Mahabharata

Das große hinduistische Epos

Das „Mahabharata“ ist neben dem „Ramayana“ eines der zwei großen Epen des Hinduismus und damit wesentlicher Bestandteil der hinduistischen Tradition. Mit etwa 100.000 Versen in 18 Büchern gehört es zu den längsten Gedichten der Welt. Zugeschrieben wird das Epos dem mythischen Weisen Vyasa, der in der Geschichte auch als handelnde Person vorkommt. Das Alter ist unsicher, möglicherweise stammt es aus der Zeit zwischen 440 v. Chr. und 330 n. Christus. Lange nur mündlich überliefert, wurde es wahrscheinlich nach der Zeitwende aufgeschrieben.

Konflikt zwischen zwei Fürstenfamilien

„Mahabharata“ setzt sich zusammen aus den Worten „Bharata“, das noch heute für „Indien“ verwendet wird, und aus „maha“ (groß). Das Epos erzählt die Geschichte des alten Geschlechtes der Bharats und berichtet von den Konflikten zweier verwandter Fürstenfamilien: Die machtgierigen Kauravas wollen ihre Verwandten, die Pandavas, vernichten und sich deren Königreich aneignen. Diese dagegen versuchen mit allen Mitteln, den Frieden zu erhalten. Immer wieder jedoch finden sie sich in böse Machenschaften verstrickt.

Ein gemeinsames Würfelspiel, bei denen die Pandavas ihren gesamten Besitz verlieren, bildet den Höhepunkt und bringt die Wende: Draupadi, die gemeinsame Gattin der fünf Pandava-Brüder, wird als Sklavin vor der Versammlung gedemütigt. Krishna, ein Avatar (Herabkunft) Vishnus, rettet sie. Nach vielen Jahren, in denen die Pandavas in der Verbannung leben mussten, kommt es schließlich zu einer großen Schlacht in Kurukshetra, in der Nähe des heutigen Delhi. Alle Bemühungen um Frieden waren vergeblich gewesen. Die Kauravas sterben und nur wenige Pandavas überleben. Sie übernehmen die Herrschaft und führen ihr Land in eine lange, glückliche Zeit.

Wichtige Überlieferung des „Dharma“

Die Rahmenerzählung über die Fürstenfamilien berichtet von Heldentaten, Ehre und Selbstopfer. Im Laufe der Zeit flochten die Erzähler unzählige Geschichten ein, Sagen, Legenden sowie immer wieder ausführliche Abhandlungen zu Moral und Anstand. Damit gilt das Mahabharata als „Dharmashastra“, als eine der vielen Schriften, die den „Dharma“, Rechtschaffenheit und gute Sitte, überliefern. Vielen Hindus ist das Epos daher noch heute ein wichtiger Leitfaden, das aber keinen Anspruch auf absolute Wahrheit erhebt. Bestandteil des 6. Buches ist die „Bhagavadgita“, einer der weltweit populärsten hinduistischen Texte.

Übersichtsartikel zum Hinduismus

Siehe dazu auch im ORF-Religionslexikon: