Dogma

Christliche Glaubenslehrsätze mit Wahrheitsanspruch

Als Dogmen bezeichnet man theologische Lehrsätze, die durch die Entscheidung eines Konzils oder eines Papstes als wesentlich und unverzichtbar für den christlichen Glauben dargestellt werden, weil ihr Wahrheitsanspruch definitiv festgestellt ist: So definiert die römische Kirche ihre Dogmen.

Jedes Dogma braucht Bibelbezug

Da die Offenbarung mit der apostolischen Generation als abgeschlossen gilt, muss sich jedes Dogma auf die Bibel beziehen oder aus der Bibel erschlossen werden können, auch wenn die Überlegungen, die dazu führen, erst in späterer Tradition zur Geltung kommen. Dieser Umstand hat in der Kirchengeschichte immer wieder zu Auseinandersetzungen geführt, die autoritativ beendet wurden, wobei man die unterlegene Sichtweise zur Häresie gestempelt hat.

Eine besondere Schwierigkeit besteht darin, dass dogmatische Sätze nur in der jeweils gängigen Sprache und mit zuhandenen Begriffen formuliert werden können. Worte und Begriffe wandeln aber ihre Bedeutung, philosophische Denksysteme machen jeweils neuen Denkweisen Platz. In der Folge werden Dogmen in ihrer antiken oder mittelalterlichen Formulierung missverständlich oder unverständlich. Sie müssen dann neu interpretiert werden, um den ihnen innewohnenden Sinn und ihren Bezug zur Offenbarung wieder sichtbar zu machen. In der römisch-katholische Kirche ist dafür das Lehramt zuständig, das nicht nur der Schrift, sondern auch der Tradition folgt, die für solche notwendige theologische Bearbeitungen wenig Spielraum lässt. Dieses Beharrungsvermögen in der Tradition ist in Gefahr, die Weitergabe der Glaubensüberzeugung zu behindern.

Reformation setzt auf Vorrang der Bibel

Gegen die Dominanz des traditionsgebundenen römischen Lehramts setzte die Reformation auf den Vorrang der Bibel. Was aus ihr erschlossen werden kann, wurde in den Bekenntnisschriften niedergelegt. Anerkannt werden die Beschlüsse der ersten altkirchlichen ökumenischen Konzilien, sofern sie der Bibel nicht widersprechen, da auch Konzilien irren können. Dasselbe gilt für die orthodoxen Kirchen; sie vermeiden darüber hinaus dogmatische Festlegungen. Auch dort, wo eine gemeinsame Glaubensüberzeugung da ist, braucht es die dogmatische Festlegung nicht, wie sie dem juridischen Denken der lateinischen Westkirche naheliegt.

Übersichtsartikel zum Christentum

Siehe dazu auch im ORF-Religionslexikon: