Vishnuismus

Verschiedene Wege der Verehrung Vishnus

Vishnuismus ist neben Shivaismus und Shaktismus eine der drei Hauptströmungen des Hinduismus. Im Mittelpunkt steht Gott Vishnu; er stellt für seiner Anhänger die Manifestation des formlosen Höchsten, des „Brahman“, dar. Nach vishnuitischen Lehren entstanden alle anderen Götter aus ihm und sind von ihm abhängig. Wichtige Texte des Vishnuismus sind die „Upanishaden“ sowie die „Bhagavadgita“ und verschiedene „Puranas“, wobei dem „Bhagavatapurana“ der erste Platz zukommt.

Der Vishnuismus besteht aus vielen verschiedenen Strömungen. Zwar verehren alle Vishnu, beziehungsweise eine seiner vielen Formen und „Avatara“ (Herabkünfte). Trotzdem folgen sie vollkommen verschiedenen Lehren und Philosophien. Für die Glaubenspraxis bedeutender als philosophische Erörterungen ist jedoch die Tatsache, welche Form im Zentrum der Verehrung steht: Ist es für die einen Vishnu, nimmt bei anderen sein Avatara Krishna diesen Platz ein während Rama, eine weitere Herabkunft Vishnus, für andere das höchste Göttliche darstellt.

Unterschiedliche vishnuitische Gottesbilder

Charakteristisch für alle Vishnuiten ist „Bhakti“ (bedingungslose Gottesliebe) sowie die Annahme, dass alle Menschen erlöst werden können, auch jene aus niedrigeren Gesellschaftsschichten. Gott ist Retter und Erlöser, von dessen Gnade alles abhängt. Die Gläubigen sehen sich als seine Kinder oder seine Diener.

In vielen Zweigen des Vishnuismus ist Vishnu der einzige, höchste Gott. Für sie gelten alle anderen Götter, wie z.B. Shiva oder die Göttin, als ihm unterlegene Geistwesen, die Devas. In anderen Strömungen dagegen, wie etwa die Anhänger des Swaminarayan, betrachten die Gläubigen beide, Vishnu und Shiva als verschiedene Aspekte eines einzigen Gottes.

Charakteristische Stirnzeichen

Verschiedene Stirnzeichen können Hinweise auf die Religionszugehörigkeit geben: Weibliche Vishnu-Verehrerinnen ziehen eine rote senkrechte Linie, „Tilak“ genannt - männliche Vishnuiten dagegen ein Y oder U in Weiß, manchmal auch mit roter Linie im Zentrum. Einige sehen darin die Fußspur Vishnus, andere eine halboffene Lotusblüte, sein Symbol. Anhänger von Krishna malen sich oft ein U aus duftender Sandelholzpaste auf die Stirn.

Vishnuismus im Westen

Die bekannteste vishnuitische Glaubensströmung im Westen ist die „Hare-Krishna Bewegung“, in den 1970er Jahren von Srila Prabhupada gegründet. Der größte Hindu-Tempel Europas, der Swaminanrayan-Tempel in London, ist ein vishnuitischer Tempel. Swaminarayan (1781 bis 1830), der Gründer der aus Indien stammenden Swaminarayan-Glaubensgemeinschaft, gilt als Inkarnation von Narayan, einer Form Vishnus.

Übersichtsartikel zum Hinduismus

Siehe dazu auch im ORF-Religionslexikon: