Jüdischer Kalender

Jüdische Zeitrechnung ab Erschaffung der Welt

Die jüdische Zeitrechnung beginnt im Jahr 3761 vor christlicher Zeitrechnung. In diesem Jahr, konkret am 6. Oktober, hat Gott nach jüdischem Glauben die Welt erschaffen. Daher steht der jüdische Kalender mittlerweile im 6. Jahrtausend. Der jüdische Kalender ist ein Lunarsolarkalender. Das bedeutet, das zwar das Jahr wie im islamischen Kalender in zwölf Mondmonate aufgeteilt ist, Schaltjahre aber den jüdischen Kalender an das um elf Tage längere Sonnenjahr angleichen.

Durch ein Schaltjahrsystem, bei dem in einem Zeitraum von 19 Jahren sieben Schaltmonate eingeschoben werden, wandern die Feiertag nicht durch den Jahreskreis wie im islamischen Kalender, sondern finden immer zur selben Jahreszeit statt. Das ist wichtig, weil die viele jüdische Feiertagsriten einen Bezug zur jeweiligen Jahreszeit haben. So ist Chanukka ein Lichterfest im Winter und Sukkot im Herbst hat Elemente eines Erntedankfests. Dieser Schaltmonat wird vor dem Monat „Adar“ eingeschoben und heißt ebenfalls „Adar“.

Konstanter Kalender im Judentum

Während Muslime den neuen Monat und den Beginn von Feiertagen durch Beobachtung feststellen, hat sich im Judentum ein konstanter Kalender durchgesetzt, den der jüdische Patriarch Hillel II. im 4. Jahrhundert entwickelt hat. Dieser weist den Mondmonaten eine verbindliche Anzahl von Tagen - 29 oder 30 - zu. Zusätzlich zu den Schaltmonaten hat Hillel II. ein System aus Schalttagen entwickelt, die in einem bestimmten Rhythmus dem Monat „Cheschwan“ zugerechnet und dem Monat „Kislew“ abgezogen werden. Damit werden etwas mehr als acht Stunden kompensiert, die ein Mondjahr aus Monaten mit 29 und 30 Tage kürzer ist als ein Sonnenjahr.

Bevor der Kalender eingeführt wurde, legten auch die Juden Daten durch Himmelsbeobachtung fest. Aus dieser Zeit stammt der Brauch, dass Juden in der Diaspora eintägige Feiertage zwei Tage lang feiern. Das sollte verhindern, dass man auf Grund mangelhafter Informationen über den Stand des Neumondes in Israel einen Feiertag entweiht. Nur der Versöhnungstag „Jom Kippur“ wird auf Grund des strengen Fastengebots nur einen Tag lang gefeiert.

Die zwölf jüdischen Monate

Das jüdische Jahr beginnt im Herbst mit dem ersten Tag des Monats „Tischri“, an dem das Neujahrsfest „Rosch ha-Schana“ gefeiert wird. „Tischri“ gilt jedoch als siebter Monat im Jahreskreis. Der erste Monat ist „Nisan“, der zwischen Mitte März und Mitte April beginnt und in dem Pesach gefeiert wird.

Die jüdischen Monate heißen:

„Es wurde Abend und es wurde Morgen: erster Tag.“

Gen 1,5 nach der Einheitsübersetzung der Bibel

Die jüdische Woche

Wichtigster Tag der jüdischen Woche ist der Samstag, der Schabbat, der als heiliger Feiertag begangen wird. Er ist der siebte und letzte Tag der Woche und der einzige Tag, der einen eigenen Namen trägt. Alle anderen Wochentage sind einfach durchnummeriert, beispielsweise „Jom rischon“ (wörtlich: erster Tag; Sonntag). In orthodoxen Kreisen gilt übrigens Dienstag („Jom schlischi“; der dritte Tag) als besonders segensreich für Hochzeiten, heißt es doch in der Schöpfungsgeschichte für diesen Tag gleich zwei Mal „Gott sah, dass es gut war.“ (Gen 1,9 - 12 nach der Einheitsübersetzung der Bibel).

Der Tag beginnt am Abend und endet, wenn der nächste Vorabend beginnt. Im jüdischen Kalender ist 18 Uhr als Einheitstagesbeginn festgelegt. Diese Zeitangabe dient aber nur dazu, im jüdischen Kalender auch verbindliche Uhrzeiten benennen zu können. Der Beginn von Feiertagen und die Gebetszeiten werden regional je nach Sonnenauf- und -untergang festgelegt. Heute veröffentlichen die meisten jüdischen Gemeinden die Zeiten auch im Internet.

Der Jüdische Jahreskreis

Feiertage und Feste spielen im religiösen Leben der Juden eine wichtige Rolle. Vor allem im Frühjahr und im Herbst gibt es eine Reihe von Festen:

Übersichtsartikel zum Judentum

Siehe dazu auch im ORF-Religionslexikon: