Ganges

Der heiligste aller Flüsse für Hindus

Hindus verehren das Höchste in der gesamten Natur: in Erde, Feuer, Wind und in allen Gewässern. Besondere Verehrung aber gebührt dem Fluss Ganges, genannt Ganga oder Ganga Ma (Mutter Ganga).

Spirituelle Reinigung durch Ganges-Wasser

Nach altem Glauben kann ein Bad im Ganges nicht nur körperliche Leiden günstig beeinflussen, sondern sogar alle Sünden abwaschen. Das Wasser des Flusses und seiner vielen verschiedenen Arme füllt man in Flaschen und nimmt es mit nach Hause. Es dient bei allen hinduistischen Riten als Weihwasser und als Grundlage für jede spirituelle Reinigung.

Entlang des Flusses sind unzählige Wallfahrtsorte zu finden, wie etwa Haridwar, Varanasi (vorher Benares genannt) als wichtigster Wallfahrtsort und Allahabad mit dem gigantischen Wasserfest Kumbh Mela. Unzählige kleine und große Feste finden im Lauf des Jahres am Wasser statt. Wichtige Plätze der Verehrung bieten die Ghats, breite Stiegen an den Ufern. Hierher kommen täglich fromme Hindus, um unter Gebeten ein Bad zu nehmen und dadurch Körper und Geist zu reinigen. Auf eigens dafür reservierten Plätzen am Ufer werden die Leichen der Verstorbenen verbrannt. Die Asche wird anschließend ins Wasser gestreut. Auch alte Götterstatuen, Opfermaterial von Gottesdiensten und andere sakrale Dinge übergibt man hier den Elementen.

Man findet Ganga auch als Bildnis, personifiziert als anmutiges junges Mädchen, dargestellt mit dem krokodilähnlichen Makara als Vahana (Begleittier). Trotzdem gilt die Verehrung hauptsächlich dem Wasser.

Verschmutzung des Flusses bedenklich

Der etwa 2.600 Kilometer lange Fluss ist aber nicht nur die spirituelle Lebensader Indiens, sondern auch eine ökonomische. Chemische Rückstände aus Industrie und Landwirtschaft, das Verlangen der Agrarwirtschaft nach mehr und mehr Bewässerung sowie ungeklärte Abfälle von Millionenstädten haben das Wasser jedoch inzwischen so sehr belastet, dass die Verschmutzung längst einen kritischen Punkt erreicht hat. Im indischen Umweltministerium gibt es eine Abteilung, die sich ausschließlich mit der Sanierung des Ganges beschäftigt. Das schmälert jedoch nicht die Bedeutung des Flusses als Göttin.

Hymne an Mutter Ganga

Man sagt, dass dem, der dir ergeben ist,
der Tod nichts anhaben kann.
Wer von deinem klaren Wasser getrunken hat,
erreicht mit Sicherheit den höchsten Ort.
O Jahnavi! O Ganga!

Erlöserin der Gestrauchelten,
deren Wellen schön sind,
Beschützerin der Gefallenen,
sei gepriesen in den drei Welten!
O Ganga, die zum Ozean geht,
von Kummer ist frei, wer dich verehrt!
Wer in deinen Strömen badet, O Mutter,
wird niemals wieder geboren werden.

O Beschützerin vor der Hölle! O Jahnavi! O Ganga!
O Zerstörerin der Sünden! Erhaben bist Du in Deiner Größe!

Auszug aus dem „Ganga Stotra“, dem Philosophen Sankara zugeschrieben

Übersichtsartikel zum Hinduismus

Siehe dazu auch im ORF-Religionslexikon: