Shiva

Der hinduistische Gott der Gegensätze

Eine der populärsten Formen des Göttlichen im Hinduismus ist „Shiva“ (wörtlich: der Freundliche, der Segensreiche). Ihm gelten völlig verschiedene Kulte, die nur eines gemeinsam haben: Shiva als Zentrum. Für Shivaiten, wie seine Anhänger genannt werden, ist er die Manifestation des Absoluten, des „Brahman“. Laut Mythologie lebt Shiva im Kailash, einem Gebirgszug im Himalaya.

Auf theologischer Ebene dagegen steht Shiva jenseits von Name, Form und Zeit. Besonders bei ihm betonen die Überlieferungen die Formlosigkeit. Darum wird Shiva grundsätzlich nicht, so wie zum Beispiel „Vishnu“, mit ausgeprägt menschlichen Zügen ausgestattet. Vorwiegend verehrt man ihn in abstrakten Formen, meist im Lingam, einem konischen Stein, oft aber auch in einem seiner Attribute, besonders im Dreizack.

Darstellungsformen von Shiva

Da Shiva besonders mehrdeutig ist, können auch die Darstellungen sehr unterschiedlich sein. Seine Hauptmerkmale sind seine weiße bzw. aschegraue Haut, ein drittes Auge als Hinweis sowohl auf Erkenntnis als auch auf Zerstörung, drei waagereichte Streifen auf der Stirn, sowie zwei oder vier Hände, in denen er Dreizack und Sanduhrtrommel trägt. Sie soll an die Vergänglichkeit erinnern. Als charakteristischer Haarschmuck befindet sich vorn an der Stirn ein Halbmond und als Bekleidung trägt er ein Leopardenfell.

Shivas Begleittier ist der weiße Buckelstier Nandi. Auch die Schlange, die er um den Hals trägt, ist mit ihm verbunden, als Symbol für Lebensenergie und für die Überwindung des Todes. Shiva lebt als friedlicher Familienvater mit seiner Familie auf dem Berg Kailash. Seine Gattin ist Parvati (in verschiedenen Namen), als Söhne gelten der elefantenköpfige Ganesha sowie der auf einem Pfau reitende Skanda (auch Kartik genannt).

Gott der Gegensätze

Mehr noch als andere Gottheiten vereint Shiva alle Gegensätze in sich: In der Mythologie gilt er als Außenseiter unter den Göttern: wild, den ganzen Körper mit Asche eingerieben, durch seine äußere Erscheinung ebenso wie durch sein Verhalten oft anrüchig. In der hinduistischen Dreiheit, der „Trimurti“, verkörpert er Zerstörung. Erscheint Shiva einerseits furchterregend, wild, ist er andererseits wohltätig und segensreich, Retter für Mensch und Tier. Ebenso verkörpert er den ewigen Yogi, versunken in Meditation auf dem Berg Kailash.

Eine bekannte Darstellung ist der auf dem Dämon „Apasmara“ (Verblendung) tanzende Shiva im Flammenkreis, der unter anderem ein Symbol für den Weltenkreislaufes ist. Hier ist er „Nataraja“, der König des Tanzes. Sein rasender kosmischer Tanz symbolisiert Zerstörung, das gesamte Universum kommt zu seinem Ende. Er tanzt aber auch den freudigen Tanz, damit daraus eine neue Schöpfung entsteht. Die Tradition kennt ihn ebenso als „Vishvanatha“ (Herr des Alls) und als „Shankara“ (der Wohltätige). Als „Pashupati“, Herr der Lebewesen, verehren ihn besonders Hindus in Nepal.

Übersichtsartikel zum Hinduismus

Siehe dazu auch im ORF-Religionslexikon: