IKG-Wahl: Herausforderer für Präsident Deutsch

Die Israelitische Kultusgemeinde Wien (IKG) wählt dieser Tage einen neuen Vorstand. Dem amtierenden Präsidenten Oskar Deutsch mangelt es nicht an Herausforderern.

Sechs Gruppierungen wollen neben seiner, Atid, in den Vorstand einziehen. Darunter der amtierende Vizepräsident Chanan Babacsayv von den Bucharischen Juden (VBJ) und die vom nunmehrigen ÖVP-Mandatar Martin Engelberg gegründete Liste Chaj. Gewählt wird am 19. November. Alle fünf Jahre wählt die IKG, welche Fraktionen im 24-köpfigen Kultusvorstand vertreten sein sollen.

Bisherige Koalition gespalten

Ein Anliegen verbindet alle bei der IKG-Wahl antretenden Fraktionen: Die „Einheitsgemeinde“. Sowohl Deutschs Atid als auch die anderen Listen - ob liberal oder orthodox - wollen mit einer gemeinsamen Stimme nach außen sprechen. So einheitlich hat sich die IKG in den vergangenen Monaten jedoch nicht gezeigt. Vor allem ein Streit über Statutenänderungen spaltete die bisherige Koalition zwischen Atid und den Bucharen.

Oskar Deutsch (l.), Präsident der Israelitischen Kultusgemeinde (IKG), und Vizepräsident Chanan Babacsayv
APA/Herbert Neubauer
IKG-Präsident Oskar Deutsch (li.) und Vizepräsident Chanan Babacsayv

Seit 1985 gibt es die Fraktion der bucharischen Juden. Als „traditionsbewusst, offenherzig, gastfreundlich und sehr an Integration interessiert“ beschreibt Babacsayv seine Gruppierung - „assimilieren“ will er sich hingegen nicht: „Wir sehen uns in erster Linie als Juden und Teil der österreichischen Gesellschaft.“ Darum gilt der Kampf auch der Abwanderung aus Österreich. Aber auch die Zuwanderung sei existenziell für den Erhalt der Gemeinde.

Jüdisches Leben „leistbar“ machen

Großes Ziel der Bucharen ist laut Babacsayv auch jüdisches Leben „leistbar“ zu machen. Es müsse vehement in jüdisches Leben investiert werden, etwa in Bildung aber auch Infrastruktur wie koschere Supermärkte. Zudem habe die Kultusgemeinde viele Immobilien, die mit Leben erfüllt gehörten, lautet ein weiteres Ziel der VBJ. Das alles gelte selbstverständlich nicht nur für seine Gruppierung: „Wir haben kein Problem, mit anderen zu sprechen.“

Weniger traditionell sieht seine Rolle Thomas Stern von der Liste „Chaj - Jüdisches Leben“. Sie errang 2012 drei Mandate im 24-köpfigen Kultusvorstand. Gegründet wurde sie von Engelberg, der sein Engagement nach dem Einzug in den Nationalrat zurücknahm. Sein Mandat hat Stern übernommen, Listenerste ist Dina Margules-Rappaport. Demokratie und Professionalisierung will Stern in der Kultusgemeinde forcieren. „Wir treten an, um zu verändern“, so Stern.

Chaj vermisst Transparenz

„Transparenz ist etwas, das wir völlig vermissen“, spart Stern auch nicht mit Kritik am amtierenden Präsidenten Deutsch. So sei man als neue Liste niemals in Entscheidungen eingebunden worden, „es hat eine einzige Oppositionspartei gegeben, das waren wir“. Auch die Außendarstellung der Kultusgemeinde würde Stern gerne ändern - etwa was die Kommunikation von Entscheidungen betrifft. Das derzeitige „präsidentielle System“ solle einer offenen Gemeinde Platz machen.

Für Stern ist die IKG-Wahl am 19. November daher eine „Richtungsentscheidung“. Wobei auch er alle Strömungen im Judentum ansprechen will. Eine Nähe zur ÖVP - aufgrund Engelbergs Kandidatur für die Partei - sieht er übrigens nicht: „Wir haben politisch ein unglaublich breites Spektrum: von liberal bis sehr weit links.“

religion.ORF.at/APA

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