„Aslan-Bericht“ über islamische Kindergärten online

Das Integrationsministerium hat am Freitag den Projektbericht „Evaluierung ausgewählter Islamischer Kindergärten und -gruppen in Wien - Tendenzen und Empfehlungen“, den „Aslan-Bericht“, veröffentlicht.

Die Vollversion stehe zum Download zur Verfügung auf iis.univie.ac.at, teilte das Ministerium am Freitag in einer Aussendung mit. Der 177 Seiten umfassende Bericht des islamischen ReligionspädagogeFF Ednan Aslan sei „ein qualitativ-empirisches Forschungsprojekt zu ausgewählten Kinderbetreuungseinrichtungen in der Stadt Wien. Er ist die Grundlage für die gemeinsame flächendeckende Untersuchung aller Islam-Kindergärten in Wien, die heute durch das Integrationsministerium und die Stadt Wien gestartet wird“, so die Aussendung.

Zugang zu einigen Kindergärten „schwierig“

Die „innerhalb einer relativ kurzen Zeitspanne als Pilotprojekt durchgeführte Vorstudie weist vorerst auf Tendenzen in den muslimischen Kindergärten und Kindergruppen hin. Um diese Tendenzen vertiefend analysieren bzw. verstehen zu können, sind sicherlich weitere Untersuchungen erforderlich“, schreibt Aslan in der Einleitung zu seiner Untersuchung.

Zwei Kinder in einer Kindergartengruppe
APA/Herbert Neubauer
Die Vorstudie weist auf „Tendenzen“ hin, so Autor Aslan

Viele islamische Kindergärten seien nicht bereit gewesen, am Forschungsprojekt mitzuwirken, so der Religionspädagoge im Resümee zur Vorstudie. „Der Zugang zu einzelnen Kindergärten erwies sich als schwierig bzw. die Anfragen auf Mitwirkung stießen häufig auf ablehnende Haltung, sodass weniger Kindergärten als erhofft untersucht werden konnten.“

Religiöse Bildung für Eltern wichtig

Es sei „davon auszugehen, dass salafistische bzw. islamistische Organisationen in der Kinderbetreuung nicht so einfach auf ihre politischen Ziele verzichten können“, so Aslan weiter. Dabei dürften die geprüften Einrichtungen wohl weitgehend im Sinne der Eltern agieren: „Für die meisten Eltern ist das Angebot an religiöser Bildung/Erziehung im Kindergarten von großer Bedeutung. Dabei geht diese Bildung/Erziehung in religiöse Praxen über (Gebet, eigene Feste feiern), wobei praktizierende Erzieherinnen als islamische Vorbilder gesehen werden. Das Auswendiglernen von Koranstellen wird dabei von elterlicher Seite auch eingefordert“, schlussfolgert die Studie.

Die Kooperation mit den Eltern werde demnach auch „sehr positiv betont und als wichtig erachtet“. Nicht-muslimische Kinder würden „von religiösen Praxen nicht ausgeschlossen, sondern können freiwillig daran teilnehmen“. Den Eltern sei es wichtig, „dass die Kinder über ihre Werte und ihre Kultur informiert werden“. Aslan lässt aber auch kritische Bemerkungen einfließen: „Pluralitätsfördernde Impulse kommen oftmals zu kurz. In der religiösen Erziehung bestimmen traditionelle Bilder die Erziehung der Kinder, es wird beispielsweise mit strafenden und belohnenden Gottesbildern gearbeitet“, urteilt die Studie.

„Flächendeckende Untersuchung“ folgt

Das Integrationsministerium und die Stadt Wien würden gemeinsam „eine flächendeckende Untersuchung islamischer Kinderbetreuungseinrichtungen in Wien“ starten, wie es in einer weiteren Presseaussendung des Ministeriums heißt. Die Studie werde neben Aslan auch die Theologin Susanne Heine (Evangelisch-Theologischen Fakultät, Universität Wien), die Pädagogin Maria Fürstaller (Universität Wien und FH Campus Wien), Elisabeth Raab-Steiner (FH Campus Wien, Studiengangsleiterin Sozialraumorientierte und Klinische Soziale Arbeit), Wolfgang Mazal (Universität Wien, Leiter des Österreichischen Instituts für Familienforschung) und der Soziologe Kenan Güngör begleitet, so das Ministerium. Die Arbeiten daran sollen bis Mai 2017 abgeschlossen sein.

Die Stadt Wien werde die dafür erforderlichen Daten bereitstellen, hieß es. Man werde den Zugang zu allen Kinderbetreuungseinrichtungen gewähren und auch Vereinsregisterauszüge vorlegen, wurde beteuert: „Eine wichtige Fragestellung wird sein, ob die pädagogischen Konzepte jener privaten institutionellen Kinderbildungs- und Betreuungseinrichtungen (Kindergärten und Kindergruppen) in Wien, mit den Grundwerten der österreichischen Verfassung, Kinder- und Menschenrechte sowie dem Wiener Bildungsplan übereinstimmen.“

„Werte und Normen“ prüfen

Ebenso solle untersucht werden, welche Werte und Normen in der Praxis tatsächlich gelebt werden. Auch die verwendeten Sprachen, den religiösen Hintergrund oder die Annahme von Sprachförderangeboten will man sich genauer ansehen. Erforscht wird auch die Erwartungshaltung der Eltern bzw. Erziehungsberechtigten. Weiters wird eine Liste mit allen islamischen Kindergärten oder -gruppen und deren Betreibern sowie Trägervereinen erstellt.

„In Wien ist kein Platz für Radikalismus und Extremismus. Wenn es Probleme gibt, müssen diese angegangen und gelöst werden. Die Stadt Wien schaut genau hin und hat bereits gehandelt“, verwies Jugendstadträtin Sonja Wehsely (SPÖ) auf eine nun bereits erfolgte Aufstockung der Kontrolleure. Auch Bildungsstadträtin Sandra Frauenberger (SPÖ) beteuerte, dass Radikalisierung im Kindergarten keinen Platz haben dürfe. Integrationsminister Sebastian Kurz (ÖVP) verwies auf die nunmehrige Einigkeit: „Wir ziehen hier in der flächendeckenden Untersuchung an einem Strang. Es ist notwendig, Klarheit und Transparenz zu haben, damit die richtigen politischen Maßnahmen gesetzt werden können.“

religion.ORF.at

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