Shivaismus

Eine der drei Hauptströmungen im Hinduismus

Shivaismus ist neben Vishnuismus und Shaktismus eine der drei Hauptströmungen des Hinduismus. Im Mittelpunkt steht Gott Shiva. Er stellt für seine Anhänger die Manifestation des formlosen Höchsten, des „Brahman“, dar. Religiöse Praxis und philosophische Lehren der vielen verschiedenen Strömungen des Shivaismus können sich erheblich unterscheiden. Als philosophische Ausrichtung findet man Monotheismus ebenso wie Monismus, den Glauben, dass alle Götter verschiedene Aspekte eines einzigen sind. Die Einweihung durch einen Guru ist bei den meisten dieser Sekten von großer Bedeutung.

„Puranas“ als Grundlage für Volksreligion

Quelle für shivaitische Traditionen sind eine umfangreiche Sammlung verschiedener Schriften: Zu den wichtigsten für die Volksreligion gehören auf Shiva bezogene „Puranas“, Schriften mit mythologischen Inhalten. Für den eher philosophisch esoterischen Shivaismus dagegen bilden „Tantras“ und „Agamas“ die Basis. Das sind Schriften, die sich mit philosophischem und spirituellem Wissen beschäftigen und die Shiva als Höchsten verehren. Daraus entstanden verschiedene philosophische Systeme mit selbständigen Weltanschauungen.

Shivaitische Sekten

Shivaismus besteht aus vielen, völlig unterschiedlichen religiösen Strömungen. Zu den ältesten gehören die „Pashupatas“, (nach Shiva-Pashupati, dem „Herrn der Tiere“), die schon in vorchristlicher Zeit in Texten erwähnt werden. „Pashupatas“ sind eine devotionale und asketische Bewegung, Shiva gilt als gnädiger Erlöser.

Die Religion der „Natha“ (nach Nath, einem Beinamen Shivas) soll auf die Gründung eines einfachen Fischers im 8./9. Jahrhunderts zurückgehen. Nathas lehnen Kastengrenzen kategorisch ab.

Die Theologie des volkstümlichen „Kashmirischen Shivaismus“, ebenfalls im 8./9. Jahrhundert n. Chr. entstanden, geht davon aus, dass alle Wesen mit Shiva ident sind, diese Tatsache aber aufgrund von Verblendung („Maya“) nicht erkennen.

Die monotheistischen „Lingayats“ (ab dem 12. Jahrhundert) führen als Gegenstand der Verehrung stets ein „Linga“ (ein konisches Symbol von Shiva) umgebunden mit sich. Auch sie lehnen Kastendenken sowie die Autorität der „Veden“ ab.

Besonders im Shivaismus kommen auch extreme religiöse Praktiken vor. So erscheinen „Sadhus“ (Asketen, Mönche) der „Nagas“ oft völlig nackt zu Festen, einige der Gruppen tragen jedoch häufig Speer und Schild mit sich. Als besonders extrem gelten die Asketen der „Aghoris“, die völlig außerhalb gesellschaftlicher Normen leben, häufig auf Leichenplätzen. Ihr „verrücktes“ Verhalten soll die Überwindung der Welt ausdrücken.

Drei Streifen auf der Stirn als Erkennungsmal

Shivaitische Sadhus reiben ihre Körper oft mit Asche ein. Auch drei waagerechte weiße Streifen aus Asche als Stirnzeichen sind charakteristisch, meist zusätzlich mit einem roten Punkt. Andere Gläubige tragen dies hauptsächlich während des Gebetes.

Übersichtsartikel zum Hinduismus

Siehe dazu auch im ORF-Religionslexikon: