Christentum in Österreich

In Österreich dominiert die römisch-katholische Kirche. Doch wie alle christlichen Gemeinschaften hat sie mit Mitgliederschwund zu kämpfen.

Nach der Volkszählung 2001, der letzten, in der auch das Religionsbekenntnis erhoben wurde, waren noch 73,6 Prozent der österreichischen Bevölkerung römisch-katholisch, 4,7 Prozent evangelisch; orthodoxe Christen sind eine Minderheit. Demographische Berechnungen der „Österreichischen Akademie der Wissenschaften“ gehen davon aus, dass sich die Zahl der Katholiken auf 50 bis 60 Prozent reduzieren wird. Inzwischen übersteigt die Zahl der Muslime diejenige der evangelischen Christen und wird gegen 20 Prozent der Bevölkerung anwachsen.

Die Dominanz der römisch-katholischen Kirche ist ein Ergebnis der Gegenreformation. Zu Ende des 16. Jahrhunderts hatten sich Gemeinden und Klerus bis zu 90 Prozent der Reformation angeschlossen. Nach einer Zeit der Toleranz unter Kaiser Rudolf II, (1552 bis 1612), sorgten seine Nachfolger (Ferdinand II., III., IV. bis 1654) für die gewaltsame Durchsetzung der Gegenreformation durch Hinrichtung und Vertreibung der Protestanten und Zerstörung ihrer Kirchen.

Heute 16 christliche Kirchen in Österreich anerkannt

Nach der Zweiten Türkenbelagerung Wiens (1683) und der Zurückwerfung der Osmanen bis in den Balkan entwickelte sich die katholische, barocke Hochblüte religiöser Kunst und Kultur. Das Toleranzedikt Kaiser Josefs II. von 1781 gab dem kleinen Rest des Geheimprotestantismus, der noch durchgehalten hatte, die Freiheit. Erst das Staatsgrundgesetz von 1867, das noch heute in Geltung ist, stellte alle Religionen und Konfessionen gleich - mehr dazu im Eintrag Anerkennung.

Heute sind unter den anerkannten Religionsgemeinschaften in Österreich 16 christliche Kirchen vertreten, worin sich die Spaltungen des Christentums spiegeln. Zu den 16 Kirchen zählen drei katholische (die römische und die unierten Griechen und Armenier), die altkatholische, zwei evangelische (Lutheraner und Reformierte), die Methodisten, drei orientalisch-orthodoxe (Armenier, Kopten und Syrer) und sechs griechisch-orientalische (orthodoxe) Kirchen - mehr dazu im Eintrag Konfessionen; diese werden eigens aufgezählt, weil sie eigenständig nach Nationen organisiert sind.

Kirchen leiden unter Mitgliederschwund

Österreich ist nach wie vor christlich, insbesondere römisch-katholisch geprägt. Doch ist im „Ökumenischen Rat der Kirchen für Österreich“ eine enge Zusammenarbeit der Konfessionen entstanden (mehr dazu im Eintrag Ökumene). Alle Kirchen, vornehmlich die römisch-katholische, leiden unter einem starken Mitgliederschwund. Anlass für Austritte sind erstarrte Glaubensformeln und autoritär vermittelte Gebote und Verbote, innerkirchliche Skandale, die Einforderung des Kirchenbeitrags und eine allgemeine Abkehr von Großinstitutionen, wovon auch Parteien und Gewerkschaften betroffen sind. Unter dem Begriff „Säkularisierung“ wird eine wachsende Abkehr von religiösen Überzeugungen zusammengefasst, die der Vernunft nicht nachvollziehbar erscheinen.

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