Dalai Lama

Höchster Meister einer Schule des tibetischen Buddhismus

Dalai Lama ist der Ehrentitel für den höchsten Meister der Gelug-Schule, der jüngsten der vier Schulen des tibetischen Buddhismus. Er gilt als Inkarnation der früheren Meister der Gelug-Schule und als geistiges Oberhaupt der Tibeter. Der 14. Dalai Lama (wörtlich „Ozeangleicher Lehrer“) heißt mit bürgerlichem Namen Tenzin Gyatso und wurde am 6. Juli 1935 in Osttibet geboren. 1937 wurde er als die Inkarnation des 13. Dalai Lamas anerkannt und 1940 inthronisiert. Seine Anhänger sehen ihn als „Bodhisattva“, als erleuchtetes Wesen, das die Wiedergeburt freiwillig auf sich nimmt, um das Leid der lebenden Wesen zu mildern - mehr dazu im Eintrag Mahayana.

Dalai Lama
Reuters/Yuri Gripas
Der Dalai Lama

Nach Tibetaufstand Exil in Indien

Im Jahr 1950 übernahm der Dalai Lama im Alter von 15 Jahren offiziell die Regierungsgeschäfte Tibets. Ein Jahr später, nach dem Einmarsch der chinesischen Volksbefreiungsarmee in der osttibetischen Provinz Chamdo, musste er das „17-Punkte-Abkommen“ unterzeichnen. Darin wurden Tibet Autonomie und Religionsfreiheit zugestanden, während Außenpolitik, Außenhandel sowie militärische Angelegenheiten von der Volksrepublik China übernommen werden sollten.

1954 reiste der Dalai Lama mit einem Gefolge von etwa 500 Personen nach Peking, um den chinesischen Staatspräsidenten Mao Zedong zu treffen und mit ihm eine gewaltfreie Lösung hinsichtlich der Position Tibets und der fünf Jahre zuvor ausgerufenen Volksrepublik China zu finden. Während des Tibet-Aufstands 1959 floh der Dalai Lama nach Dharamsala in Nordindien, wo er seither lebt und von wo aus er zunächst die tibetische Exilregierung führte.

2011 trat der Dalai Lama als Kopf der tibetischen Exilregierung zurück und widmet sich seitdem seiner Funktion als Lehrer des tibetischen Buddhismus in der Gelug-Tradition. Der Dalai Lama zählt neben Thich Nhat Hanh zu den bekanntesten sozial engagierten buddhistischen Lehrern.

Nobelpreis für den Dalai Lama

1989 wurde der Dalai Lama mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet in Anerkennung seiner Bemühungen, den Konflikt mit China mit gewaltfreien Mitteln zu lösen. Er setzt sich unermüdlich für den interkulturellen und interreligiösen Austausch und für einen friedvollen und konstruktiven Dialog ein. Im Vatikan war er als dem Christentum aufgeschlossener Mönch mit Papst Johannes Paul II. freundschaftlich verbunden. Der Dalai Lama hält Krieg für etwas in unserer Zeit Überholtes und tritt für eine entmilitarisierte Welt und die Abschaffung von Atomwaffen ein.

1990 begründete der Dalai Lama zusammen mit einer Reihe von Wissenschaftlern das „Mind & Life Institute“. Im Rahmen von Konferenzen und Veröffentlichungen wird der Dialog zwischen verschiedenen Wissenschaften und dem Buddhismus gefördert. Zu Beginn des 21. Jahrhunderts verlautbarte der Dalai Lama, dass er seinen Nachfolger selbst bestimmen könnte, anstatt dass seine Wiedergeburt gefunden werden müsse. Diese Idee wurde von der chinesischen Regierung vehement abgelehnt, da sie vermutlich den Verlust von Einfluss auf die Wahl des 15. Dalai Lamas fürchtete.

Dalai Lama Ehrentitel seit 1578

Der Titel Dalai Lama hat einen mongolischen Ursprung. Der mongolische Fürst Altan Khan verlieh 1578 diesen Ehrentitel an Sönam Gyatso, der als dritter Dalai Lama bekannt wurde. Seinen Vorgängern wurde der Titel posthum verliehen. Wenn ein Dalai Lama stirbt, wird seine Wiedergeburt von hochrangigen Mönchsdelegationen gesucht. Visionen, Träume und Orakelsprüche sind bei dieser Suche von hoher Bedeutung.

Sobald ein Bub gefunden wird, in dem der inkarnierte Meister erkannt wird, wird er offiziell zur Wiedergeburt des vorherigen Dalai Lamas erklärt und einer strengen Ausbildung unterzogen. Bis ein junger Dalai Lama seine Volljährigkeit erreicht, werden die tibetischen Regierungsgeschäfte oftmals von weltlichen Regenten übernommen. Ab 1788 wurde Tibet für mehr als hundert Jahre von Regenten geführt. Viele Dalai Lamas starben jung.

Übersichtsartikel zum Buddhismus

Siehe dazu auch im ORF-Religionslexikon:

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