Judentum in Österreich

Nach Schätzungen der Israelitischen Kultusgemeinde Wien leben heute rund 15.000 Juden in Österreich, die meisten davon in Wien.

In Österreich gibt es heute jüdische Gemeinden in Wien, Graz, Salzburg und Innsbruck. Die meisten Juden leben jedoch in Wien, nach der Volkszählung von 2001 knapp 7.000 von insgesamt 8.140. Die „Israelitische Kultusgemeinde Wien“ (IKG Wien) nimmt jedoch an, dass in Österreich rund 15.000 Juden leben.

Ansiedelung im Osten des Landes

Auch in der fast 1000 Jahre alten Geschichte der Juden in Österreich waren Juden meist in den östlichen Landesteilen angesiedelt: Im Burgenland, dem östlichen Niederösterreich und in Wien gab es bedeutende Gemeinden. Juden hatten jedoch nicht die gleichen Rechte wie Christen und waren bestenfalls geduldet und häufig angefeindet.

Nur aufgrund von sogenannten „Privilegien“, die der Hof erteilte, konnten sich Juden in Österreich aufhalten. Diese konnten aber auch wieder entzogen werden. 1420/21 kam es während der Hussitenkriege zur ersten blutigen Vertreibung der Juden unter Herzog Albrecht. 1670 wurden die Juden wieder aus Österreich vertrieben.

Bürgerliche Rechte mit dem Toleranzedikt

Mit dem Toleranzedikt von Kaiser Joseph II. erlangten Juden erstmals bestimmte bürgerliche Rechte, diskriminierende bestimmungen wurden aufgehoben. Gemeinden zu bilden und Gottesdienste öffentlich zu halten, war Juden aber weiterhin verboten. Der Rabbiner stand damals der „Wiener kaiserlich-königlich genehmigten öffentlichen israelitischen Religionsschule“ vor. 1852 genehmigte Kaiser Franz Jseoph die „provisorischen Statuten“ der Wiener Gemeinde. Das erlaubte den Juden ihre inneren Angelegenheiten und Kultusfragen autonom zu regeln.

Durch das Staatsgrundgesetz von 1867 wurden Juden erstmals in Österreich als gleichberechtigte Staatsbürger anerkannt. Für die jüdische Gemeinde in Wien folgte eine Blütezeit. Waren es nach Informationen der Kultusgemeinde in Wien 1860 6.200 jüdische Einwohner, lebten zur Jahrhundertwende 147.000 Juden in Wien.

Mit dem „Israelitengesetz“ 1890 bekommt das Verhältnis der verschiedenen jüdischen Kultusgemeinden zu Staat eine einheitliche Rechtsgrundlage.

Wiener Stadttempel aus dem 19. Jahrhundert

Der Wiener Stadttempel in der Seitenstettengasse stammt aus dem 19. Jahrhundert. Der Grundstein für das vom Wiener Architekten Josef Kornhäusel geplante Gebäude wurde 1825 gelegt, eingeweiht wurde die Synagoge am 6. April 1826. Bei den Novemberpogromen 1938 wurde die Wiener Synagoge in der Seitenstettengasse nicht zerstört, weil sie der damaligen Bauordnung entsprechend in ein Wohnhaus integriert war.

Nach dem Anschluss Österreichs an das nationalsozialistische Deutschland im März 1938 erreichte der Antisemitismus in Wien einen Höhepunkt: In der Nacht vom 9. auf den 10. November wurden bis auf den Stadttempel in der Seitenstettengasse alle Wiener Synagogen und Bethäuser zerstört. Jüdische Geschäfte wurden geplündert und mehr als 6.000 Juden verhaftet und großteils ins Konzentrationslager Dachau gebracht.

Kleine Gemeinde nach dem Zweiten Weltkrieg

Zwar konnten bis Oktober 1941 mehr als 130.000 Juden aus Österreich fliehen, doch wurden 16.000 von ihnen in anderen europäischen Ländern von den Nationalsozialisten deportiert. Nur 5.500 Juden in Österreich überlebten den Holocaust, die „Schoa“, mehr als 65.500 österreichische Juden wurden von den Nationalsozialisten ermordet.

Nach dem Zweiten Weltkrieg haben sich die offiziellen Stellen lange vor einer klaren Stellungnahme gedrückt, was die Schuld Österreichs am Holocaust anlangt. Ehemalige jüdische Bürger wurden kaum eingeladen, sich in Österreich wieder anzusiedeln. Die Mehrheit der vertriebenen österreichischen Juden will sich nicht in ihrer alten Heimat ansiedeln.

Die IKG bleibt daher eine kleine Gemeinde. Vor 1938 hatte sie noch mehr als 185.000 Mitglieder, Ende der 1990-er Jahre waren knapp mehr als 7.000 Menschen IKG-Mitglieder. Mittlerweile gibt es aber neben dem 1963 wiedereröffneten Wiener Stadttempel auch andere sichtbare Lebenszeichen jüdischen Lebens in Wien: das „Sanatorium Maimonides-Zentrum“, die "Zwi-Perez-Chajes-Schules, die „Beth-Chabad-Schule“, die von der Ronald S. Lauder-Stiftung gefördert wird, den Sportclub „Hakoah“, das psycho-soziale Betreuungszentrum ESRA und andere Schul- und Bildungseinrichtungen.

Or Chadasch seit 1990 in Wien

Seit 1990 gibt es in Wien auch die „Jüdische Liberale Gemeinde Or Chadasch“, die Mitglied der „Weltunion für progressives Judentum“ ist. Diese Gemeinde gehört jedoch nicht der sogenannten Einheitsgemeinde an, die alle jüdischen Gemeinden vertritt.

Jüdische Organisationen in Österreich

Israelitische Kultusgemeinde (IKG) Wien
Präsident: Oskar Deutsch
Oberrabbiner: Paul Chaim Eisenberg
Seitenstettengasse 4
1010 Wien
www.ikg-wien.at

Israelitischer Kultusverein Graz
David Herzog Platz 1
8020 Graz
E-Mail: office@ikv-graz.at
www.ikg-graz.at

Israelitische Kultusgemeinde Salzburg

www.ikg-salzburg.at

Israelitische Kultusgemeinde für Tirol und Vorarlberg
Sillgasse 15
6020 Innsbruck
E-Mail: office@ikg-innsbruck.at
www.ikg-innsbruck.at(me_de.php)

Or Chadasch Wien
Robertgasse 2
1020 Wien
E-Mail: info@orchadasch.at
www.orchadasch.at

Weitere Übersichtsartikel zum Judentum