Buddhistische Glaubenspraxis

Beten, Leben und Familie im Buddhismus

Um sich zum Buddhismus zu bekennen, wird traditionellerweise die dreifache Zuflucht rezitiert.

Die dreifache Zufluchtsformel

  • Ich nehme Zuflucht zum Buddha.
  • Ich nehme Zuflucht zum „Dharma“ (der Lehre des Buddha).
  • Ich nehme Zuflucht zur „Sangha“ (der Gemeinschaft der Praktizierenden).

Die drei Zufluchten, auch „Drei Juwelen“ genannt, dienen als buddhistisches Glaubensbekenntnis und werden üblicherweise dreimal wiederholt. Oft erhalten die Buddhisten mit der Zufluchtnahme einen neuen Namen (zum Beispiel: „Achtsame Manifestation des Herzens“). Dieser soll an das Ziel der Praxis erinnern und daran, dass mit der Zufluchtnahme eine neue Ausrichtung des Lebens einhergeht.

Die fünf ethischen Grundsätze („Pankasila“)

Im Rahmen der Zufluchtszeremonie werden in vielen buddhistischen Traditionen die fünf ethischen Grundsätze („Pankasila“) rezitiert. Buddhisten verpflichten sich, ihr Leben nach diesen Grundsätzen auszurichten. Es handelt sich dabei nicht um Verbote oder Gesetze, vielmehr sind die Pankasila eher als Richtlinien und Orientierungspunkte anzusehen. Sie sollen dabei helfen, die Bedingungen für ein heilsames und glückliches Leben sicherzustellen. Es ist nicht damit getan, die Grundsätze formal anzunehmen. Vielmehr geht es darum, das eigene Verhalten im Lichte der folgenden Leitlinien zu reflektieren:

  1. Lebende Wesen nicht töten oder verletzen
  2. Nicht nehmen, was nicht gegeben ist
  3. Kein sexuelles Fehlverhalten
  4. Nicht lügen
  5. Keine berauschenden Mittel zu sich nehmen

Diese fünf sittlichen Grundsätze bilden die Grundpfeiler des ethischen Verhaltens und sind vom Lebenswandel des Buddha abgeleitet. Während sich Laien nur an diese Richtlinien halten müssen, befolgen Mönche und Nonnen eine lange Liste von Ordensregeln. So ist sexuelle Aktivität den Laien gestattet, während sie Ordensmitgliedern streng untersagt bleibt. Bei schweren Vergehen gegen die Regeln droht der Ausschluss aus dem Orden.

Die „vierfache Sangha“

Die buddhistische Gemeinde besteht aus Mönchen und Nonnen sowie männlichen und weiblichen Laien. Traditionell bemühen sich Laien um einen ethischen Lebenswandel einerseits und die Unterstützung des Ordens mit Nahrung, Kleidung und Unterkunft andererseits. Die Mitglieder des Ordens richten ihr Leben auf die vollkommene Verwirklichung des „Achtfachen Pfades“ (des buddhistischen Weges) aus - mehr dazu im Eintrag „Die Vier Edlen Wahrheiten“.

Laien bemühen sich hauptsächlich darum, gute Taten zu vollbringen. Der Verdienst, der aus den guten Taten erwächst, soll zu einem glücklichen Leben und in weiterer Folge zu einer guten Wiedergeburt führen. Am wertvollsten wird die Geburt als menschliches Wesen angesehen, wobei auch die Geburt in himmlischen Bereichen angestrebt werden kann - mehr dazu im Eintrag „Samsara“.

Karma

Karma ist ein wichtiges Konzept im Hinduismus und Buddhismus.

Im frühen Buddhismus ist die Erleuchtung nur für Mitglieder eines Ordens zu erreichen. In späteren Ausformungen, vor allem im „Mahayana“, wird das Erlangen der „Buddhaschaft“ auch außerhalb dessen für möglich erachtet. Um in den Orden eintreten zu können, muss nach weit verbreiteter Vorstellung bereits gutes „Karma“ angesammelt worden sein. Deswegen verlegen Laien den Eintritt in den Orden häufig in zukünftige Leben. In Burma ist es möglich, nur für eine bestimmte Zeit am Klosterleben teilzunehmen. Das geschieht oft an der Schwelle zum Erwachsenwerden oder vor schwierigen Entscheidungen.

Meditation hat große Bedeutung

Die Praxis der Meditation hat im Buddhismus einen hohen Stellenwert. Traditionell ist die Praxis der Meditation den Mönchen und Nonnen vorbehalten, die ihr ganzes Leben darauf ausrichten. Sicher haben auch Laien schon immer Meditation praktiziert, doch ein weltliches Leben bietet andere Herausforderungen wie Berufstätigkeit, die Erziehung von Kindern und die Versorgung von Angehörigen. Die Ordensmitglieder studieren die buddhistischen Schriften, widmen sich der Meditation und geben Unterweisungen. Währenddessen versorgen Laien diese mit Nahrung, Kleidung und Unterkunft. Zu Festtagen (Vollmond) suchen die Gläubigen die Klöster auf, um Belehrungen zu hören.

Regional unterschiedliche Praktiken

Je nach Tradition und Herkunftsland haben sich unterschiedliche Praktiken und Gebete entwickelt. In Südostasien besuchen die Laien täglich nahegelegene Klöster, Tempel oder Schreine, um Räucherstäbchen, Blumen oder Geld darzubringen. Es wird auch als verdienstvoll angesehen, „Stupas“ im Uhrzeigersinn zu umrunden, um Buddhas oder anderer erleuchteter Personen zu gedenken. Stupas sind heilige Bauwerke, die sich aus Grabhügeln entwickelt haben und Reliquien oder heilige Texte enthalten.

Im tibetischen Buddhismus rezitieren Laien „Mantras“ (heilige Silben), drehen Gebetsräder (Zylinder, die mit heiligen Texten gefüllt sind) und praktizieren Niederwerfungen. Auch Pilgerfahrten sind üblich, um Verdienste anzusammeln. Besonders verehrt werden die Orte, an denen der historische Buddha gelebt und gewirkt hat. Überall, wo sich der Buddhismus verbreitete, bildeten sich auch lokale Pilgerorte heraus.

„Dana“ (Geben) als wichtiger buddhistischer Wert

„Dana“ (Geben bzw. Großzügigkeit) ist eine der wichtigsten buddhistischen Tugenden. Es formt die Basis für weitere moralische und spirituelle Entwicklung, weil es ein Ausdruck von Nicht-Anhaften und Entsagung ist. Die Praxis der Großzügigkeit bringt großen Verdienst und hilft bei der Überwindung von Selbstsucht und Anhaftung („Anhaften“ steht in diesem Zusammenhang für etwas, woran man sein Herz hängt).

Im Theravada-Buddhismus bezeichnet Dana die Spenden an die Mönchsgemeinde, die von den Almosen der Laien lebt. Diese Beziehung ist eine des wechselseitigen Gebens und Nehmens: Sie Laienschaft versorgt die Sangha mit Nahrung, Kleidung, Medizin und Unterkunft. Dafür bekommt sie von den Mönchen und Nonnen Zugang zur buddhistischen Lehre. Das Geschenk des Dharma wird als höchstes Geschenk angesehen.

Großzügigkeit bedeutet nicht nur, dass man persönlich etwas gibt, sondern beinhaltet auch, dass man sich mit anderen freut, wenn ihnen etwas gegeben wird. Im Mahayana wird Dana allgemeiner als Tugend der Großzügigkeit verstanden („Danaparamita“). Großzügiges Geben wird aber nicht nur innerhalb bzw. zugunsten der Sangha praktiziert, sondern ist ein Wert, der eine buddhistische Gesellschaft durchdringt und sich an Familie, Freunde, Angestellte, Gäste, Arme und Obdachlose sowie Tiere richtet.

Lesehinweis

Michael Weiß: Dharma & Tofu. Diplomarbeit, 2008. Zum Download auf othes.univie.ac.at.

