Geschichte des Buddhismus

Ein Überblick über die Geschichte und Verbreitung

Nachdem Siddhartha Gautama (563 bis 483 v. Chr.) unter dem Bodhibaum erwacht war und damit zum „Buddha“ wurde, suchte er seine ehemaligen Gefährten, um sie an seinem Glück und seiner Einsicht teilhaben zu lassen. Er fand sie in Sarnath, einem Ort im heutigen indischen Bundesstaat Uttar Pradesh. Dort, im Gazellenhain von Sarnath, lehrte er sie in seiner ersten Lehrrede die Vier Edlen Wahrheiten. Buddha und seine Gefährten bildeten die „Sangha“ (Gemeinschaft). Damit beginnt die Geschichte des Buddhismus.

Im Laufe seiner 40-jährigen Lehrtätigkeit sammelte Buddha viele Laienanhänger um sich und gründete einen Nonnenorden und einen Mönchsorden. Wohlhabende Anhänger spendeten Grundstücke, auf denen die ersten Klöster entstanden. Zunächst wurden Buddhas Lehrreden mündlich weitergegeben. Danach fanden sich Konzile ein, die die wichtigsten Reden verschriftlichten.

Das erste Konzil (etwa 340 v. Chr.)

Nach buddhistischer Überlieferung kam bereits drei Monate nach dem Tod des Buddha die Mönchsgemeinschaft in Rajagraha (heute Rajgir im indischen Bundesstaat Bihar) zu ihrem ersten Konzil zusammen, um den „Dharma“ (Lehre) und die „Vinaya“ (Mönchsregeln) zu diskutieren und einen Kanon zu verfassen, also eine allgemein anerkannte Zusammenstellung buddhistischer Texte zu etablieren. Von den vielen Fassungen des „Tripitaka“ (wörtlich: Dreikorb), die sich hernach entwickelten, ist nur der sogenannte „Palikanon“ vollständig erhalten geblieben. Dieser Palikanon ist der ursprünglich in der altindischen Gelehrtensprache „Pali“ verfasste „Tripitaka“. Als solcher dient er als Grundlage für die „Schule der Ältesten“, auch Theravada genannt.

Der „Palikanon“

Folgende „drei Körbe“ („Tripitaka“) bilden den „Palikanon“:

  • „Suttapitaka“: Lehrreden
  • „Vinayapitaka“: Ordensregeln
  • „Abhidhammapitaka“: Erläuterungen

Moderne Forschungen stellen die traditionelle Geschichte über die Ursprünge des Buddhismus allerdings in Frage. Sie nehmen an, dass zwischen dem Tod des Buddha und der Zusammenstellung des „Tripitaka“ mehr Zeit verstrich.

Das zweite Konzil (etwa 270 v. Chr.)

Knapp hundert Jahre nach dem Konzil von Rajagraha fand sich das zweite Konzil in Vaishali (im heutigen indischen Bundesstaat Bihar) ein, um Unstimmigkeiten bezüglich der Mönchspraxis zu klären. Die Streitpunkte behandelten beispielsweise die rechte Zeit zur Aufnahme von Nahrung, verbotene Nahrungsmittel, Organisation innerhalb der Mönchsgemeinde und die Annahme von Gold, Silber und anderen Luxusgütern. Die „Mahasanghika" (große Versammlung“) trat für die Anpassung der „Vinaya“ (Mönchsregeln) aufgrund veränderter Umstände ein, während eine orthodoxe Fraktion, die „Sthaviravadins" (Sanskrit: Schule der Ältesten“) eine Änderung der Regeln ablehnte.

„Arhat“ (Würdiger) ist eine ehrenvolle Bezeichnung für jemanden, der das Ziel der Erleuchtung erreicht hat, der jegliche Fesseln abgestreift hat und alle Formen von Gier, Hass. Ein „Arhat“ hat auch den „letzten Schleier der Unwissenheit“ überwunden, sich vom Daseinskreislauf befreit, und wird somit nicht mehr wiedergeboren. Neben anderen Ehrentiteln wird der historische Buddha auch mit dem Ehrentitel „Arhat“ bezeichnet.

Die zwei Schulen diskutierten auch die Qualitäten eines „Arhat“ (Würdiger, „der seine inneren Feinde besiegt hat“). Die „Staviravadins“ sahen einen Arhat als vollkommen erleuchtet an, also dem Buddha ebenbürtig. Die „Mahasanghika“ widersprach dieser Sichtweise und unterschied zwischen dem Buddha, dem „vollkommen Erwachten“ und dem Arhat, der ihrer Auffassung noch nicht ganz frei von Bewusstseinsverunreinigungen („Kleshas“) sei. Die „Mahasanghika“ war der Meinung, dass ein Arhat Spuren von Unwissenheit haben kann und noch nicht über sexuellen Versuchungen und Zweifel erhaben sein muss.

An diesem Beispiel wird deutlich, wie früh bereits Differenzen in der Gemeinschaft auftauchten, die in der Folge bald zu Spaltungen und neuen Schulbildungen führten.

Achtzehn Schulen in den ersten vier Jahrhunderten

Zur Zeit König Ashokas (304 bis 232 v. Chr.), der im dritten vorchristlichen Jahrhundert knapp 30 Jahre lang Indien regierte, soll ein drittes Konzil in Pataliputra (heute Patna im indischen Bundesstaat Bihar) stattgefunden haben. Nach der Tradition des Theravada (Pali: „Schule der Ältesten“) soll das Konzil ungefähr 250 v. Chr. stattgefunden haben. Bei diesem Konzil sollten die Richtungskämpfe zwischen den vermutlich 18 existierenden buddhistischen Schulen, bezüglich der „Vinaya“ (Ordensregeln) und der Auslegung des „Dharma“ (Lehre des Buddha) beigelegt werden. Es kam zum Ausschluss von abweichenden Gruppen. Die Spaltung der Gemeinschaft, die sich bereits beim zweiten Konzil in Vaishali (etwa 270 v. Chr) ankündigte, vertiefte sich.

Die „Sthaviravada“, auf der die Schule des Theravada („Schule der Ältesten“) gründet und die „Mahasangikas“ (große Versammlung), aus der sich das „Mahayana“ (wörtlich: großes Fahrzeug) entwickelte, gingen von nun an getrennte Wege. Die älteren Schulen wurden später von Seiten des „Mahayana“ als „Hinayana“ (wörtlich: kleines Fahrzeug) bezeichnet. Diese Bezeichnung lehnen viele Anhänger dieser Richtung jedoch bis heute ab.

Die ersten zwei Konzile sind von allen Schulen anerkannt. Über alle weiteren, die im Laufe der buddhistischen Geschichte folgten, gibt es kontroverse Ansichten. In jedem Fall haben sie innerhalb der buddhistischen Tradition insofern Bedeutung, dass sie einen Einblick in die ideengeschichtliche Entwicklung gewähren.

Die Bedeutung König Ashokas

König Ashoka, der ab 268 v. Chr. Indien regierte, kommt eine besondere Bedeutung in der Geschichte des Buddhismus zu. Durch Eroberungsfeldzüge dehnte er sein Reich auf weite Teile des indischen Subkontinents aus. Das große Blutvergießen entsetzte den König allerdings im Laufe seiner Eroberungen so sehr, dass er beschloss, von nun an auf militärische Gewalt zu verzichten. Er konvertierte den Überlieferungen nach um 258 v. Chr. zum Buddhismus und entschied sich fortan als barmherziger und friedvoller Herrscher („Dharmaraja“) zu wirken.

Ashoka setzte sich sodann unermüdlich für die Verbreitung des Buddhismus ein. Er sandte Missionare aus, um den „Dharma“ (Lehre des Buddha) in Indien sowie bei hellenistischen Königen sowie in Südostasien zu verbreiten. Sein Sohn Mahinda soll in Sri Lanka den Buddhismus etabliert haben. König Ashoka erließ Edikte, die in Felsen und Säulen überall im Land eingraviert wurden und an ein Leben gemäß buddhistischer Werte erinnern sollten. Diese Inschriften sind Manifeste von Ashokas Politik auf der Grundlage der buddhistischen Lehre.

