Krishna

Gott als Mensch im Hinduismus

Krishna ist eine der populärsten Gottheiten im Hinduismus und gilt als „Avatara“ (Herabkunft) des Gottes Vishnu. Am verbreitetsten ist die Darstellung des jugendlichen Krishna als Kuhhirte, mit blauer Hautfarbe, einer Pfauenfeder im Haar und einer Querflöte in der Hand. Auch in der Gestalt eines kleinen Kindes beten ihn viele Gläubige an.

Mythologische Überlieferung

Die Schrift „Bhagavata-Purana“ (auch „Bhagavatam“) enthält die Geschichte von Krishnas Kindheit und Jugend. Als Sohn einer königlichen Familie in Gefangenschaft geboren, konnte er auf wunderbare Weise gerettet und in einer Hirtenfamilie versteckt werden, woraufhin der Herrscher alle Neugeborenen töten ließ.

Unzählige Legenden von der Kindheit Krishnas werden erzählt, wie er seine Umwelt neckte, zusammen mit den Freunden im Dorf bei Nachbarn heimlich Butter naschte und Milch verschüttete. Die Gefährtin seiner Kindheit und Jugend ist die Kuhhirtin Radha. Krishnas Göttlichkeit zeigte sich schon in seiner Kindheit. Immer wieder tritt er als Retter auf und befreit seine Mitmenschen von Bedrohungen. Als junger Bursche tötet er im Kampf den Tyrannen, der ihn verfolgt und das ganze Volk in Knechtschaft gehalten hatte.

Das Epos „Mahabharata“ beschreibt den erwachsenen Krishna als Fürsten. Hier ist er Verkünder der „Bhagavadgita“, dem wohl populärste Buch des Hinduismus. Als Wagenlenker offenbart er sich dem Fürsten Arjuna und zeigt sich mitten auf dem Schlachtfeld in seiner göttlichen Form.

Der historische Krishna

Nach hinduistischer Tradition hat Krishna wirklich gelebt und starb (laut dem Epos „Mahabharata“) im Jahr 3102 v. Chr. durch das Missgeschick eines Jägers. Er soll einhundertzwanzig Jahre alt gewesen sein. Obwohl nicht eindeutig belegt, ist die geschichtliche Gestalt wahrscheinlich: Wissenschaftler nehmen an, dass die Krishna-Gestalt auf eine historische Heldengestalt zurückgeht, „Krishna-Vasudeva“, möglicherweise eine fürstliche Führergestalt, der zwischen dem vierten und sechsten Jahrhundert in Mathura (heute im nordindischen Bundesstaat Uttar Pradesh) wirkte. Diese sei mit dem kindlichen Krishna, dem Kuhhirten, vereint und zu einer Erscheinungsform von Vishnu erklärt worden. Schon im 4. Jahrhundert v. Chr. ist ein Kult eindeutig nachgewiesen.

Krishna-Verehrung

Um Krishna haben sich zahlreiche Kultgemeinschaften gebildet. Die meisten zählen zu den „Bhakti“-Bewegungen, die Krishna als persönlichen Gott mit „Bhakti“, mit liebender Hingabe, verehren. In die Verehrung ist auch Radha, die jugendliche Gefährtin, einbezogen. Ist Krishna eine Herabkunft Vishnus, gilt sie als Verkörperung von der Göttin Laxmi. Radha und Krishna sind das klassische Liebespaar der indischen Mythologie und noch heute wichtiger Bestandteil der darstellenden Kunst.

Der wichtigste Feiertag für Anhänger von Krishna ist „Janmasthami“ (Ende August oder Anfang September), der „Geburtstag“ Krishnas.

Übersichtsartikel zum Hinduismus

Siehe dazu auch im ORF-Religionslexikon: