Thora

Die ersten fünf Bücher der Bibel, die fünf Bücher Mose

Die „Thora“ (Belehrung) ist der erste und wichtigste Teil der hebräischen Bibel, des „Tanach“. Sie besteht aus fünf Büchern, die in der christlichen Bibel als fünf Bücher Mose bezeichnet werden, in der Bibelforschung als „Pentateuch“. Nach biblischer Überlieferung hat Gott die Thora am Sinai dem Volk Israel durch Mose („Mosche“) geoffenbart.

Eine Thorarolle, die zu Pessach an der Klagemauer getragen wird
Reuters/Darren Whiteside
Zu Feiertagen und am Schabbat wird die Thorarolle aus ihrem Thoraschrein genommen und den Gläubigen gezeigt.

Die fünf Bücher der Thora

Die Einteilung in fünf Bücher ergab sich durch die beschränkte Länge der Pergamentrollen, auf denen der Text im Altertum aufgezeichnet wurde. Im Hebräischen sind die fünf einzelnen Bücher der Thora nach dem Wort benannt, mit dem das Buch beginnt. In christlichen Übersetzungen werden die Bücher 1. bis 5. Mose genannt, der lange als Autor der Thora galt. Parallel dazu gibt es die lateinisierten Titel der „Septuaginta“, der ältesten durchgängigen Bibelübersetzung ins Griechische.

613 Ge- und Verbote

Die Thora enthält 248 Gebote - so viele, wie der Körper Knochen hat, und 365 Verbote - so viele, wie das Jahr Tage hat.

In der Thora sind insgesamt 613 Ge- und Verbote („Mizwot“) enthalten, die das Gerüst für religiös korrektes Verhalten bilden. Am wichtigsten unter ihnen sind die Zehn Gebote, die in leicht unterschiedlichen Versionen in Exodus 20,2-17 und in Deuteronomium 5,6-21 niedergeschrieben sind. Die insgesamt 613 Mizwot unterteilen sich in 248 Gebote und 365 Verbote.

Einjähriger Lesezyklus in der Synagoge

Auch die öffentliche Thoralesung ist in der Thora geboten: „Versammle das Volk - die Männer und Frauen, Kinder und Greise, dazu die Fremden, die in deinen Stadtbereichen Wohnrecht haben -, damit sie zuhören und auswendig lernen und den Herrn, euren Gott, fürchten und darauf achten, dass sie alle Bestimmungen dieser Weisung halten“ (Deuteronomium 31,12).

Eine Thorarolle
Thinkstock/iStock/patrick banks
Die Thorarolle wird niemals mit den Fingern berührt, sondern nur mit dem Thorazeiger.

Für den einjährigen Lesezyklus in der Synagoge wurde die Thora in 54 Abschnitte („Paraschot“, Singular: „Parascha“) eingeteilt. An jedem Schabbat-Gottesdienst wird ein Abschnitt auf Hebräisch vorgelesen. Damit sich die 54 Paraschot innerhalb eines Jahres ausgehen, gibt es an manchen Samstagen Doppellesungen. Der Lesezyklus endet am Feiertag „Simchat Thora“ (Freude an der Thora) und beginnt unmittelbar nach der Lesung des letzten Abschnitts von vorne. Das soll die Kontinuität der Thora verdeutlichen. Mehr zu Simchat Thora im Eintrag Sukkot (Laubhüttenfest).

Die Thora als Herzstück der Synagoge

Die Lesung der Thora ist das Kernstück des Schabbat-Gottesdiensts. Zwar singt der Vorbeter die vorgesehen Stellen laut vor, doch werden auch erwachsene Angehörige der Gemeinde zur Thoralesung aufgerufen. Als erwachsen gelten Buben ab dem Alter von 13 Jahren - mehr dazu im Eintrag Bar Mizwa - Bat Mizwa. In der Synagoge werden die Texte von Thorarollen gelesen, die von Hand geschrieben wurden.

Auch diese Thorarollen - nicht nur die Worte selbst - gelten den Gläubigen als heilig. So benutzt man beim Lesen der Thoraabschnitte einen Thorazeiger, um den heiligen Text nicht mit den Fingern zu berühren. Die Thorarollen werden im Thoraschrein („Aron ha-kodesch“, heiliger Schrank) aufbewahrt und sind aufwändig geschmückt und verpackt. Trägt man die Rollen für den Gottesdienst zum Lesepult („Bima“), so greift man die Rolle nur an ihren Holzstäben an und vermeidet den Kontakt mit dem Papier, um es möglichst zu schonen.

Ist eine Thorarolle nach einigen Jahrzehnten oder sogar Jahrhunderten dennoch abgenutzt und schadhaft, darf sie nicht weggeworfen werden. Heilige Texte müssen auf dem jüdischen Friedhof bestattet oder in einer „Genisa“, einem Speicherort für heilige Texte in einer Synagoge oder auf einem Friedhof aufbewahrt werden. Als heilig gelten alle Texte, in denen Gottes Namen genannt wird.

Thora als Synonym für „Tanach“

Die vollständige hebräische Bibel heißt „Tanach“, das auf Hebräisch mit den Buchstaben t-n-k geschrieben wird. Das Wort wurde aus den Anfangsbuchstaben der drei Teile des Tanach gebildet. Thora, Neviim (Propheten) und Ketuvim (Schriften). Im üblichen Sprachgebrauch ist mit „Thora“ häufig der gesamte Tanach gemeint. Der Tanach unterscheidet sich in einigen Büchern vom christlichen Alten Testament - siehe auch den Eintrag (christliche) Bibel.

Wort für Wort Gotteswort

Nach orthodox-jüdischer Auffassung ist die Thora Gottes Wort und deshalb bis auf den letzten Buchstaben wahrhaftig. Widersprüche zur modernen Wissenschaften werden als Irrtümer verstanden: entweder seitens der Forschung oder seitens der Bibelauslegung.

Zusätzlich zur schriftlichen Thora gibt es die mündliche Thora, die Mose von Gott als Schlüssel zum Verständnis für die schriftliche Thora erhalten haben soll und die von den Propheten und später von den Gelehrten des Volkes Israel überliefert wurde. Erst um 200 n. Chr. wurde die mündliche Thora verschriftlicht. Diese Textsammlung heißt Mischna - mehr dazu im Eintrag Talmud .

Übersichtsartikel zum Judentum

Siehe dazu auch im ORF-Religionslexikon:

Aus dem ORF-Medienarchiv Judentum

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