Bhakti

Die Gottesliebe im Hinduismus

Als „Bhakti“ bezeichnet man jene Form des Hinduismus, in der für die Gläubigen die Liebe zu einem personalen Gott im Zentrum steht. Anders als im frühen Hinduismus mit eher abstrakten Gottesvorstellungen, besteht hier eine emotionale Bindung zwischen dem Menschen und Gott, mit der Gewissheit, dass dieser den Menschen liebt. Die ersten Bhakti-Strömungen kamen ab dem 7. Jahrhundert auf.

O Herr, Du höchstes Sein,
in meiner Verehrung werde ich über nichts anderes reden und nichts anderes hören,
an nichts anderes denken, als an Deine Lotusfüße;
nichts anderes anbeten, zu nichts anderem Zuflucht nehmen.
O Du Sitz aller Tugend und Herrlichkeit gewähre mir das Recht, Dir zu dienen.
Du bist meine Mutter, Du bist mein Vater, Du bist mein Freund, Du bist mein Kamerad,
Du bist mein Wissen, Du bist mein Reichtum, Du bist Alles für mich, O Gott der Götter.
Prapanna Gita, 26, 27

Bhakti steht über allem

Verschiedenste Reformer verbreiteten, oft in Form von Poesie, dass Bhakti, die Gottesliebe, über allem stehe, wichtiger sei als Askese und Wallfahrten, sogar wichtiger als die Heiligen Schriften. Waren vorher Kastenschranken ein wichtiges Kriterium, bemühte man sich nun, diese zu überwinden und schloss Kastenlose sowie Frauen von religiösen Betätigungen nicht mehr aus. In hinduistischen Religionen bestimmt das Konzept von „Karma“ das Leben eines Individuums; danach muss jedes Lebewesen konsequent die Folgen seiner Taten tragen. In Bhakti-Bewegungen dagegen steht das Konzept der Gnade im Zentrum, wogegen das Gesetz des Karma den meisten eher unbedeutend ist. Nach ihrer Ansicht kann Gottes Wille jedes Karma durch Gnade zerstören.

Krishna und Rama als Zentren der Bhakti-Strömungen

Bhakti kommt in allen Religionsformen vor. Besondere Bedeutung jedoch hat diese hingebungsvolle Liebe für Vishnuiten, die Anhängern des Gottes Vishnu und seine verschiedenen Inkarnationen. Hier wiederum steht an erster Stelle der Kult um Krishna und seine Gefährtin Radha. Das Tändeln des jungen Krishna mit den Hirtenmädchen gilt als Symbol für die Liebe Gottes zum Menschen, während die Liebe der Hirtenmädchen zu Krishna die Liebe der Seele zu Gott symbolisiert. Zentrales Buch ist hier das „Bhagavata-Purana“ (auch „Srimad Bhagavatam“ genannt).

Das Epos Ramayana dagegen, eines der wichtigsten Werke des Hinduismus, erzählt die Geschichte des göttlichen Königs Rama und seiner Gattin Sita. Auch Ramas Verehrung ist überwiegend von Bhakti geprägt.

Bhaktimarga, ein Weg zur Erlösung

Hinduistische Schriften beschreiben den Weg der Gottesliebe, „Bhaktimarga“, als einen von drei möglichen Pfaden, die das Individuum zu Befreiung („Moksha“) führen. Dazu gehören außer Bhaktimarga der Weg des Wissens („Jnanamarga“) sowie der Weg der Tat („Karmamarga“).

Übersichtsartikel zum Hinduismus

Siehe dazu auch im ORF-Religionslexikon: