„Deals“ mit Gott: Ordensfrauen und ihre Wege

Wie unterschiedlich die Lebenswege und Berufungen von Ordensfrauen verlaufen können, gibt ein Porträt-Buch über zwölf Nonnen preis. Das Buch wurde im Rahmen eines Oral-History-Projekts verwirklicht.

Sehr ehrlich werden in dem Buch mit dem Titel „Ein bisserl fromm waren wir auch“ mitunter auch persönliche Dinge preisgegeben. So erzählt Schwester M. Immaculata Ebner unter anderem von den „Deals“, die sie mit Gott geschlossen habe. Andere berichten von schwierigen Kindheiten, von großer Armut, früh verstorbenen Eltern oder Familien, in denen der Alkohol eine dominante Rolle spielte.

Breiten Raum nimmt jeweils die Frage ein, wie es zur Entscheidung für das Ordensleben kam. Der Titel des Buches stammt aus einem Zitat von Schwester Johanna Montag von den Don Bosco Schwestern. Und zwar, als sie sich lachend erinnert, wie sie sich als Novizin mit ihren Kolleginnen eine einzige Rodel geteilt hat. „Wir haben jeden Blödsinn gemacht (...) na ja, ein bisserl fromm waren wir schon auch.“

Paul Michael Zulehner weist im letzten und einzigen männlichen Beitrag des Buches darauf hin, dass sich die Orden in den vergangenen Jahrzehnten stark verändert haben: Besonders im Hinblick auf den „Gehorsam“, den Ordensleute versprechen. Früher seien Selbständigkeit und Eigenverantwortung gering geschätzt gewesen. Heute werde Selbstverantwortung in den Orden hochgehalten, so der Pastoraltheologe.

Das Cover des Porträt-Buchs: "Ein bisserl fromm waren wir auch"
Styria

Keine Klischees

Die Veränderungen im Ordensleben bestätigen auch einige der Porträtierten. Den blinden Gehorsam gibt es demnach zum Beispiel nicht mehr. Schwester M. Manuela Huber, pensioniert in der Kongregation der Schwestern vom Göttlichen Erlöser, etwa sagt: „Das Gehorchen ist mir immer schon schwer gefallen.“ Alles sei über Gespräche zu lösen, bloßes Ausführen von Anordnungen funktioniere nicht mehr.

53 Prozent der in Österreich lebenden Ordensfrauen sind über 75 Jahre alt. Das macht einerseits deutlich, wie ungleich das Verhältnis von betagten und jungen Schwerstern ist (unter 40 sind es ganze vier Prozent) – es zeigt aber auch, welch großer Schatz an Erfahrung und erlebter Zeitgeschichte da vorhanden ist. Oft im Verborgenen, denn Ordensfrauen tragen in der Regel ihre Geschichten nicht marktschreierisch vor sich her – und seien sie noch so spannend.

Einblicke in die Ordensgemeinschaften

Im Rahmen eines Oral-History-Projektes wurden diese Schätze nun gehoben und von Herausgeberin Schwester Beatrix Mayerhofer und Autorin Monika Slouk in Buchform gebracht. Das Kernstück machen zwölf Porträts von Ordensfrauen aus, aus unterschiedlichen Generationen, unterschiedlichen Gemeinschaften und auch unterschiedlichen Herkunftsländern. Zum Abschluss jedes Kapitels werden die jeweiligen Ordensgemeinschaften samt ihren Schwerpunkten und Anliegen skizziert. Aufschlussreich ist auch das hinten angeschlossene „Wörterbuch Ordensdeutsch“, in dem ordenseigene sowie kirchenspezifische Begriffe, wie etwa „Priorin“, „Erste Profess“ und „Gehorsam“ erklärt werden.

Schwester Immaculata Ebner
ORF/Brigitte Krautgartner
Schwester Immaculata Ebner

Das Buch räumt jedenfalls mit weit verbreiteten Nonnen-Klischees auf. Die Nonnen berichten von Krisen, ihren Berufslaufbahnen und der Frage, wie es möglich ist, das Frau-Sein in dieser speziellen Lebensform zu verwirklichen. Dazu sagt Ebner von den Zisterzienserinnen, eine der wenigen jungen Schwestern, dass Ehelosigkeit ja nicht Beziehungslosigkeit und schon gar nicht Lieblosigkeit bedeute.

Veranstaltungshinweis

„Ein bisserl fromm waren wir auch“ wird am Mittwoch, 18. Mai, 19.00 Uhr in der Buchhandlung Herder, Wollzeile 33, 1010 Wien, präsentiert.

Frau-Sein im Orden

„Ich glaube, gottgeweihte Ehelosigkeit ist nur dann möglich, wenn man das Frau-Sein auch wirklich bewusst lebt“. Wenn man wisse, wer man selber als Frau sei, könne man auch die Ehelosigkeit fruchtbar leben, so die 36-Jährige. Und Schwester M. Friedburga Druckenthaner vom Orden der Elisabethinen formuliert es so: „Wenn man sich in einem Krankenhaus für das Leben der Patienten einsetzt und für sie da ist, wird man irgendwie zu einer Mutter. Und so geschieht die Weitergabe des Lebens auf andere Weise.“

Ein entscheidender Stellenwert kommt in dem Buch den Fotos von Petra Rainer zu, die Einblicke in die Lebenswelten der Porträtierten bieten. Dazu kommen noch Bilder aus den privaten Fotoalben der Ordensfrauen, häufig Aufnahmen aus Kindheit und Jugend. „Ein bisserl fromm waren wir auch – Ordensfrauen erzählen“ bildet einerseits Gespräche ab, die behutsam auch sehr persönliche Bereiche nicht aussparen. Andererseits ist das Buch aber auch ein beeindruckendes zeitgeschichtliches Dokument.

Nina Goldmann, Brigitte Krautgartner, religion.ORF.at

Link: