Schönborn: Vlk idealer Mann für Kirche nach Wende

„Kardinal Miloslav Vlk war der ideale Mann für den Beginn des kirchlichen Lebens nach der Wende in der damaligen Tschechoslowakei“, würdigte Kardinal Christoph Schönborn den am Samstag verstorbenen früheren tschechischen Primas.

„Österreich blieb er stets herzlich verbunden, und uns verband eine langjährige Freundschaft“, so Schönborn, der an den Begräbnisfeierlichkeiten für den im Alter von 84 Jahren gestorbenen früheren Prager Erzbischof am Samstag teilnehmen wird, im Interview mit Kathpress am Montag.

Langjähriges Verbot

Als erster Nachfolger des „großen Kardinal Tomasek“ habe Vlk die Kirche „aus den Katakomben in die wiedergewonnene Freiheit geführt und maßgeblich gestaltet“. Eine Rolle dabei gespielt habe das vom kommunistischen Regime verhängte langjährige Verbot für Vlk, als Priester zu wirken, erinnerte Schönborn, der selbst aus dem früheren Böhmen stammt.

Der Prager Erzbischof Kardinal Miloslav Vlk
APA/AP /Christof Stache
Der Prager Erzbischof Kardinal Miloslav Vlk

Er verwies darauf, dass sich Vlk bis 1989 mit Gelegenheitsarbeit und als Fensterputzer den Lebensunterhalt verdienen musste. „Unvergesslich ist mir ein Spaziergang mit ihm durch Prag, bei dem Vlk mir ausführlich die Geschichte der Untergrundkirche erzählt hat und die Gründe dargelegt hat, weshalb er diesen Weg nicht gegangen sei“, so Schönborn unter Verweis auf die in der Tschechoslowakei wegen der Kirchenverfolgung geheim geweihten Priester und Bischöfe.

Verbundenheit mit Fokolar-Bewegung

Nach der Wende habe Kardinal Vlk bald „europäische Bedeutung“ durch seinen langjährigen Vorsitz im Rat der Bischofskonferenzen Europas (CCEE) bekommen. Eine weltkirchliche Rolle habe der frühere Prager Erzbischof zudem durch seine Verbundenheit mit der Fokolar-Bewegung und die von ihm geförderten jährlichen internationalen Bischofstreffen dieser kirchlichen Bewegung gehabt.

Gleichzeitig sei sein Dienst durch manche Konflikte, etwa um die Prager Theologische Fakultät oder in der Frage der Restitution kirchlichen Eigentums und besonders bezüglich des Veitsdomes, belastet gewesen, so Schönborn, der sagte: "Unbeschadet dessen kann niemand bestreiten, mit welchem Mut, welcher Geradlinigkeit und welcher Glaubensfreude er seinen Dienst getan hat

Kardinäle aus Europa zu Begräbnis

Kardinal Vlk wird am Samstag, 25. März, 11.00 Uhr, im Prager Veitsdom eingesegnet und anschließend in der Erzbischöflichen Krypta des neuen Domteils beigesetzt. Das Requiem leitet Vlks Nachfolger, Kardinal Dominik Duka. Außer den Bischöfen aus der Tschechischen Republik werden auch Kardinäle und Bischöfe aus den Nachbarländern sowie ganz Europa erwartet, insbesondere aus der Bewegung der Fokolare, in der der Verstorbene eine bedeutende Rolle gespielt und die sich seiner in den letzten Lebenswochen besonders angenommen hat. Dies hat der Sprecher der Erzdiözese, Stanislav Zeman, am Sonntag mitgeteilt.

Am Montag soll mit der Präsidentschaftskanzlei abgeklärt werden, wo der Leichnam des böhmischen Primas zwei Tage lang aufgebahrt werden soll, damit die Bevölkerung von Miloslav Vlk Abschied nehmen kann.

Aufbahrung geplant

Infrage kommen sowohl das Erzbischöfliche Palais am Vorplatz der Prager Burg als auch der Veitsdom, um dessen Rückgabe an die Kirche sich Kardinal Vlk besonders eingesetzt hatte und der von seinem Nachfolger dem Staat überlassen wurde. In der Erzbischöflichen Gruft des erst im 20. Jahrhundert fertig gestellten hinteren Domteils ist zuletzt Vlks Vorgänger, Kardinal Frantisek Tomasek, beigesetzt worden, der 1992 im Alter von 93 Jahren verstorben war.

Antonin Randa, vormals Chefredakteur der landesweiten Kirchenzeitung „Katolicky tydenik“, Aktivist der Fokolarebewegung und enger Vertrauter Kardinal Vlks in dessen letzten Lebensjahren, hatte diesen zuletzt am vergangenen Montag besucht, danach habe der Sterbende keine Besuche mehr gewünscht.

Es sei ihm aber berichtet worden, so Randa gegenüber der Tageszeitung „Lidove noviny“, dass Vlk wenige Stunden vor seinem Tod die Worte „Der schönste König“ gesprochen habe. Auf die Frage der Ärztin, was er damit meine, habe er geflüstert: „Jesus am Kreuz“.

religion.ORF.at/KAP

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