Mit dem ersten Advent beginnt das neue Kirchenjahr

Am Sonntag entzünden viele die erste Kerze am Adventkranz. Für die katholische und die evangelische Kirche beginnt mit diesem ersten Adventsonntag nicht nur ein neues Kirchenjahr, sondern auch der Weihnachtsfestkreis.

Die Adventzeit ist im christlichen Verständnis die Vorbereitung auf Weihnachten. Das Wort leitet sich aus dem Lateinischen „adventus“ ab und bedeutet „Ankunft“. Man verbindet damit die Erinnerung an das Kommen Jesu in der Geburt von Betlehem und das Erwarten seiner Wiederkunft. Die Adventzeit ist seit dem 5. Jahrhundert bekannt. Ihre Dauer hat sich im Laufe der Geschichte gewandelt. Zu Beginn wurde in Jerusalem nur ein Adventsonntag gefeiert. Papst Gregor der Große legte schließlich im 7. Jahrhundert die Zahl auf vier fest.

Ein Adventkranz
APA/Barbara Gindl
Adventkränze schmücken in der Vorweihnachtszeit viele Haushalte

Vier Adventsonntage festgelegt

Der Weihnachtsfestekreis erstreckt sich bis zum Sonntag nach dem Fest der Erscheinung des Herrn (Dreikönigsfest) im Gedenken an die Taufe Jesu durch Johannes den Täufer.

Vom 11. Jahrhundert an gewann die Adventliturgie auch außerhalb Roms an Bedeutung. Die sich über vier Sonntage erstreckende Vorweihnachtszeit wurde 1570 durch Pius V. allgemein verbindlich und hat auch heute noch Gültigkeit. Einzige Ausnahme ist die Erzdiözese Mailand, in der sechs Adventsonntage gefeiert werden.

Adventkalender zwischen Religion und Kommerz

Eines der Zeichen ist der Adventkalender, der von einem gewissen Gerhard Lang „erfunden“ worden sein soll. Die heutige Version hatte verschiedene Vorformen. Ursprünglich war er eine religiöse Hinführung zum Weihnachtsfest.

Ein Kind berührt ein Adventkalender-Sackerl
Getty/Elva Etienne
Adventkalender sind vor allem, aber nicht nur, bei Kindern beliebt und machen das Zählen der Tage bis Weihnachten einfacher

Hinter jedem geöffneten Fenster sollte - wenn der Adventkalender seinen Namen zu Recht trägt - ein vorweihnachtlicher Gedanke, eine Anregung zum sorgfältigen Umgang miteinander oder auch ein Hinweis auf Heiligenfeste im Advent stehen. Die religiöse Botschaft ist jedoch mehr und mehr in den Hintergrund getreten - die Industrie hat aus ihm einen Dezemberkalender gemacht, der die Tage bis zum 24. mit Schokolade, Marzipan oder Spielzeug versüßt.

Evangelischer Adventkranz

Im Mittelpunkt steht aber sicher der Adventkranz, der in der Regel aus Reisig ist und mit vier Kerzen verziert wird. Jeden Sonntag wird eine davon entzündet. Der Adventkranz ist ein Brauch, der auf den evangelisch-lutherischen Theologen und Begründer der Diakonie, Johann Hinrich Wichern zurückgeht. 1839 erfand Wichern den Kerzenkranz, um den Straßenkindern, um die er sich kümmerte, die Wartezeit auf Weihnachten zu verdeutlichen. Ursprünglich hatte Wichern 24 Kerzen für den 1. bis 24. Dezember auf einem alten Wagenrad angebracht und jeden Tag eine mehr angezündet.

Adventkranz Wichern
Diakonie Österreich
Ursprünglich hatte der Adventkranz 24 Kerzen für jeden Tag bis Weihnachten

Später wurden die Kerzen auf die vier Adventsonntage beschränkt, ab den 1860er Jahren wurden Kränze aus Reisig angefertigt. Von Norddeutschland verbreitete sich der Kranz rasch im deutschen Sprachraum und 1925 wurde erstmals ein Adventkranz in einer katholischen Kirche aufgehängt. Die vier Kerzen sind ein Hinweis auf das Licht, das zu Weihnachten durch die Geburt Jesu der Welt geschenkt wird.

Die Kreisform des Adventkranzes kann als Symbol des Erdkreises, der Ewigkeit und als Symbol Gottes verstanden werden. Die Segnung der Adventkränze findet am Samstag bei der Vorabendmesse oder am ersten Adventsonntag in den Kirchen statt.

religion.ORF.at/APA

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