Judentum

Das Judentum ist die älteste der Offenbarungsreligionen. Im Zentrum des jüdischen Glaubens steht der eine, unsichtbare Schöpfer-Gott, der das Volk Israel durch seinen Bund zur Einhaltung seiner göttlichen Gesetze verpflichtet hat.

Nach jüdischem Glauben hat Gott mehrere Male in ihrer mehr als 3000 Jahre langen Geschichte einen Bund mit dem Volk Israel geschlossen. Den ersten Bund schloss Gott mit Abraham, dem Stammvater Israels. Auf Abraham berufen sich auch die Muslime und in der Nachfolge der Juden mit dem „Neuen Bund“ auch die Christen: Die Juden führen ihre Abstammung auf Isaak zurück, den Sohn, den Abraham mit seiner Frau Sarah zeugte, die Muslime sehen in Ismael, Abrahams Sohn mit der Magd Hagar, ihren Erzvater. Man nennt Judentum, Christentum und Islam auch „die drei abrahamitischen Religionen“.

Die Zehn Gebote auf dem Sinai

Auf dem Weg aus der Sklaverei in Ägypten erschien Gott Mose auf dem Berg Sinai und offenbarte ihm die Zehn Gebote und die schriftliche und die mündliche Thora mit ihren 613 Ge- und Verboten, die im „Talmud“ ausgelegt werden.

Durch den Bund mit Gott haben sich die Juden verpflichtet, alle göttlichen Gesetze einzuhalten. Der Sinn dahinter ist, dass sich die göttliche Prophezeihung dereinst erfüllt, der Messias kommt und die Verstorbenen in die kommende Welt eingehen.

Man nennt die Juden auch „das auserwählte Volk“, da sie von Gott dazu erwählt wurden, die Last seiner vielen Gebote zu halten. Dieser Erwählungsgedanke wird häufig missverstanden und den Juden vorgeworfen, sich als elitäre Gruppe zu verstehen. Doch entspricht das nicht den jüdischen Glaubensvorstellungen: Die Erwählung bedeutet, dass ihr Leben durch die göttlichen Gebote stark reglementiert ist, aber jeder Nicht-Jude, der ein ethisch korrektes Leben führt, auch einen Anteil an der kommenden Welt haben wird.

Beschneidung als äußeres Zeichen des Bundes

Äußeres Zeichen für den Bund mit Gott ist die Beschneidung: Üblicherweise wird ein neugeborener Bub bei der (acht Tage nach seiner Geburt von einem „Mohel“ (Beschneider) an der Vorhaut des Penisses beschnitten. Diese Zeremonie heißt „Brit Mila“ (Bund der Beschneidung).

Im Gegensatz zu anderen Weltreligionen sehen sich Juden nicht nur als Religionsgemeinschaft, sondern auch als Volk Gottes. Nach dem jüdischen Religionsgesetz, der „Halacha“, ist Jude, wer eine jüdische Mutter hat, oder zum Judentum übergetreten ist. Doch ist das Judentum im Gegensatz zum Christentum und zum Islam grundsätzlich keine missionierende Religion, wenn man von einer kurzen Phase in der Antike absieht.

„Verstreut in alle Winde“

In der Zeit der Römer in Palästina wurden die Juden aus Jerusalem und dem Land Israel vertrieben und haben sich „in alle Winde“ zerstreut. Zwar sind seit der Gründung des Staates Israel 1948 beinahe die Hälfte aller Juden wieder in diesem Land am Mittelmeer beheimatet, doch lebt die knappe Mehrheit der Juden immer noch in der Diaspora („Galut“), also in Ländern mit einer mehrheitlich nicht-jüdischen Bevölkerung.

Aschkenasen und Sepharden

Es gibt zwei große jüdische Gruppen: die Aschkenasen und die Sepharden. Die Aschkenasen sind die Nachkommen jener Juden, die im Frühmittelalter in Deutschland gesiedelt und von dort - häufig nach Vertreibungen - in andere, großteils osteuropäische Länder gezogen sind. Ihre Sprache ist Jiddisch, das sich aus einer Form des Deutschen entwickelt hat.

Die sephardischen Juden stammen ursprünglich aus dem heutigen Spanien, von wo sie nach der Vertreibung durch die „Katholischen Könige“ Isabella und Ferdinand 1492 überwiegend nach Nordafrika ausgewandert sind. Ihre Sprache ist sephardisch, auch Spaniolisch genannt, das auf der spanischen Sprache basiert. Die beiden Strömungen haben unterschiedliche Riten in ihrem Kultus, unterscheiden sich aber auch kulturell, weil sie von unterschiedlichen Mehrheitsgesellschaften beeinflusst waren - siehe dazu auch Jüdische Geschichte.

Kein Dogma im Judentum

Das jüdische Volk ist aber heute auch aus anderer Hinsicht nicht homogen. Es gibt im Unterschied beispielsweise zur römisch-katholische Kirche kein Dogma. Daher unterscheiden sich die die Glaubensauffassungen in unterschiedlichen Strömungen des Judentums teilweise stark - mehr dazu in Glaubensinhalte im Judentum.

Gemeinsam ist allen jüdischen Gruppierungen jedoch der Glaube an den einen Gott, der das Universum erschaffen und einen Bund mit dem Volk Israel geschlossen hat. Zwar legen die unterschiedlichen Gruppierungen Gottes Gebote aus der schriftlichen und der mündlichen Thora teils sehr unterschiedlich aus, doch eines ist allen gemeinsam: Der erste und wichtigste Feiertag ist der Schabbat.

Schabbat als wichtigster Feiertag

Der Samstag gilt den Juden als letzter Tag der Schöpfungsgeschichte - und im jüdischen Kalender als letzter Tag der Woche. Das ist jener Tag, an dem Gott sah, „dass es gut war“. Diesen heiligen Tag begehen die Juden in aller Welt sehr feierlich mit Gebeten in der Synagoge, festlichen Mahlzeiten und einem strengen Ruhegebot.

Auch über den Jahreskreis verteilt gibt es Hochfeste und kleinere Feiertage wie „Jom Kippur“, „Rosch ha-Schana“ und „Sukkot“ im Herbst und „Pessach“ und Schawuot im Frühjahr.

Alle Speisen müssen koscher sein

Zu den vielen Ge- und Verbote, die das Leben streng gläubiger Juden bestimmen, gehören auch die Speisegesetze. Sämtliche Speisen und Getränke, die Juden zu sich nehmen dürfen, müssen „koscher“ sein. Das bedeutet unter anderem, dass nur das Fleisch bestimmter Tiere gegessen werden darf. So sind beispielsweise Schweinefleisch und Wild auf jüdischen Speisezetteln nicht zu finden, aber auch keine Meeresfrüchte. Ebenso ist es nicht koscher, Fleisch mit milchigen Zutaten zu mischen.

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