Bar Mizwa (Bat Mizwa)

Übergang ins Erwachsenenalter bei den Juden

Mit „Bar Mizwa“ wird eine der wichtigsten Ereignisse im religiösen Leben eines jüdischen Mannes bezeichnet. Ab seinem 13. Geburtstag ist ein Bub „Bar Mizwa“, was so viel wie „Sohn des Gebots (oder der Pflicht)“ heißt und bedeutet, dass er nun alle Rechte und Pflichten eines erwachsenen Gemeindemitglieds hat. Er sollte von nun an die „Tefillin“, die Gebetskapseln an Arm und Kopf, anlegen, zum Morgengebet den „Tallit“ (Gebetsschal) tragen und kann Teil eines „Minjans“ sein, der Gruppe aus mindestens zehn volljährigen Männern, die für einen religionsgesetzlich („halachisch“) richtigen Gottesdienst braucht.

„Bar Mizwa“ hat sich aber auch als Name der Zeremonie etabliert, die seit einigen hundert Jahren den Übergang vom Kind zum Erwachsenen markiert. Mädchen werden bereits an ihrem zwölften Geburtstag „Bat Mizwa“, also zur „Tochter des Gebots“, und zünden das erste Mal die Schabbat-Kerzen an. Während in traditionellen Gemeinden die Volljährigkeit von Buben und Mädchen unterschiedlich gefeiert wird, wird sie im Reformjudentum ganz genauso wie eine „Bar Mizwa“ mit einem Aufruf zur Thora gefeiert.

Öffentliche Thoralesung als Zeichen der Mündigkeit

Nach gründlicher Vorbereitung auf den großen Tag wird der Bub am Montag, Donnerstag oder Schabbat, der auf seinen 13. Geburtstag nach jüdischem Kalender folgt, in der Synagoge zur Thora-Lesung aufgerufen. Oftmals liest der Bar Mizwa bei seinem Thoraaufruf seinen Abschnitt der Parascha (Wochenabschnitt) selbst vor. Wenn er möchte, kann er auch ein weiteres Stück aus der „Haftara“ (Abschnitt aus der biblischen Prophetenliteratur) nach einer bestimmten Melodie vortragen.

Zorros Bar Mizwa

Für den Doumentarfilm „Zorros Bar Mizwa“ (2006) begleitete Ruth Beckermann vier Wiener Jugendliche bei ihren Vorbereitungen auf die „Bar Mizwa“.

Nach dem Gottesdienst laden seine Eltern üblicherweise die Gemeinde zum „Kiddusch“, einem Empfang mit Getränken und einem Imbiss, ein. Nach Schabbat wird häufig die Bar Mizwa mit einem Fest, zu dem Verwandte und Freunde eingeladen sind, gefeiert. Häufig reisen sogar Angehörige aus dem Ausland an, denn die „Bar Mizwa“ ist eines der wichtigsten individuellen Feste im Leben eines Juden.

Ein junges Mädchen feiert Bat-Mizwa.
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In liberalen und progressiven Gemeinden feiern auch Mädchen ihre Bat-Mizwa mit einer Lesung aus der Thora.

Bat Mizwa für zwölfjährige Mädchen

Ein Mädchen wird schon an ihrem zwölften Geburtstag volljährig. In manchen Gemeinden gibt es eine Zeremonie zum Wochenfest „Schawuot“, bei der alle Mädchen, die im abgelaufenen Jahr zwölf Jahre alt geworden sind, gemeinsam zum „Mädchensegen“ antreten. Auch kleine Vorträge zu religiösen Themen und Lesungen aus Psalmen und anderen nicht im Gottesdienst verwendeten Texte als Teil einer Zeremonie gelten in orthoxderen Kreisen mittlerweile als zulässig. Gar keinen Unterschied zwischen „Bar“- und „Bat“-„Mizwa“ machen nur die Gemeinden des Reformjudentum, bei denen Gleichberechtigung eine große Rolle spielt.

Übersichtsartikel zum Judentum

Siehe dazu auch im ORF-Religionslexikon:

Aus dem ORF-Medienarchiv Judentum: