Die Vier Edlen Wahrheiten

Der Kern der buddhistischen Lehre

In seiner ersten Lehrrede im Gazellenhein von Benares (Sarnath) legte Buddha mit den „Vier Edlen Wahrheiten“ die Grundlage der buddhistischen Lehre dar. Diese Rede ist auch als „Die erste Drehung des Rades“ bekannt.

  1. Das Leben ist leidvoll bzw. unbefriedigend.
  2. Es gibt Ursachen, die zum Leiden führen.
  3. Es gibt ein Ende des Leidens.
  4. Es gibt einen Weg, der zum Ende des Leidens führt.

Buchhinweis

Dalai Lama: Die Vier Edlen Wahrheiten. Die Grundlagen buddhistischer Praxis. Fischer TB, 154 S., 8,20 Euro.

Die erste Wahrheit: Leiden

Das Leben ist „duhkha“ (leidvoll, unbefriedigend), weil es von unangenehmen Ereignissen geprägt ist. Geburt, Alter und Tod sind Ereignisse, die mit Sorge, Angst und Kummer einhergehen. Mit ungewollten Situationen konfrontiert zu sein, ist Leiden. Von Liebem getrennt zu sein, ist Leiden. Nicht das zu bekommen, was man gerne hätte, ist Leiden. Weil die Menschen an den fünf „Skandhas“, den Daseinsgruppen, aus denen sich ein Mensch nach buddhistischer Lehre zusammensetzt, anhaften, leiden sie - mehr zu „dukha“ im Eintrag Die drei Daseinsmerkmale.

Die zweite Wahrheit: Ursache des Leidens

Die Ursache des Leidens sieht Buddha in Unwissenheit, Verlangen und Abneigung sowie dem, was er „Trshna“ (Durst) nennt. Es ist das wiederholte tiefe Verlangen nach Sinneslust, das Verlangen nach Werden und das Verlangen nach Nicht-Werden. Das Verlangen bzw. die Gier ist das treibende Prinzip, aus dem das Leiden und die Wiedergeburt der Wesen, hervorgeht. Dazu gehören sowohl das Streben nach Reichtum und Macht als auch das Klammern an Vorstellungen, Meinungen, Begriffen, Lehren und Glaubensvorstellungen. In der Lehre vom „Entstehen in Abhängigkeit“ („Pratityasammutpada“), wird die Entstehung des Leidens im Detail dargestellt.

Die dritte Wahrheit: Ende des Leidens

Wenn die Ursachen des Leidens zu wirken aufhören, endet auch das Leiden. Der Durst, das Verlangen, muss losgelassen werden. Die letztendliche Befreiung wird im Buddhismus „Nirvana“ genannt.

Die vierte Wahrheit: Der Weg

Es gibt einen Weg, der zum Ende des Leidens führt. Dieser Weg wird der „Edle Achtfache Pfad“ genannt. Die acht Glieder sind:

  1. Rechte Einsicht: Einsicht in die „Vier Edlen Wahrheiten“, das „Bedingte Entstehen“ und Vergehen, die „drei Daseinsmerkmale“ und die Wirkweise von „Karma
  2. Rechte Gesinnung: Der Entschluss zur Entsagung, zum Wohlwollen gegenüber allen Lebewesen, zum Loslassen von Hass, Gier und Ignoranz
  3. Rechte Rede: Kein Lügen, Beleidigen, kein Geschwätz, Sprechen zur rechten Zeit, höflich, angemessen, freundlich
  4. Rechtes Handeln: Leben gemäß den fünf Tugendregeln (Pancasila) des Buddhismus - mehr dazu im Eintrag „Buddhistische Glaubenspraxis“.
  5. Rechter Lebenserwerb: Arbeit, die keinem fühlenden Wesen schadet, also kein Handel mit Waffen, Lebewesen, Rauschmitteln, Giften, Fleisch
  6. Rechtes Bemühen: Unheilsame Regungen wie Gier, Zorn, Neid als unheilsam erkennen und zügeln, zugleich heilsame Regungen wie Großzügigkeit, Verständnis kultivieren und fördern
  7. Rechte Achtsamkeit: Ungeteilte Aufmerksamkeit bei allen Verrichtungen und inneren wie äußeren Vorgängen des Lebens
  8. Rechte Konzentration: Übung der Meditation - mehr dazu im Eintrag „Meditation und Achtsamkeit

Drei Bereiche des achtfachen Pfads

  • Weisheit („Prajna“)
  • Ethik („Sila“)
  • Sammlung („Samadhi“)

Wechselwirkung aller acht Glieder

Die Glieder des achtfachen Pfades lassen sich in drei Bereiche einteilen. Alle acht Glieder stehen gleichwertig nebeneinander und miteinander in Wechselwirkung. Ein einzelnes Glied zu kultivieren, fördert gleichzeitig die Einsicht in andere Glieder des Pfades. In den vierzig Jahren seiner Lehrtätigkeit, die auf „Die Drehung des Rades“ folgten, legte Buddha die „Vier Edlen Wahrheiten“ immer weiter aus. Seine ausführlichen Erklärungen sind in den vielen erhaltenen Lehrreden gesammelt.

Übersichtsartikel zum Buddhismus

Siehe dazu auch im ORF-Religionslexikon: