Sabbat

Samstag als heiliger, wöchentlicher Feiertag der Juden

„Am siebten Tag vollendete Gott das Werk, das er geschaffen hatte, und er ruhte am siebten Tag, (...). Und Gott segnete den siebten Tag und erklärte ihn für heilig; denn an ihm ruhte Gott, nachdem er das ganze Werk der Schöpfung vollendet hatte.“

Gen 2,2 - 3 (nach der Einheitsübersetzung der Bibel)

Der Sabbat (Ruhetag, Samstag) ist den Juden heilig und wird jede Woche als Feiertag begangen. Er ist der siebente und letzte Tag der Woche, der Tag, den Gott nach jüdischem Glauben zum Ruhetag bestimmt hat. Den Sabbat einzuhalten, gehört zu den zehn Geboten und ist damit unbedingte religiöse Pflicht. Im Buch Exodus 31, 12 ff. wird jenen, die den Sabbat entweihen, sogar die Todesstrafe angedroht. Der Sabbat beginnt am Freitag mit Sonnenuntergang und dauert bis zum Sonnenuntergang am Samstag, da der Tag nach dem jüdischen Kalender mit dem Abend beginnt. In dieser Zeit ist Arbeit streng verboten, wozu auch Kochen, Telefonieren und Autofahren zählen. Der Tag soll dem Gebet, der inneren Einkehr und der Familie vorbehalten sein. Als besonders gottgefällig gilt hingegen, auch Fremde bei den festlichen Sabbatmahlzeiten zu bewirten.

Eine orthodoxe Jüdin vor den Schabbatkerzen
Reuters/Goran Tomasevic
Zu den Aufgaben der Frau gehört es, die zwei Sabbatkerzen zu entzünden und dabei einen Segen zu sprechen

Nur Lebensgefahr verdrängt den Sabbat

Nach dem Talmud gibt es 39 Tätigkeiten und zahlreiche davon abgeleitete Aktivitäten, die während des Sabbats verboten sind. Dazu zählt neben der Erwerbsarbeit zum Beispiel das Feuermachen, weswegen strenggläubige Juden am Sabbat keine strombetriebenen Geräte verwenden dürfen, Reformjuden legen die Sabbatgebote hingegen lockerer aus. Die Wohnungen von orthodoxen Juden sind üblicherweise entsprechend angepasst, um den Sabbatvorschriften zu genügen. Auch koschere Hotels sind auf den Sabbat eingerichtet: So werden die Aufzüge als Paternoster geführt, das Licht bleibt entweder eingeschaltet oder wird über Zeitschaltuhren gesteuert.

Es gibt auch zahlreiche Bestimmungen, die das Tragen von Gegenständen betreffen. Grundsätzlich ist es verboten, am Sabbat Dinge zu tragen. Das kann äußerst unpraktisch sein, wenn es sich beispielsweise um den Wohnungsschlüssel handelt. Allerdings gilt das Trageverbot nicht im eingezäunten Bereich abseits der öffentlichen Hauptstraße. Daher wurde das Konzept des „Eruv“ (übertragen: Sabbatzaun; wörtlich: Mischung) entwickelt. In dem eingezäunten Gebiet ist es erlaubt, auch am Sabbat bestimmte Gegenstände zu tragen. Seit einigen Jahren gibt es auch in Wien einen „Eruv“, der das Gebiet rund um den Gürtel und Handelskai einschließt.

Nach allgemeiner jüdischer Auffassung verdrängt nur Lebensgefahr den Sabbat. So ist es erlaubt, ein lebensbedrohliches Feuer zu löschen, eine lebensrettende Operationen durchzuführen und für eine Flucht weitere Distanzen als üblicherweise erlaubt zurückzulegen.

Sabbat als wöchentliches Familienfest

Freitagnachmittag herrscht in den meisten jüdischen Haushalten Hektik, um alles für den Freitagabend und den Samstag vorzubereiten und vorzukochen. Freitagabend begrüßen die Männer, freiwillig auch die Frauen, den Sabbat mit einem Gottesdienst in der Synagoge. Man grüßt sich mit „Schabbat Schalom“ (Friede sei Sabbat). Zu Hause läutet die Hausfrau die Sabbatfeier mit dem Kerzenanzünden an, der Hausherr macht den „Kiddusch“ (Heiligung) und spricht die „Bracha“ (Segensspruch) über die zwei „Challa“-Brote, die speziellen Sabbatbrote, und den Sabbatwein. Die beiden Brote erinnern daran, dass beim Auszug aus Ägypten samstags immer zwei „Manna“ (Himmelsbrote) vom Himmel fielen und nicht nur eines.

Am Samstagvormittag besucht man üblicherweise den Gottesdienst in der Synagoge und kommt dann zu einem Mittagessen zusammen. Weil am Sabbat nicht gekocht werden darf, gibt es besondere Sabbatgerichte, die über lange Zeit im Backrohr langsam vor sich hinsimmern, wie etwa „Tscholent“, ein Eintopf aus Fleisch, Bohnen, Graupen und vielen anderen Zutaten. Der Samstagnachmittag ist der Muße, leichten Spaziergängen und dem Studium der Tora gewidmet. Bei Sonnenuntergang wird der Sabbat feierlich verabschiedet („Havdala“; Trennung), und es beginnen wieder die sechs profanen Tage, die der Arbeit und dem Alltag gehören. Man wünscht sich „Schavua tov“ (schöne Woche).

In Israel gibt es von Freitagabend bis Samstagabend keinen öffentlichen Verkehr. Die meisten Geschäfte und alle koscheren Restaurants haben geschlossen.

Sabbatical - das Sabbatjahr

Das biblische Gebot verlangt jedoch nicht nur, am siebenten Tag der Woche zu ruhen, sondern sieht auch alle sieben Jahre „Ruhejahre“ für Äcker und Weinberge vor (Lev 25, 1 ff.). Alle sieben Jahre muss man auch Sklaven für ein Jahr freigeben (Deut 15, 12 ff.). Heute hat sich der Begriff Sabbatical für ein Jahr Auszeit auch in nicht jüdischen Kreisen etabliert.

Übersichtsartikel zum Judentum

Siehe dazu auch im ORF-Religionslexikon:

Links: