Kumbh Mela

Das hinduistische „Fest des Kruges“ - weltgrößtes Wasserfest

Allahabad, in den alten Texten noch Prayag genannt, ist alle zwölf Jahre Schauplatz der „Kumbh Mela“, des größten Wasserfestes der Welt. Wahrscheinlich ist es durch die Massen von Menschen das größte Pilgerfest überhaupt. Die Stadt liegt am Zusammenfluss von drei heiligen Flüssen: Ganges, Yamuna und der mythischen Saraswati.

Außer in Allahabad, dem wichtigsten Ort, findet diese Veranstaltung an drei weiteren Plätzen statt: im Dreijahres-Rhythmus einmal in Haridwar, dem Ganges-Pilgerort im Bundesstadt Uttarakhand, in Ujjain in Madhya Pradesh und in Nasik im Bundesstaat Maharashtra. So gibt es an jedem Ort alle zwölf Jahre eine „Kumbh Mela“. Alle zwölf Jahre wiederum gibt es in Allahabad eine sogenannte „Große Kumbh Mela“ mit Millionen von Gläubigen.

Ein Tropfen aus dem Krug der Götter

Der Ursprung der „Kumbh Mela“ ist unbekannt. Die älteste Beschreibung stammt von einem chinesischen Reisenden, der schon im siebenten Jahrhundert berichtete, dass eine halbe Million Menschen an der Mela teilgenommen habe. Man kann aber davon ausgehen, dass sie noch weit älter ist. Die mythische Erklärung für die Heiligkeit dieser Orte beruht auf einer Erzählung. Danach tropften an diesen vier Orten einst aus einem Krug („Kumbh“) der Götter kostbare Tropfen des Unsterblichkeitstrankes Amrita auf die Erde.

Anziehungskraft für Millionen von Menschen

Einige Millionen Menschen strömen alle zwölf Jahre im Januar, während einer bestimmten astrologischen Konstellation, herbei und nehmen an der dem populären Flussfest teil. Ziel ist, im rechten Moment rituell ins Wasser völlig einzutauchen. Astrologen berechnen nach Stellung der Gestirne diesen Moment exakt bis auf die Minute. Das Wasser soll zu dieser Zeit besondere spirituelle Reinigungskräfte besitzen und mehr als sonst die Macht, Sünden abzuwaschen.

Hauptpersonen sind unzählige Gurus und die Führer der verschiedensten religiösen Organisationen. Viele lassen sich in kostbaren Sänften tragen oder reisen in Luxus-Limousinen mit ihren Gefolgsleuten an. Mittelpunkt sind die „Akharas“, eine Organisation mehrer Gruppen von asketischen Wandermönchen mit teilweise militantem Hintergrund. Die meisten von ihnen völlig nackt, mit ungeschnittenem, ungekämmtem Haar und die Körper mit Asche beschmiert, haben sie traditionell das Privileg, in einer langen Prozession an diesem großen Tag zuerst ins Wasser zu gehen und damit das Signal für alle anderen zu setzen.

Intensive Sicherheitsmaßnahmen

Da alles ohne zentrale Vorbereitung geschieht, kamen noch vor wenigen Jahren regelmäßig Menschen in den Massen um. Heute trifft die Regierung, ebenso wie verschiedene religiöse Vereinigungen, umfassende Sicherheitsvorkehrungen gegen gefährliches Gedränge, gegen hygienische Missstände und Betrügereien. Man setzt Sanitätsdienste und unzählige Polizisten ein. Außerdem arbeitet ein Heer von Freiwilligen mit, die Sicherheit der Teilnehmer zu gewährleisten.

Übersichtsartikel zum Hinduismus

Siehe dazu auch im ORF-Religionslexikon: