Scola geht: Bischofswechsel in Mailand

Papst Franziskus hat am Freitag den Mailänder Weihbischof und Generalvikar Mario Enrico Delpini (66) zum neuen Erzbischof der lombardischen Diözese ernannt. Gleichzeitig nahm er den altersbedingten Rücktritt von Kardinal Angelo Scola (75) an.

Scola hatte die mit fünf Millionen Katholiken größte Diözese Italiens und Europas sechs Jahre lang geleitet. Im Konklave von 2013 galt der international renommierte Theologe Scola als einer der Favoriten für das Papst-Amt. Damit geht einer der angesehensten Bischöfe Italiens in den Ruhestand, zumindest wird er keine Diözese mehr leiten.

Papst folgte interner Empfehlung

Delpini gilt als spiritueller Mensch mit bescheidenem Auftreten und als bildreicher Prediger. Eine interne Sondierung in der Erzdiözese Mailand hatte ihn als Favoriten bezeichnet; Papst Franziskus war dieser Empfehlung gefolgt. Anders als seine Vorgänger aus den letzten Jahrzehnten hat Delpini sein gesamtes Priesterleben in der Erzdiözese Mailand verbracht. Kardinal Scola, wie auch die bereits verstorbenen Kardinäle Carlo Maria Martini und Giovanni Battista Montini (der spätere Paul VI.) hatten zuvor als Bischöfe in kleineren Diözesen gewirkt.

Delpini wurde am 29. Juli 1951 in Gallarate geboren und 1975 zum Priester geweiht. Er studierte zunächst in Mailand und dann am Augustinianum in Rom. Dort erwarb er das Lizenziat in Theologie und ein Diplom in Patrologie. Anschließend lehrte er Griechisch und Kirchenväterkunde in Mailand und am lombardischen Diözesanseminar Venegono.

Dort war er von 2000 bis 2006 Rektor, bevor Kardinal Tettamanzi ihn 2007 zum Weihbischof für die Pastoralzone VI in Melegnagno bestimmte. Kardinal Scola machte ihn 2012 zum Generalvikar der riesigen Diözese und übertrug ihm auch die Zuständigkeit für die Weiterbildung des Klerus.

Scola: Wortführer der Konservativen

Zur vermeintlichen Papst-Wahl hatte die Italienische Bischofskonferenz im März 2013 Scola versehentlich gratuliert. Der renommierte Theologe gilt als Wortführer des konservativen Flügels. Mit Mailand stand er seit 2011 nicht nur der nach Rom prestigeträchtigsten Diözese des Landes vor, sondern zugleich einem der größten der Welt: Rund fünf Millionen Gläubige hatte Scola zu betreuen. Auch im Vatikan hat sein Wort Gewicht. Der italienische Kardinal gehörte (laut Päpstlichem Jahrbuch 2016) insgesamt acht Dikasterien an, so vielen wie wenige andere Kardinäle.

Der Mailänder Erzbischof Angelo Scola
APA/AFP/GabrielL Bouys
Der emeritierte Mailänder Erzbischof Angelo Scola

Ganz abwegig war es nicht, dass die Bischofskonferenz am Abend des 13. März 2013 ein offenbar vorformuliertes Glückwunschtelegramm an Scola veröffentlichte. Immerhin war der Mailänder Kardinal vor dem Konklave als einer der Favoriten für die Nachfolge von Benedikt XVI. gehandelt worden.

Von Ratzinger geschätzt

Vom emeritierten Papst wird Scola sehr geschätzt. Beide kennen sich seit Anfang der 1970er Jahre. Damals arbeiteten sie zusammen für die theologische Fachzeitschrift „Communio“, die der damalige Joseph Ratzinger mitbegründete. Manche Beobachter erklären damit auch den ungewöhnlichen Umstand, dass Scola, obwohl er bereits seit 2002 Patriarch von Venedig war, 2011 nach Mailand berufen wurde.

Bis zu seiner Ernennung zum Patriarchen der Lagunenstadt wirkte Scola als Rektor der Päpstlichen Lateran-Universität in Rom. Erste Erfahrungen mit der Leitung einer Diözese sammelte er von 1991 bis 1995 als Bischof von Grosseto in der Toskana.

Moraltheologie und Anthropologie

Zunächst schlug der am 7. November 1941 in Malgrate am Comer See geborene Scola allerdings eine wissenschaftliche Laufbahn ein. Theologische und philosophische Studien in Mailand und im schweizerischen Freiburg schloss er mit dem Doktortitel in beiden Fächern ab. In Freiburg wirkte er als Assistent und Dozent im Fach Moraltheologie. 1982 wurde er zum Professor für Anthropologie am Päpstlichen Institut Johannes Paul II. für Studien zu Ehe und Familie ernannt.

Im Pontifikat von Papst Franziskus ist es merklich stiller um Scola geworden. Die vom Papst neu ernannten Kardinäle und Bischöfe bisher randständiger Diözesen führten nun in der Italienischen Bischofskonferenz verstärkt das Wort. Hartnäckig hielten sich in italienischen Medien zudem Spekulationen, um das Verhältnis zwischen Franziskus und Scola sei es nicht zum Besten bestellt. Belastbare Indizien gab es für diese These indessen nicht.

religion.ORF.at/KAP

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