Atman

Die individuelle Seele im Hinduismus

Atman bezeichnet die Seele, nicht nur jene des Menschen, sondern jeden Wesens einschließlich Tieren und Pflanzen. Er ist der innerste, ewige Kern, das Selbst.

Unterschied zwischen Atman und Jiva

Das hinduistische Konzept der Seele unterscheidet sich vom christlichen wesentlich: Träger der individuellen Persönlichkeit, die nach der Lehre von der Wiedergeburt immer wieder geboren wird, ist nicht der Atman, sondern der „Jiva“ (oder „Jivatman“), ein feinstofflicher, unsichtbarer Leib. Dieser ist es, der sich immer wieder verkörpert und in ein neues Leben eingeht.

Du kannst den Seher des Sehens nicht sehen,
du kannst den Hörer des Hörens nicht hören,
du kannst den Erkenner des Erkennens nicht erkennen.
Dieses Selbst (Atman), das in allem ist,
ist dein eigenes Selbst.
Alles andere ist Ursache des Leidens.
Aus den Upanishaden

Der Atman dagegen, vom „Jiva“ umhüllt und darum nicht erkennbar, ist unveränderlich und ewig. Er ist die unsterbliche, immaterielle Seele und nicht dem Kreislauf der Wiedergeburten unterworfen. Er muss nicht befreit werden sondern ist ewig frei. In der Erlösung vereinigt sich Atman mit „Brahman“, dem Absoluten Höchsten, dem alles zugrunde liegt.

Über das Wesen des Atman und das über Verhältnis zwischen Atman und Brahman vertreten die unterschiedlichen hinduistischen Traditionen und Denkschulen verschiedene Thesen.

Der Atman ist identisch mit dem „Brahman“

Die Anhänger der Lehre von der „Nicht-Zweiheit“ („Advaita“) gehen davon aus, dass Atman und Brahman identisch sind, eine auf ewig unzertrennbare Einheit. „Moksha“, die Erlösung, bedeutet hier, diese ewige Einheit zu erkennen. Daraus ergibt sich, dass auch der Mensch Brahman ist, also göttlich. Dasselbe gilt für jedes Lebewesen. Diese Göttlichkeit ist jedoch noch nicht entfaltet, solange das Individuum die Einheit seines Atman mit Brahman nicht erkannt hat. Es handelt sich um eine monistische Sichtweise (d.h. ein einziges Grundprinzip).

Atman und Brahman sind auf ewig getrennt

Nach der Lehre der „Zweiheit“ („Dvaita“) dagegen sind Atman und Brahman, das höchste Göttliche, auf ewig getrennt. Ziel der Seele ist es, nach unzähligen Wiedergeburten, in der Erlösung im höchsten Himmel bei Gott zu sein. Hier handelt es sich um Monotheismus. Diese Sicht ist besonders in den „Bhakti“-Strömungen vertreten, in denen die Gottesliebe im Zentrum des Glaubenslebens steht.

Die Eigenschaften von Atman

Für die Anhänger der Philosophie der „Nicht-Zweiheit“ ist Atman, ebenso wie Brahman, der Urgrund des Seins, völlig formlos und ohne Eigenschaften. Er kann darum nicht beschrieben werden. Dagegen erklären Anhänger der „Zweiheit“ den Atman mit einer spirituellen Form und ganz und gar guten Eigenschaften.

Übersichtsartikel zum Hinduismus

Siehe dazu auch im ORF-Religionslexikon: