„Dubia“: Kardinal Burke fordert Antwort vom Papst

Ein Jahr nachdem vier Kardinäle ihre Zweifel am Lehrschreiben des Papstes zu Ehe und Familie, „Amoris laetitia“, veröffentlicht haben, meldet sich einer der Verfasser der „Dubia“-Anfrage, Kardinal Raymond Leo Burke, erneut zu Wort.

Er wende sich noch einmal an Papst Franziskus, damit dieser „mit einer klaren Aussage die kirchliche Moral- und Sakramentenlehre bekräftigt“, sagte Burke am Dienstag in einem Interview mit der US-amerikanischen Wochenzeitung National Catholic Register.

Burke beklagt „Unsicherheit“

Noch immer habe Franziskus ihre Fragen nicht beantwortet, so Burke. Unter Gläubigen, Seelsorgern und sogar Bischöfen herrsche nach wie vor Unsicherheit; es gebe unterschiedliche Interpretationen des Schreibens.

Der erläuternde Brief des Papstes an argentinische Bischöfe zu deren Auslegung des Schreibens ist nach Burkes Ansicht keine hinreichende Antwort. Erstens sei er vor den „Dubia“ geschrieben und zweitens sei er auch nicht als päpstliche Aussage an die ganze Kirche gedacht gewesen.

Kardinal Raymond Leo Burke im Vatikan
APA/AFP/Johannes Eisele
Kardinal Raymond Leo Burke im Vatikan

Auf etliche andere Erläuterungen des Papstes sowie weiterer Bischöfe und Theologen, wie „Amoris laetitia“ als Ganzes zu verstehen sei, geht Burke nicht ein. Er wird in dem Interview aber auch nicht danach gefragt.

Erläuterungen in Videobotschaft

Zuletzt hatte Franziskus am Samstag in einer Videobotschaft an die Pastoralkommission der italienischen Bischöfe erläutert, wie Ehepaare und Seelsorger in sorgfältiger Gewissensabwägung mit schwierigen Lebenssituationen - etwa Trennung und Scheidung - umgehen sollten.

Der US-amerikanische Kurienkardinal Burke ist neben dem deutschen Kardinal Walter Brandmüller und den inzwischen gestorbenen Kardinälen Joachim Meisner und Carlo Caffarra Autor der sogenannten „Dubia“. Darin bezweifeln die Kardinäle, dass einige Aussagen des Papstes im nachsynodalen Lehrschreiben „Amoris laetitia“ zu Ehe und Familie vom April 2016 mit der katholischen Lehre übereinstimmen.

Insbesondere geht es um die in einer Fußnote angedeutete Möglichkeit, dass Paare, die nach einer Scheidung wieder geheiratet haben, nach sorgfältiger Gewissensprüfung und Begleitung durch einen Seelsorger zur Beichte und wieder zur Kommunion gehen können.

Kardinal Sarah kommt Papst-Bitte nicht nach

In einer von ihm angestoßenen theologischen Debatte ist indes Kurienkardinal Robert Sarah einer Aufforderung von Papst Franziskus zu einem Dementi bisher nicht nachgekommen. Dabei geht es um die Frage, wer das letzte Wort bei liturgischen Übersetzungen in die jeweilige Landessprache hat.

Kardinal Robert Sarah
APA/AFP/Alberto Pizzoli
Kardinal Robert Sarah

Nach Recherchen der deutschen katholischen Nachrichtenagentur KNA ging Sarah bis Dienstag offenbar nicht auf eine Bitte des Papstes ein, seine Entgegnung auf Ausführungen des Kardinals im Internet öffentlich zu machen. Der aus Guinea stammende Kardinal leitet die Gottesdienstkongregation im Vatikan.

Franziskus hatte in seinem Erlass „Magnum Principium“ den Kanon 838 des Kirchenrechts präzisiert. Für die Übersetzung liturgischer Texte sind demnach vor allem die nationalen Bischofskonferenzen zuständig. Sie sollen diese nur noch durch Rom bestätigen lassen. Dort, so ein Anliegen der Änderung, sollen keine Alternativübersetzungen mehr verfasst werden.

Letztentscheidung bei Gottesdienstkongregation

Sarah dagegen sieht die letzte Entscheidung nach wie vor bei der Gottesdienstkongregation. Das zumindest geht aus einem Beitrag hervor, den Sarah im französischen Internetportal L’Homme Nouveau veröffentlichen ließ. Mehrere andere Portale übernahmen diesen Text oder zitierten auszugsweise daraus.

Franziskus wandte sich daraufhin in einem Schreiben an den Kardinal, in dem er die Autorschaft Sarahs zwar anzweifelte, zugleich aber diesen aufforderte, die Verbreitung „dieser, meiner Antwort“ auf den entsprechenden Internetseiten zu veranlassen „sowie diese ebenso sämtlichen Bischofskonferenzen und Mitgliedern und Beratern Ihres Dikasteriums zukommen zu lassen“.

Wie L’Homme-Nouveau-Chefredakteur Philippe Maxence auf Anfrage bestätigte, stammt der Text von Sarah selbst. Bisher habe der Kardinal auch kein Dementi abgegeben. Auch sei bei der Redaktion keine Bitte eingegangen, eine Entgegnung des Papstes zu veröffentlichen. „Wenn ich etwas Derartiges erhalten hätten, dann hätte ich es auch publiziert“, so Maxence. Die Gottesdienstkongregation äußerte sich bisher nicht.

religion.ORF.at/KAP/KNA

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