Samsara im Hinduismus

Wiedergeburt im Hinduismus

„Samsara“ ist der sich ständig wiederholende Kreislauf „Leben, Tod und Wiedergeburt“, dem alle sterblichen Wesen gleichermaßen unterworfen sind. In der Vielfalt hinduistischer Glaubensvorstellungen ist der Glaube an Wiedergeburt eine wesentliche Gemeinsamkeit. Träger der Persönlichkeit des Verstorbenen ist der „Jiva“, der unsichtbare, feinstoffliche Leib. Dieser „Jiva“ besteht nach dem Tod des Körpers fort und umhüllt den „Atman“, die ewige, unveränderliche sowie unvergängliche Seele.

Ausschlaggebend ist das eigene Verhalten

Nach der Vorstellung von Samsara hat jeder Mensch und jedes Tier schon unzählige Male vor dem jetzigen Leben gelebt – und alle werden nach dem Tod des Körpers noch viele Male wiedergeboren werden. Auf welcher Stufe, ob in ein schönes oder elendes Leben hinein, mit guten oder schlechten körperlichen und geistigen Voraussetzungen, hängt vom „Karma“ des Lebewesens ab, den Resultaten aus allen vorherigen Leben. Ein gutes oder schlechtes Karma wiederum ergibt sich daraus, wie das Wesen seinen „Dharma“, die überlieferten spirituellen und sozialen Gesetze, erfüllt hat.

Nach dem Tod des Körpers

Ein verstorbenes Wesen mit gutem Karma kann einige Zeit in einem der Himmel genießen, während Wesen mit schlechtem Karma in einer Hölle Leid erfahren. Beides hat aber ein Ende, sobald die Verdienste aufgebraucht sind. Die nächste Wiedergeburt beginnt und der Kreislauf von Leben und Tod setzt sich fort.

Der Sterbliche reift wie das Korn und wird wie das Korn wiedergeboren.
Katha-Upanishade 1.6

Ein Individuum kann sich, je nach seinem Karma, in der nächsten Wiedergeburt in allen Erscheinungsweisen des Lebens verkörpern, in Pflanzen, Tieren, Menschen, bis hin zu Formen von Göttern (d.h. Devas, Himmlische, nicht im Sinne des einen, höchsten Gottes). Manche Lehren jedoch bestreiten das, nach ihrer Auffassung kann ein Mensch nicht auf einer niederen Stufe, etwa als Tier, wiedergeboren werden.

In einigen Traditionen sowie in der hinduistischen Mythologie kennt man auch ein Gericht im Reich des Totengottes Yama. Hier werden gute und schlechte Taten und Gedanken des Verstorbenen durch einen Richter beurteilt, mit einem glücklichen Dasein in einem der Himmel belohnt oder mit Höllenqualen bestraft.

Der Kreislauf der Wiedergeburten ist nicht ewig

Die Erfahrung von Glück und Leid soll im Individuum einen Lernprozess bewirken, der jedes Karma aus der Seele tilgt. Irgendwann ist der Kreislauf von Geburt und Tod beendet und es braucht nicht mehr wiedergeboren zu werden: Endgültiges Ziel eines jeden Wesens ist die Erlösung, genannt Moksha.

Übersichtsartikel zum Hinduismus

Siehe dazu auch im ORF-Religionslexikon: