Kindergarten-Studie von Ministerium „umgeschrieben“

Die viel beachtete Kindergartenstudie des Islamforschers Ednan Aslan dürfte vom Integrationsministerium bearbeitet bzw. „umgeschrieben“ worden sein, wie der „Falter“ in einer Vorabmeldung berichtet. Durch die Änderungen wird ein negativeres Bild gezeichnet.

Demnach nahmen Beamte des Ressorts von ÖVP-Chef Sebastian Kurz, das die Studie in Auftrag gegeben hatte, auch inhaltliche Korrekturen vor, die eine möglichst ungünstiges Bild in den Islam-Kindergärten darstellen sollten.

Dem „Falter“ liegt das Word-Dokument inklusive Korrektur-Modus vor. Daraus geht hervor, „dass zwei Beamte an sechs Tagen insgesamt mehr als 900 Änderungen eingegeben haben“. Weiters berichtet der „Falter“: „Die Änderungen betreffen nicht nur formale ‚Kleinigkeiten oder Redigaturen‘, wie das Ministerium ursprünglich versicherte, sondern auch schwere inhaltliche Eingriffe in die 36.000-Euro-Studie.“

Positive Passagen gelöscht

Demnach wurden etwa Passagen, wo die Qualifikation der Pädagogen gelobt wurde, gestrichen und umgedeutet. Ein weiteres Beispiel: Aslan schrieb, dass auch muslimische Eltern in den Kindergärten für ihre Kinder „Werte wie Respekt, Gelassenheit, Individualität des Kindes, Hygiene, Zufriedenheit der Kinder, Pünktlichkeit, Liebe, Wärme und Geborgenheit, Selbstständigkeit und Transparenz der Regeln“ suchten. Ein Beamter des Ministeriums formuliert stattdessen: „Besonders wichtig ist ihnen (den Eltern, Anm.), dass den Kindern islamische Werte vermittelt werden.“

Gummistiefel in einem Kindergarten
Reuters/Kai Pfaffenbach
Seit der Vorstudie sind islamische Kindergärten vermehrt Kritik ausgesetzt

Aslan zeigte sich zunächst gegenüber dem „Falter“ überrascht, dass auch inhaltlich in die Studie eingegriffen worden sei. Später erklärte er, dass jede inhaltliche Änderung mit ihm abgestimmt worden sei. Aslan: „Ich stehe hinter dem Bericht bis auf den letzten Punkt.“ Jene inhaltlichen Änderungen, die von Beamten des Außenministeriums vorgenommen worden seien, seien von ihm persönlich angeordnet worden: „Ich würde niemandem erlauben, mir für meine Arbeit Anweisungen zu geben“, sagte er im Gespräch mit der APA.

Aslan ortet Diffamierung

Die Vorwürfe, wonach die Studie vom Ministerium überarbeitet worden sei, stellen für Aslan eine „wissenschaftliche Diffamierung und persönliche Beleidigung“ dar. Man habe den Bericht ergänzen müssen, „um weitere Komplikationen zu vermeiden“. Was er damit genau meint, sagte Aslan im APA-Gespräch nicht. Der Wissenschaftler war im Zusammenhang mit der Studie in Kritik von muslimischen Organisationen geraten und soll auch Klagsdrohungen ausgesetzt gewesen sein.

Ein Sprecher von Außen- und Integrationsminister Kurz sagte, sein Chef habe von den Korrekturen nichts gewusst. Kurz nahm die 2016 veröffentlichte Vorstudie zum Anlass für heftige Kritik an islamischen Kindergärten. Erst kürzlich forderte Kurz, dass islamische Kindergärten in Wien geschlossen werden sollten.

Religionspädagoge Ednan Aslan
ORF
Religionspädagoge Ednan Aslan steht hinter dem Bericht

Politische Kontroverse

Die damals für Jugend bzw. Bildung zuständigen Stadträtinnen Sonja Wehsely und Sandra Frauenberger urgierten nach der Veröffentlichung der Vorstudie Fakten und übten Kritik an pauschalen Urteilen. Kurz sagte jedenfalls: „Es hat sich aus meiner Sicht dargestellt, dass es Probleme gibt.“ Die Gefahr, dass Parallelgesellschaften „herangezüchtet“ würden, bestehe - da Kinder religiös und ethnisch getrennt in Kindergruppen betreut würden.

Die Rathaus-Politikerinnen sagten, dass man gemeinsam gegen Radikalismus und Extremismus kämpfen wolle. Leider seien Kurz und Aslan die Namen von konkreten Kindergärten, die angeblich sofort geschlossen hätten werden sollen, schuldig geblieben, wurde beklagt.

Studie kommt im Herbst

Die Stadt Wien und das Integrationsministerium einigten sich darauf, das Thema der islamischen Kindergärten in einer Studie umfassend zu erörtern. Sie soll bis Herbst 2017 vorliegen und von insgesamt sechs Autoren - darunter auch Aslan - erarbeitet werden.

Außerdem erstellt die Stadt derzeit einen Religionsleitfaden für private Träger. Dieser soll - ergänzend zum Bildungsplan - konkrete Vorgaben machen, wie religiöse Inhalte adäquat zu vermitteln sind. Das Handbuch wird im Herbst präsentiert, kündigte Bildungsstadtrat Jürgen Czernohorzsky (SPÖ) zuletzt an. Nach dem „Falter“-Bericht sagte er am Dienstag gegenüber der APA: „Wenn das auch nur im Ansatz stimmt, bin ich ehrlich bestürzt.“

religion.ORF.at/APA

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