Maria Theresia und das sakrale Österreich

Das Augustiner-Chorherrenstift Klosterneuburg widmet sich 2017 in seiner Jahresausstellung der kirchlichen Kultur der Epoche Maria Theresias und dem Verhältnis der Monarchin zu Kirche und Glauben.

Einen besonderen Schwerpunkt bildet in der Ausstellung die Textilkunst prachtvoll gestickter sakraler Gewänder, sogenannter Paramente. Im gesamten Bereich der Österreichisch-Ungarischen Monarchie haben sich sakrale Textilien erhalten, die auf Stiftungen Maria Theresias zurückgehen. Einige davon werden im Stift Klosterneuburg gezeigt, „sie zählen durchwegs zum Besten, was die barocke Textilkunst hervorgebracht hat“, wie ein Pressetext des Stifts verspricht.

Pfingstornat aus dem Kloster der Englischen Fräulein in St. Pölten (1740er Jahre)
Stift Klosterneuburg, Thomas Gorisek/Farbpraxis
Pfingstornat aus dem Kloster der Englischen Fräulein in St. Pölten (um 1740)

Neben den Beständen der stiftlichen Schatzkammer sind es vor allem die Paramentenbestände der Stiftspfarre Maria Hietzing in Wien, die den Schwerpunkt der Schau bilden. Die räumliche Nähe zum Schloss Schönbrunn, aber auch die Existenz des tief verehrten Mariengnadenbildes in dieser Kirche, habe ein besonderes Naheverhältnis entstehen lassen, das sich in wertvollen Stiftungen niederschlug.

Verhältnis Maria Theresias zur Kirche

Die Kaiserzimmer des Stiftes Klosterneuburg sind laut Stift Klosterneuburg das einzige innenarchitektonische Residenzensemble, das aus der Regierungszeit Kaiser Karls VI., des Vaters von Maria Theresia, nahezu unverändert erhalten geblieben ist. Diese Räume seien prädestiniert dafür, das Verhältnis Maria Theresias zur Kirche darzustellen, so das Stift.

Kaiserzimmer des Stiftes Klosterneuburg: die Speisetafel zur jährlichen Hofwallfahrt Maria Theresias
Stift Klosterneuburg, Thomas Gorisek/Farbpraxis
Kaiserzimmer des Stiftes Klosterneuburg: die Speisetafel zur jährlichen Hofwallfahrt Maria Theresias

Darüber hinaus verweise das Programm der nach dem plötzlichen Tod Karls teilweise fortgeführten Ausstattung des Kaisertraktes auch direkt auf die Person Maria Theresias, wie das Kuppelfresko des Marmorsaals von Daniel Gran oder der allegorische Skulpturenschmuck, der die Barockfassade bekrönt.

Ausstellungshinweis

Kirche, Kloster, Kaiserin - Maria Theresia und das sakrale Österreich. Stift Klosterneuburg, 3400 Klosterneuburg, Stiftsplatz 1, 4. März – 15. November 2017

Zu Lebzeiten Maria Theresias erreichte die kirchliche Repräsentation einen ihrer letzten großen Höhepunkte. Die jährlichen Hofwallfahrten ans Grab des heiligen Leopold, die gerade in der Zeit Karls VI. mit besonderem Aufwand gepflegt wurden und an denen Maria Theresia als junges Mädchen selbstverständlich teilnahm, können ihre Wirkung auf die junge Monarchin nicht verfehlt haben.

Zahlreiche Kunstwerke, die in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts für liturgische Zwecke geschaffen wurden, legen davon beredtes Zeugnis ab: Reliquiare, liturgische Gerätschaften, Paramente und mehr. Nicht zuletzt war Klosterneuburg das Landesheiligtum mit der Grabstätte des Landespatrons. Etliche Objekte der stiftlichen Schatzkammer haben direkten Bezug zur Person der Kaiserin. Die sogenannte Maria-Theresien-Kasel in der Schatzkammer des Stiftes zählt zu den typischen Erzeugnissen der Textilwerkstätten des Klosters der Englischen Fräulein in St. Pölten.

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