Pessach

Das jüdische „Fest der ungesäuerten Brote“

Pessach ist eines der wichtigsten jüdischen Feste und gehört neben dem Wochenfest „Schawuot“ und dem Laubhüttenfest „Sukkot“ zu den drei jüdischen Wallfahrtsfesten. Dieses Fest, das von einer Reihe streng festgelegter Rituale geprägt ist, erinnert an den Auszug der Israeliten aus Ägypten, an seine Befreiung aus der Sklaverei und an seinen Bund mit Gott auf dem Sinai. Pessach beginnt am 15. Nisan, einem Frühlingsmonat im jüdischen Kalender, und dauert in Israel sieben Tage, während die Juden in der Diaspora acht Tage feiern.

Mazzen als Symbol für die Hast vor dem Auszug

Charakteristisch für Pesach ist das Verbot, gesäuerte Lebensmittel („Chamez“) zu essen oder auch nur im Haus zu haben. Schon die Thora gebietet den Israeliten, das „Fest der ungesäuerten Brote“ (Exodus 12,17) zu feiern. Als gesäuert gelten alle Speisen und Getränke, die aus einer der fünf Getreidearten (Weizen, Hafer, Roggen, Gerste, Dinkel) hergestellt wurden. Ebenso gelten die Körner und Mehle als „gesäuert“, wenn sie in irgendeiner Form einen Gärungsprozess durchgemacht haben, und sei es, dass sie nur mit Wasser in Berührung gekommen sind.

Während der sieben oder acht Tage des Pesachfests sind nur Mazzen (Hebräisch: „Mazzot“; ungesäuerte Brote) erlaubt. Das sind dünne Fladenbrote, deren gesamter Herstellungsprozess nicht länger als 18 Minuten dauern darf, und die keine Backtriebmittel wie Germ oder Backpulver enthalten dürfen. Diese Brote sollen die Gläubigen an die Hast vor dem Auszug aus Ägypten erinnern, die ihnen auch keine Zeit ließ, den Brotteig noch gehen zu lassen.

In einer Matzes-Fabrik
Reuters/Nir Elias
In einer Fabrik im religiösen Tel Aviver Stadtteil Bnei Brak werden Mazzen hergestellt.

Gründliche Reinigung als Festvorbereitung

Bereits in der Zeit vor Pesach muss das gesamte Haus gründlich gereinigt und von allen Lebensmitteln, die nicht „koscher für Pessach“ sind, befreit werden. Sogar die Taschen der Kleidung müssen auf Krümel überprüft werden. Viele Familien besitzen ein eigenes Geschirr, dass nur zu Pesach verwendet wird. Wer ein solches Geschirr nicht hat, muss Speise- und Kochgeschirr durch Wassern und Auskochen rituell reinigen.

Seder-Abend als Höhepunkt des Fests

Das eigentlich Fest beginnt am Vorabend des 15. Nisan mit einem Gottesdienst in der Synagoge, auf den der Seder-Abend folgt. Das hebräische Wort „Seder“ bedeutet Ordnung und ist insofern sehr zutreffend, als der Ablauf des Seder-Abends genau festgelegt ist. Zu jeder Seder-Tafel gehören drei Mazzen und sechs Speisen mit symbolischer Bedeutung, die auf dem Seder-Teller liegen.

Sederteller für Pessach
Thinkstock/Fuse
Auf dem Sederteller liegen die rituellen Speisen, drei Mazzen sind von einem Tuch bedeckt.

Ein Knochen mit einem Rest gebratenen Fleisches darauf erinnert an das spezielle Pesachopfer. Ein hartgekochtes Ei symbolisiert das Wallfahrtsopfer. „Chaseret“ (Kren) und bittere Kräuter („Maror“: Salat wie Lattich oder Chicoree, aber auch oft Kren) symbolisieren die Bitterkeit der Sklaverei in Ägypten. „Charosset“, ein bräunliches Mus aus geriebenen Äpfeln, Nüssen und Wein, steht für die Lehmziegeln, die die Israeliten für den Pharao herstellen mussten. Erdfrüchte (Sellerie, Radieschen oder Petersilie) werden in Salzwasser getaucht, das an die Tränen der Israeliten in der Sklaverei erinnern sollen. Ein Becher Wein steht für den Propheten Elia bereit. Damit wird die Hoffnung ausgedrückt, der Prophet möge zum Fest erscheinen und das Kommen des Messias ankündigen.

Warum ist diese Nacht anders?

Bevor das eigentliche Festmahl beginnt, werden die symbolischen Speisen in einer fixierten Reihenfolge gegessen und vier Becher Wein getrunken. Dabei wird die „Haggada“ (Erzählung) von Pesach vorgelesen, in der die Sklaverei der Israeliten und ihre Befreiung nacherzählt sind. Kinder werden in das abendfüllende Seder-Programm einbezogen: Dem Jüngsten gebührt die Frage, die die Erzählungen eröffnet, „Warum ist diese Nacht anders als andere Nächte?“. Es ist auch Brauch, ein Stück Mazze zu verstecken, das die Kindern finden müssen. Gelingt es, bekommen sie eine kleine Belohnung.

Im Buch Exodus („Schemot“ in der Tora) sind die Sklaverei der Israeliten in Ägypten, die zehn Plagen und ihr Auszug ins gelobte Land beschrieben.

Das Wort Pesach leitet sich vom hebräischen Verb „Pasach“ (übergehen, auslassen) ab. Das bezieht sich darauf, dass Gott die Israeliten vor der zehnten ägyptischen Plage, dem Tod der Erstgeborenen, verschonte. Gott hatte die Israeliten angewiesen, ein einjähriges Lamm zu schlachten und ihre Türstöcke mit seinem Blut einzustreichen. „Das Blut an den Häusern, in denen ihr wohnt, soll ein Zeichen zu eurem Schutz sein. Wenn ich das Blut sehe, werde ich an euch vorübergehen und das vernichtende Unheil wird euch nicht treffen, wenn ich in Ägypten dreinschlage“ heißt es in Exodus 12,13. Noch in derselben Nacht sind die Israeliten aus Ägypten ausgezogen. Durch die Pesach-Rituale sollen die Gläubigen die Ereignisse von damals möglichst lebensecht nachempfinden können.

Übersichtsartikel zum Judentum

Siehe dazu auch im ORF-Religionslexikon:

Aus dem ORF-Medienarchiv Judentum

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