D: Jahrzehntelang Missbrauch in katholischem Internat

In einem katholischen Internat in der deutschen Eifel haben kirchliche Mitarbeiter über Jahrzehnte Buben gequält und missbraucht. Zu diesem Ergebnis kommt ein wissenschaftlicher Bericht im Auftrag des Erzbistums Köln, der am Mittwoch vorgestellt wurde.

Demnach gab es am Collegium Josephinum in Bad Münstereifel bis in die 1970er Jahre hinein Gewalt und ein „System des Machtmissbrauchs“. Der Kölner Erzbischof Kardinal Rainer Maria Woelki sagte, die Ergebnisse der Studie seien schockierend und erfüllten ihn mit großer Trauer.

Kardinal: „Systemisches Versagen“

Woelki bat die Opfer erneut um Vergebung. „Solche Verbrechen dürfen in unseren Einrichtungen nie wieder begangen werden“, sagte er. „Der Bericht zeigt, dass systemisches Versagen großes individuelles Leid bewirkt hat. Mangelnde Ausbildung und fehlende Kompetenz haben zu einer Situation des Wegsehens geführt, in der Kinder schutzlos Gewalt und Missbrauch ausgeliefert waren.“

Der Kölner Erzbischof Kardinal Rainer Maria Woekli predigt im Kölner Dom
Reuters/Oliver Berg
Der Kölner Erzbischof Kardinal Rainer Maria Woelki bat die Opfer um Verzeihung

Das Erzbistum hatte die Studie 2015 auf Initiative von früheren Gewaltopfern in Auftrag gegeben. „Es ist kein Bericht über Betroffene, sondern ein Bericht von den Betroffenen“, betonte Autorin Claudia Bundschuh. Wie viele Buben in dem 1997 geschlossenen Konvikt tatsächlich Opfer von Missbrauch und Gewalt wurden, lasse sich nicht ermitteln. In die Untersuchung seien die Angaben von rund 100 Ehemaligen eingeflossen - darunter auch Schüler, die keinerlei Gewalterlebnisse hatten.

Personalrechtliche Konsequenzen

Als Folge der Studie seien bereits gegen zwei beschuldigte Priester personalrechtliche Konsequenzen gezogen worden, berichtete der Interventionsbeauftragte des Erzbistums, Oliver Vogt. Beide dürften nicht mehr in der Öffentlichkeit Gottesdienste zelebrieren, einer von ihnen sei in den einstweiligen Ruhestand versetzt worden. Über das weitere Vorgehen entscheide die Glaubenskongregation des Vatikan. Zivilrechtlich seien die Taten verjährt.

Um ähnliche Taten zu verhindern, soll unter anderem die Priesterausbildung verändert werden: Ein Fokus müsse künftig auch „auf der sittlich moralischen Reife“ der Kandidaten liegen, sagte Woelki. An den Erzbischöflichen Schulen seien schon vor längerer Zeit Maßnahmen ergriffen worden, um für das Thema zu sensibilisieren und „eine Kultur des Wegsehens“ zu vermeiden.

Die Untersuchung ist unter den Ex-Schülern umstritten. Einige von ihnen sehen das Internat und seine Mitarbeiter zu Unrecht am Pranger. Nach Drohanrufen vor der Abschlusspräsentation hatte das Erzbistum eine für Mittwoch geplante öffentliche Informationsveranstaltung abgesagt.

religion.ORF.at/dpa

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