Christliche Feste

Religöse Feiertage im Jahreskreis

Das Kirchenjahr verteilt die wichtigsten Ereignisse der Lebens- und Leidensgeschichte Jesu auf den Fest-Zyklus eines Jahres. Im Westen beginnt es mit dem 4. Sonntag vor Weihnachten (Advent), im Osten zum Teil im September oder Oktober, zum Teil mit dem Fest „Erscheinung des Herrn“ (Epiphanie) am 6. Jänner.

Ostern ist kirchliches Hauptfest

Für die Wahl der Festtage spielen die Jahreszeiten und dort früher gefeierte Feste eine Rolle (Ostern/Auferstehung: Frühling, das jüdische Pessachfest; Weihnachten: Sonnenwende, das römische Fest des „sol invictus“, des unbesiegten Sonnengottes; usw.). Es gibt unbewegliche Feste, also mit fixem Datum, und bewegliche, die vom Ostertermin abhängig sind.

Das christliche Hauptfest ist Ostern - die Erinnerung an das Ereignis, mit dem das Christentum steht und fällt, an die Auferstehung Jesus Christi. Im Nachgang des Konzils von Nicäa (325) setzte Kaiser Konstantin den Ostertermin auf den ersten Sonntag nach dem Frühlingsvollmond fest. Die daran anschließenden Feste Christi Himmelfahrt und Pfingsten (griech.: Pentekost = am 50.Tag, also sieben Wochen nach Ostern) folgen dem biblischen Bericht über den Weggang Jesu und die Ausgießung des Heiligen Geistes.

Ostkirchen feiern nach Julianischem Kalender

Eine Differenz zwischen Ost- und Westkirchen ergibt sich dadurch, dass die Ostkirchen den Julianischen Kalender (Gaius Julius Cäsar, gest. 44 v. Chr.) verwenden, der Westen hingegen den Gregorianischen Kalender (Papst Gregor XIII, 1582), der dem Weltjahr zugrunde liegt. Zudem halten die Ostkirchen an der Tradition fest, Ostern erst am Sonntag nach dem jüdischen Pessachfest zu feiern. An Orten, wo alle Christen Ostern feiern, z.B. in Jerusalem, gibt es daher meist zwei verschiedene Osterfeste.

Der Weihnachtsfestkreis orientiert sich an einem festen Datum: Der Westen feiert am 25. Dezember die Geburt Jesu (Weihnachten), am 6. Jänner die Anbetung der Weisen („Dreikönig“); für den Osten ist dieser Tag als Tag der „Erscheinung der Herrn“ das eigentliche Weihnachtsfest - mehr zu den Ostkirchen im Eintrag Orthodoxie.

Struktur durch Fest- und Fastenzeiten

Das Kirchenjahr strukturiert das Jahr darüberhinaus mit dem Wechsel von Fest- und Fastenzeiten. Vor Weihnachten ist der Advent (lat.: Ankunft) eine Zeit der Besinnung, vor Ostern liegt eine 40-tägige Fastenzeit , die mit dem Aschermittwoch beginnt und den davorliegenden Fasching (Karneval) beendet. Die Woche unmittelbar vor Ostern (Karwoche) gilt als besonders ernste Zeit, in der die Stationen des Leidensweges Jesu schrittweise liturgisch nachvollzogen werden: sein Einzug in Jerusalem am Palmsonntag, das letzte Abendmahl am Gründonnerstag, die Kreuzigung am Karfreitag, die Auferstehung in der Nacht von Karsamstag auf Ostersonntag.

Die Ostkirchen und die römisch-katholisch Kirche haben Feiertage für jeden Heiligen (Heiligenkalender). Ein Fest für alle Heiligen (Allerheiligen) fällt im Westen auf den 1. November, im Osten auf den 1. Sonntag nach Pfingsten - mehr dazu im Eintrag Heiligenverehrung.

Feste durch die Gegenreformation etabliert

Die wichtigsten Heiligenfeste für beide Konfessionen sind die Feste der Gottesmutter Maria. Mariä Verkündigung wird am 25. März gefeiert, genau neun Monate vor Christi Geburt. Mariä Himmelfahrt (15. August) und Mariä Empfängnis (8. Dezember) sind zwar alte Feste, die aber durch die Mariendogmen der römisch-katholischen Kirche (Dogma von der leiblichen Aufnahme Mariens in den Himmel 1950, Dogma von der unbefleckten Empfängnis Mariens 1854) einen gegenreformatorischen Akzent setzen.

Im Umkreis der Dogmatisierung von 1854 haben lokale Marienerscheinungen zu weltweiten Wallfahrtsbewegungen geführt: La Salette 1846, Lourdes 1858, Fatima 1917. Gegenreformatorisch akzentuiert wurde auch das alte Fronleichnamsfest (2. Donnerstag nach Pfingsten): Es gilt der demonstrativen Verehrung des in den Leib Christi gewandelten Brotes durch eine Prozession und unterstreicht damit die römisch-katholische Auffassung von der Eucharistie - siehe dazu auch den Eintrag Abendmahl - Kommunion, Eucharistie.

Ein Totengedenken feiert die römische Kirche zu Allerseelen (2. November), die evangelische am letzten Sonntag des Kirchenjahres, Ewigkeitssonntag genannt. Am 31. Oktober, dem Jahrestag des Thesenanschlags von Martin Luther, feiern evangelische Christen das Reformationsfest - siehe dazu auch den Eintrag Reformation.

Übersichtsartikel zum Christentum:

Siehe dazu auch im ORF-Religionslexikon:

ORF-TVthek-Medienarchiv Christentum: