Moksha

Erlösung im Hinduismus

Als „Moksha“ bezeichnen Hindus die Erlösung, die Befreiung aus dem Kreislauf von Geburt, Tod und Wiedergeburt, das Ende von allem Leid. Die genaue Definition, was diese Erlösung bedeutet, und die Aussagen über den Zustand der Seele nach der Erlösung unterscheiden sich in den verschiedenen Lehren erheblich.

Von der Unwirklichkeit führe mich zur Wirklichkeit
Von der Dunkelheit zum Licht
Vom Tode führe mich zur Unsterblichkeit
Bekanntes Gebet aus den Upanishaden

Aufgrund guter Taten nach dem Tod in einem der verschiedenen Himmel zu sein, bedeutet noch nicht Moksha. Die individuelle Seele hält sich dort so lange auf, bis der gute Verdienst aufgebraucht ist. Dann muss sie wiedergeboren werden. Diesem Kreislauf der Wiedergeburten unterliegen alle Wesen. Erlösung erreicht man jedoch ausschließlich durch ein menschliches Leben. Sogar die Götter (im Sinne von „Devas“, himmlische Lichtwesen) sind nicht erlöst, sondern leben in einer glücklichen, aber nicht ewigen Welt. Auch sie müssen erst als Mensch wiedergeboren werden, bevor sie letztlich Moksha erreichen.

Die verschiedenen hinduistischen Glaubenstraditionen und Denkschulen kommen bei der Vorstellung von Moksha zu verschiedenen Aussagen, wie im Folgenden dargestellt.

Einheit der Seele mit dem Höchsten

Die einen sehen nach der Lehre vom „Karma“ (Folgen der Taten aus den vergangenen Leben) ausschließlich eigene Bemühung als Möglichkeit, den glückseligen Zustand von Moksha zu erreichen. Nach ihrer Auffassung ist das absolute „Brahman“, die Allseele, in der Realität schon immer eine Einheit mit dem Selbst („Atman“) des Individuums. Der einzelne Mensch und die verschiedenen Himmel seien nichts weiter als Verblendung, seien unwirklich wie ein Traum. Erlösung bedeutet in dieser Lehre ein Erkennen der Realität - die Gleichheit des Einzelnen mit dem absolut Höchsten, mit Brahman. Erkenntnis führt zu Moksha. Dann sei das Leid überwunden und falsche Vorstellungen verschwinden, so wie ein Traum verschwindet. Die Befreiung wird nach dieser Tradition während des menschlichen Lebens erreicht, nicht erst nach dem Tod des Körpers.

Moksha als ewige Gegenwart Gottes

Andere dagegen sehen die Einzelseele nicht als Illusion, für sie bleiben das Individuum und „Brahman“ auf ewig eine Zweiheit. Hier geht es um Gemeinschaft mit Gott. Die Seele behält ihre Individualität und geht nach der Erlösung in „Brahmaloka“, den höchsten Himmel, ein. Dort bleibt sie in der ewigen, glückseligen Gegenwart Gottes. Diese Sicht ist besonders in den „Bhakti“-Strömungen vertreten, in denen die Gottesliebe im Zentrum des Glaubenslebens steht. Hier geht man davon aus, dass Moksha erst nach dem körperlichen Tod durch Gottes Gnade erfahren wird.

Übersichtsartikel zum Hinduismus

Siehe dazu auch im ORF-Religionslexikon: