Puja und Gebet

Hinduistischer Gottesdienst

„Puja“ nennt man einen hinduistischen Gottesdienst. Die Verehrung geschieht durch Anrufung des Göttlichen und Opferung von Gaben. In vielen Haushalten und in jedem Tempel gibt es täglich eine kurze Morgen- und eine Abendzeremonie. Auch zu besonderen Anlässen zelebriert man Pujas, etwa an bestimmten Feiertagen, Gedenktagen oder im Rahmen von „Samskaras“ (Hindu-Sakramenten). Sie können von einigen Minuten bis zu einigen Stunden dauern.

Jeder kann Pujas durchführen

Häusliche Pujas kann prinzipiell jeder durchführen, Frauen ebenso wie Männer. Öffentliche Pujas in Tempeln sowie Rituale mit vedischen Gebeten (die auf die „Veden“, Basistexte des Hinduismus, zurückgehen) sind durch die Tradition den Brahmanen, Angehörige der obersten Kaste, vorbehalten. Viele „Bhakti“-Traditionen dagegen, bei denen die Gottesliebe über allen Schriften steht, akzeptieren jeden Gläubigen als Priester.

Durchführung einer Puja

Die Einzelheiten der Durchführung einer Puja hängen von der jeweiligen Tradition ab. Äußerlich vorbereitet durch ein Bad und saubere Kleidung, innerlich durch Askese (z.B. Fasten), Gebete und Versenkung, sitzt der Durchführende auf dem Boden vor dem Altar. Im Zentrum steht meist ein Bildnis des Göttlichen, etwa als Vishnu oder einer seiner „Avataras“ (Herabkünfte, Inkarnationen), als Shiva oder einer Form der Göttin.

Nachdem das Göttliche in speziellen Gebeten um Anwesenheit während der Zeremonie gebeten wurde, geht man von seiner Gegenwart aus. Man rezitiert überlieferte Hymnen und opfert. Sprache der Liturgie ist Sanskrit, persönliche Pujas sind jedoch auch in der jeweiligen Muttersprache möglich.

Es ist auch möglich, Gott in lebenden Personen zu verehren, etwa im Guru, in einer heiligen Pflanze wie dem Tulsi-Strauch (Basilpflanze), im Wasserkrug oder in einem bestimmten Stein. Ebenso kann ein gegenständliches Symbol (Shivas Dreizack, Buch etc.) oder ein Diagramm Gottes Gegenwart repräsentieren.

Die tägliche, weit verbreitete kurze Puja am Morgen und am Abend ist das „Arati“, das Schwenken einer Butterlampe und Räucherstäbchen vor dem Bildnis, während eine kleine Glocke läutet und man eine Hymne singt. Das „Arati“ ist Bestandteil des religiösen Lebens im häuslichen Bereich sowie in Tempeln.

Opferung während der Puja

Zu jeder Puja gehört die Opferung: Unter dem Rezitieren von Gebeten wird das Bildnis mit roter Farbe oder Sandelpaste betupft, Blumen dargebracht sowie Räucherstäbchen und eine Butterlampe geschwenkt. Oft bietet man auch Kleidung und Schmuck an. Schließlich stellt man verschiedene Speisen als Opfergabe auf den Altar, gekochte ebenso wie ungekochte und nach der Puja verzehren die Gläubigen diese als segensreiches „Prasad“ (wörtlich: Gnade, Gunst).

Gebete und Mantras

Neben formellen Gottesdiensten sind auch Gebete üblich, Lobpreisungen und Bitten in gesprochener oder gesungener Form. Dafür gibt es keine allgemeinen Vorschriften hinsichtlich Tageszeit und Durchführung, jedoch ist für viele Hindus das Morgengebet besonders wichtig.

Eine besondere Form von Gebeten sind Mantras, bestimmte Lautsymbole. Korrekt und innbrünstig gesprochen sollen sie besondere Kräfte entwickeln. Das bekannteste und kürzeste Mantra ist das „OM“. Viele Hindus, besonders jene der Brahmanen-Kaste, rezitieren täglich mehrmals das „Gayatri“-Mantra, in dem Gott um Erleuchtung gebeten wird.

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