Ernährung: Bevorzugt fleischlos

Buddhas Empfehlungen bezüglich der Ernährung sind in erster Linie an die Mönchsgemeinschaft gerichtet. Nach alter Tradition sind Mönche und Nonnen von Almosen der Laien abhängig, denn sie dürfen selbst nichts kochen. Sie suchen deshalb nahe Ortschaften auf und gehen von Haus zu Haus, um Nahrung zu erbetteln. Die Mönche üben dabei, jegliche Gabe in Gleichmut und Dankbarkeit anzunehmen. Dabei muss erwähnt werden, dass sich im Vergleich zu früher der tägliche Bettelgang oft erübrigt. Der Grund dafür liegt darin, dass sich Klostergemeinschaften gebildet haben, die zugleich Zentren des kulturellen und spirituellen Lebens wurden, die heutzutage von frommen Laien unterstützt, gefördert und versorgt werden.

Buddha stellte die Regel auf, dass die Mönche Fleisch essen dürfen, solange sie sicher sind, dass das Tier nicht für sie persönlich geschlachtet wurde. So können Mönche das Gelübde der Gewaltfreiheit („Ahimsa“) bewahren. Töten hat karmisch negative Folgen, das Essen von Fleisch jedoch nicht unbedingt, da die Absicht für die Wirkung einer Tat entscheidend ist. Buddha hat vor dem Hintergrund der Bettelpraxis den Fleischgenuss nicht verboten, aber dennoch den Verzicht darauf als Möglichkeit der Vertiefung der religiösen Praxis empfohlen.

In Tibet ist der Verzehr von Fleisch unter Buddhisten üblich, da es wegen der klimatischen Bedingungen an Alternativen mangelt. Die Arbeit des Schlachtens ist gesellschaftlichen Randgruppen vorbehalten, denn der Beruf des Schlächters oder Jägers gilt im Sinne der „Vier Edlen Wahrheiten“ und des „Achtfachen Pfades“ nicht als rechter Lebenserwerb. In einigen Schulen des Mahayana wird durch die Betonung einer mitfühlenden Geisteshaltung weitgehend auf tierische Produkte verzichtet.

Ehe nur für Laien

Neben dem Zölibat als Ideal für Ordensmitglieder wird die Ehe als weltlicher partnerschaftlicher Vertrag anerkannt, in dem zwei Menschen entscheiden, gegenseitige Verpflichtungen einzugehen. Im Unterschied zum Christentum ist die Ehe kein Sakrament. Mönche heiraten auch nicht. Die Regelungen variieren allerdings von Land zu Land. Monogamie ist in der asiatisch-buddhistischen Welt vorherrschend. Es gibt aber viele lokale Varianten der Eheschließung, die auch Polygamie und Polyandrie dulden. Gegen die Scheidung gibt es aus der Sicht der buddhistischen Lehre keine Einwände.

Im Süden (z. B. Thailand, Sri Lanka, Burma) suchen frisch vermählte Paare oft ein Kloster auf, wo eine Zeremonie abgehalten und Segnungen empfangen werden. Ein beliebter Text ist hierbei eine Lehrrede des Buddha („Sigalovada-Sutra“), welche die Verpflichtungen der Eheleute zusammenfasst und den Partnern ihre jeweiligen Rollen zuteilt.

Westliche Zugänge zur buddhistischen Tradition

Was auch immer „Buddhismus“ heutzutage für Menschen bedeutet: traditionelle Religion, Erlösungslehre, Philosophie, Psychologie, Meditationssystem, Mystik, Bewusstseinsschulung, Wissenschaft, Ethik, Anthropologie, Erkenntnistheorie, Entspannungstechnik, Lebenskunst - die Zuschreibungen sagen mindestens so viel über die Interessen der beschreibenden Persönlichkeit aus wie über Buddhismus.

Auf der einen Seite werden asiatische Formen des Buddhismus durch westliche Glaubenspraktiken übernommen und teilweise überformt. Auf der anderen Seite entwickelt sich eine eigene westliche Form des Buddhismus. Sowohl das Interesse an buddhistischer Philosophie und Psychologie als auch an der Meditationspraxis ist groß. Somit verschiebt sich die traditionelle Rollenverteilung. Im Westen praktizieren Laien etwas, das in Asien den Ordensmitgliedern vorbehalten ist. Im Westen steht eine große Zahl an Laien wenigen Mönchen und Nonnen gegenüber. Darüber hinaus finden sich immer mehr Verbindungen zu westlich geprägten Strömungen wie Ökologie (z. B. Joanna Macy, Stephanie Kaza, Arne Naess) und Feminismus (z. B. Rita Gross, Anne Klein).

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