Seine Untertanen hielt er fortan zu moralischem Handeln, Großzügigkeit, religiöser Toleranz und Respekt gegenüber allen Lebewesen an. Während seiner Regentschaft wurden Tieropfer verboten. In Bezug auf die buddhistische Gemeinschaft („Sangha“) ist ein Edikt erhalten, dass die Spaltung der Mönchsgemeinde verurteilt und Mönche erwähnt, die aus dem Orden ausgeschlossen wurden, weil sie für eine Spaltung eintraten. Ashokas Edikte gehören zu den ältesten Zeugnissen der indischen Kultur. Ashokas Zeichen, das Rad, ist heute auf der Nationalflagge Indiens zu sehen.

Ausbreitung des Buddhismus in Asien

Im Laufe der letzten vier vorchristlichen Jahrhunderten breitete sich der Buddhismus in ganz Indien aus. Er gelangte nach Sri Lanka und Burma im Süden sowie im Norden in die Gebiete des heutigen Pakistan und Afghanistan. In den ersten Jahrhunderten nach Christus erreichte er über die Seidenstraße auch die Mongolei und China.

Im dritten Jahrhundert nach Christus kam es zur Ausbreitung in Südostasien (Thailand und Malaysia). Im sechsten Jahrhundert wurde der Buddhismus durch die Chinesen in Vietnam und über Korea auch in Japan eingeführt. In Japan entwickelte sich schließlich ab dem zwölften Jahrhundert der zunächst in den USA der 1970-er und 80-er Jahre so populäre und heute überall im Westen bekannte Zen-Buddhismus. In Ostasien verbreiteten sich vor allem verschiedene Richtungen des Mahayana. Im siebten Jahrhundert gewann der Buddhismus in Tibet an Einfluss. Hier entwickelte sich das „Vajrayana“ (wörtlich: diamantenes Fahrzeug) - mehr dazu in den Einträgen tantrischer Buddhismus - „Vajrayana“ und tibetischer Buddhismus.

Im Ursprungsland Indien verschwand der Buddhismus ab etwa 1000 n. Christus. Die Religionen Indiens (siehe dazu auch den Eintrag Hinduismus) sorgten ebenso wie die muslimische Invasion während dieser Zeit dafür, dass der Buddhismus als Religion an Bedeutung verlor. So wurde zum Beispiel die große buddhistische Klosteruniversität Nalanda in Nordindien im 12. Jahrhundert n. Chr. von muslimischen Eroberern zerstört. In anderen Ländern wie China, Vietnam, Korea, Japan, Thailand, Sri Lanka und Burma existierte der Buddhismus weiter.

Anfänge des Buddhismus im Westen

Im Kolonialzeitalter (19. Jhdt.) begann das Interesse des Westens an den Kulturen, Sprachen und Religionen Asiens zu wachsen. Westliche Wissenschafter (vorwiegend Männer) begannen, Sanskrit zu studieren, die alte indische Gelehrtensprache, in der eine große Zahl von buddhistischen Schriften verfasst ist. Die ersten Übersetzungen wurden verfasst. Zeitgleich konvertierten die ersten Amerikaner und Europäer zum Buddhismus. Die Tradition des Theravada sowie der japanische Zen-Buddhismus fanden in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts ihren Weg in den Westen. Durch die chinesische Besetzung Tibets in den 1950-er Jahren flüchteten viele tibetischen Lehrer nach Indien und weiter nach Europa und Nordamerika.

In der globalisierten Welt ist heute eine Vielzahl an asiatisch buddhistischen Traditionen im Westen vertreten. Es wird auch unübersehbar, dass sich eine westliche Spielart des Buddhismus entwickelt. Besonders bekannte Lehrer des Buddhismus, die sich reger Beliebtheit erfreuen, sind der Dalai Lama und Thich Nhat Hanh.

Weltweit verbreitet und einflussreich sind auch verschiedene Vertreter des „Vipassana“, in dessen Rahmen buddhistische Achtsamkeitspraxis und Einsichtsmeditation praktiziert wird - mehr dazu im Eintrag „Meditation und Achtsamkeit“. Bekannt sind die Vipassanakurse in der Traditon von S.N. Goenka sowie auch die amerikanischen Vipassanalehrer des „Spirit Rock Centers“. Auch in Form des MBSR („Mindfulness Based Stress Reduction“ nach Jon Kabat-Zinn) fließen buddhistische Meditationstechniken in den medizinisch-psychologischen Bereich ein.

Weitere Übersichtsartikel zum Buddhismus

Andere Weltreligionen im ORF-Religionslexikon

Links: