Kreuzzüge

Christliche Feldzüge ins Heilige Land

Eine vereinfachende Darstellung zählt sieben Kreuzzüge ins Heilige Land mit der Absicht, Jerusalem den Muslimen zu entreißen. Genau genommen füllen vielerlei Kreuzzüge die Geschichte des 12. bis 14. Jahrhunderts. Eine Kreuzzugbewegungen erfasste Europa aus mehreren Gründen: Das Eindringen der muslimischen Seldschuken in Kleinasien, das Byzanz nicht verhindern konnte, machte den Weg von Pilgern ins Heilige Land gefährlich.

Zur selben Zeit waren in Europa soziale Umwälzungen im Gange: Der Investiturstreit tobte und untergrub die politische Stabilität; die Städte gewannen an Bedeutung und schmälerten die Macht der Ritterschaft auf ihren Burgen. Außenpolitik zur Ablenkung von der Innenpolitik war schon damals ein probates Mittel.

Gründungszeit der Ritterorden

In dieser Situation rief Papst Urban II. (1035 bis 1099) im November 1095 die Christen zu einem Kreuzzug nach Jerusalem auf und verband diesen Aufruf mit der Zusicherung eines himmlischen Lohns, und dass das Töten von Muslimen als Ungläubigen ein gerechtes und heiligendes Werk sei. Urban gelang es damit, die in zahlreichen Fehden zersplitterten Aristokraten zu befrieden und hatte die Hoffnung auf eine Wiedervereinigung mit der byzantinischen Kirche.

Die Kreuzzüge waren auch die Gründungszeit der Ritterorden: des Templerodens 1118, der bis zu seiner Auflösung 1312 bestand, und des Johanniterordens, ursprünglich von italienischen Kaufleuten in Jerusalem gegründet; er versteht sich heute als evangelischer Zweig gegenüber dem katholischen Souveränen Malteserorden. Während des 3. Kreuzzugs entstand der Deutsche Orden.

Organisierte Judenverfolgung vor 1. Kreuzzug

Der 1. Kreuzzug (1096 bis 1099) begann mit der ersten organisierten Judenverfolgung im Rheinland. In Palästina erreichte der Kreuzzug sein Ziel mit der Eroberung Jerusalems 1099, die mit einem Blutbad an den Bewohnern der Stadt endete. Danach wurden an der Ostküste des Mittelmeers und im Süden Anatoliens Kreuzfahrerstaaten errichtet, um den Erfolg abzusichern.

Der 2. Kreuzzug (1147 bis 1149) endete in Damaskus. Er wurde durch Predigen des Bernhard von Clairvaux (gest. 1153) gefördert. Jerusalem war jedoch 1187 wieder verloren gegangen. Der 3. Kreuzzug (1189 bis 1192) konnte lediglich eine Vereinbarung mit Sultan Saladin erzielen, die den Christen Pilgerfahren zu den heiligen Stätten erlaubte.

Verhaftung von Richard Löwenherz in Österreich

Bei der Eroberung von Akkon (heute Akko) kam es zum Streit zwischen dem englischen König Richard Löwenherz und Herzog Leopold V. von Österreich. Richard riss die österreichische Fahne herunter, weil er als ranghöherer Heerführer niemanden neben sich duldete. Leopold reiste ab, Richard musste den Rückweg inkognito quer durch österreichisches Gebiet antreten, wurde in Erdberg bei Wien verhaftet und auf der Burg Dürnstein in der Wachau gefangen gehalten. Nach zähen Verhandlungen und einem hohen Lösegeld kam Richard wieder frei. Diesen Kreuzzug hatte Kaiser Friedrich I. Barbarossa angeführt; er ertrank aber in einem Fluss Kleinasiens.

Handelsinteressen als Motiv für 4. Kreuzzug

Der 4. Kreuzzug (1202 bis 1204) diente vor allem venezianischen Handelsinteressen: Statt im Kampf gegen die Muslime endete er in einer brutalen Eroberung von Konstantinopel und errichtete dort ein lateinisches Kaisertum. Venedig plünderte byzantinische Kunstschätze, Rom erzwang lateinische Gottesdienste. Der Gegensatz zur Orthodoxie wurde weiter vertieft. Erst 1261 gelang es dem vertriebenen byzantinischen Kaiserhaus, Konstantinopel zurückzuerobern.

Dem 5. Kreuzzug (1228 bis 1229) unter der Führung von Kaiser Friedlich II. gelang es, ohne Kämpfe durch Verhandlungen den Zugang zu den Heiligen Stätten in Jerusalem zu sichern. Das erboste den Papst, der vergeblich versuchte, Friedrich durch Exkommunikation für seinen Friedenswillen zu bestrafen. Ein Jahrzehnt davor gab es den Kreuzzug von Damiette (1217 bis 1221), der in Ägypten landete. Damals schloss sich Franz von Assisi dem Kreuzzugsheer an und predigte vor dem muslimischen Sultan.

Der 6. Kreuzzug (1248 bis 1254) brachte den französischen König Ludwig IX. in Gefangenschaft und auf dem 7. Kreuzzug (1270) fiel er bei einer weiteren verlorenen Schlacht seines Heeres vor Tunis.

Ausweitung des Begriffs „Kreuzzug“

Zwischen den großen Kreuzzügen äußerte sich die Kreuzzugsbewegung in zahlrechen kleineren Unternehmungen, die den Ambitionen einzelner Könige und Fürsten dienten. Auch wurde der Begriff Kreuzzug auf andere Pilgerfahrten und Feldzüge übertragen: Der Kreuzzug gegen die Wenden (1147) galt der Unterwerfung slawischer Siedlungen im Osten Deutschlands, der Albigenserkreuzzug (1209 bis 1229) was gegen die Ketzer (Albigenser) in Südfrankreich gerichtet.

1212 wurde ein „Kinderkreuzzug“ ausgerufen, mit dem tausende unbewaffnete Jugendliche bis nach Italien kamen. 1390 wurde eine militärische Maßnahme zur Eindämmung der Piraterie im Mittelmehr Kreuzzug genannt, ebenso 1396 der Kampf gegen die Expansion der Osmanen.

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