlaubt. Alle Verbote, die während des Ihram gelten, sind aufgehoben, außer der Enthaltsamkeit. Zurück in Mekka verrichten die Pilger noch einen „Tawaf“, die siebenmalige Umrundung der Kaaba, und einen „Sa’i“, das siebenmaligen Hin- und Herlaufen zwischen den Hügeln Safa und Marwa, falls sie vor dem Hadsch nicht dazu gekommen sind.

Vom 11. bis zum 13. Dhu l-Hidscha kehren die Pilger nach Mina zurück und wiederholen die „Steinigung des Teufels“ an den drei „Dschamarat al-Aqaba“, den Säulen von Aqaba. Den Abschluss bildet die Rückkehr nach Mekka und ein Abschiedstawaf. Nach der Pilgerfahrt besuchen viele Wallfahrer noch Medina, wo der Prophet Mohammed begraben ist.

Ehrentitel „Hadschi“

Wer vom Hadsch zurückkehrt, wird meist festlich empfangen. In vielen Gegenden wird das Haus mit Motiven der Pilgerreise bemalt. Männer, die den Hadsch absolviert haben, erhalten den Ehrentitel „Hadschi“, Frauen „Hadscha“.

„Umra“, die kleine Wallfahrt

Die kleine Wallfahrt, die Umra, kann jederzeit gemacht werden. Sie dauert nur wenige Stunden und besteht aus einem „Tawaf“ und einem „Sa’i“, dem Lauf zwischen den Hügeln Safa und Marwa. Auch bei der Umra muss der Pilger im Weihezustand sein und seine Absicht ("Nija) bekundet haben. Sie gilt allerdings nicht als Erfüllung der Glaubenspflicht zur Wallfahrt.

Übersichtsartikel zum Islam

Siehe dazu auch im ORF-Religionslexikon:

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