Tibetischer Buddhismus

Die Religion des Dalai Lama

Am dem 7. Jahrhundert n. Chr. entstand der tibetische Buddhismus, welcher Elemente der alten Volksreligion, des indischen Tantrismus - „Vajrayana“ und des „Mahayana“-Buddhismus miteinander vereint. Laut traditionell tibetischer Chronik begann die Ausbreitung des Buddhismus in Tibet unter Könog Songtsen Gampo (ca. 618 bis 650), der eine nepalesische und eine chinesische Ehefrau hatte, die beide Buddhistinnen waren.

Der Dalai Lama vor einer tibetischen Flagge
Reuters/POOL New/Stefan Rousseau
Der amtierende Dalai Lama vor einer tibetischen Flagge

Einer seiner Nachfolger, König Trisong Detsen (regierte von 704 bis 754), lud den indischen Mönch und Gelehrten Santarakshita ein, um in Tibet den Dharma zu lehren. Er dürfte zunächst am Wiederstand der Anhänger der tibetischen Bön-Religion gescheitert sein. Daher wurde Padmasambhava, ein indischer Tantrameister, zur Unterstützung gerufen. Dieser soll ein begnadeter Bezwinger von Dämonen gewesen sein. Durch seine besonderen Fähigkeiten konnte er die lokalen Gottheiten in die buddhistische Weltsicht und Praxis integrieren sowie einige Bön-Anhänger für den Buddhismus gewinnen.

Zweite Missionierungswelle im 11. Jahrhundert

Santarakshita und Padmasambhava gründeten das erste tibetische Kloster in Samye (um 767 n. Chr.). Unter König Ralpa-chen, der von 815 bis 836 regierte, wurde der Bau von Klöstern vorangetrieben und die buddhistische Gemeinde („Sangha“) unterstützt. Unter König Lang Darma (regierte 836 bis 841) verloren die Buddhisten ihren Einfluss und die Bön-Religion setzte sich wieder durch, bis der König von einem Mönch ermordet wurde.

Ab 1042 begann eine zweite Welle der buddhistischen Missionierung. Es bildeten sich vier Hauptschulen heraus: Padmasambhava gilt als Begründer der „Nyingmapa“. Im 11. und 12. Jahrhundert bildeten sich die Schulen der „Kagyüpa“ und „Sakyapa“, während schließlich im 14. Jh die „Gelugpa“ entstand, jene Tradition, dessen Oberhaupt der Dalai Lama ist.

Tibet wird von den Chinesen besetzt

Nach jahrhundertelanger Isolation brach in Tibet im Oktober 1950 die Invasion durch chinesische Truppen los, nachdem zu Beginn des Jahres die „friedliche Befreiung“ Tibets angekündigt worden war. Unzählige Klöster wurden zerstört. Mönche und Nonnen wurden verfolgt. 1,2 Millionen Menschen sollen getötet worden sein.

Im Jahr 1959 floh der 14. Dalai Lama, das geistige und spirituelle Oberhaupt Tibets, nach Indien und gründete in Dharamsala (Nordindien) eine Exilregierung. Bis heute fliehen Menschen aus Tibet, um der Unterdrückung durch China zu entgehen. Auch wenn die chinesische Regierung ihre Politik etwas entschärft haben dürfte und einige Klöster wiederaufgebaut wurden, kommt es immer wieder zu Aufständen der tibetischen Bevölkerung, die mit aller Härte niedergeschlagen werden. Besonders erschreckend sind die Berichte über Tibeter, die entscheiden, sich selbst zu verbrennen.

Übersichtsartikel zum Buddhismus

Siehe dazu auch im ORF-Religionslexikon:

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