Papst bei Suu Kyi: Jede Volksgruppe achten

Bei seinem Besuch in Myanmar ist Papst Franziskus am Dienstag mit De-facto-Regierungschefin Aung San Suu Kyi zusammengetroffen. Er rief das Land zu Gerechtigkeit und Achtung der Menschenrechte und „jeder Volksgruppe“ auf.

Beobachter nehmen an, dass es bei dem 45-minütigen Gespräch im Internationalen Convention Center in der Hauptstadt Naypyidaw um die Flüchtlingskrise und die muslimische Rohingya-Minderheit ging. Danach sagte das Oberhaupt der römisch-katholischen Kirche in einer Rede, eine friedliche Zukunft des Landes müsse auf dem Respekt vor den Menschenrechten aufgebaut werden.

Verpflichtung zu Menschenrechten

Das Land habe eine „Verpflichtung, diese Grundprinzipien zu wahren“, sagte der Papst bei dem Treffen mit der Friedensnobelpreisträgerin Suu Kyi. Er sprach nicht direkt von der Krise um die verfolgte muslimische Minderheit der Rohingya, sagte jedoch, es dürfe niemand ausgeschlossen werden, wenn es um die Menschenwürde ginge.

Papst Franziskus und Aung San Suu Kyi
APA/AFP/Max Rossi
Papst Franziskus und Myanmars De-facto-Regierungschefin Aung San Suu Kyi

Hunderttausende Rohingya flüchteten aus Angst vor brutaler Verfolgung durch das Militär aus Myanmar nach Bangladesch. Die UNO spricht von „ethnischer Säuberung“. Suu Kyi steht international in der Kritik, weil sie sich nicht gegen die Gewalt einsetze.

„Zukunft Myanmars muss Friede sein“

„Tatsächlich kann der mühevolle Prozess des Friedensaufbaus und der nationalen Versöhnung nur durch den Einsatz für die Gerechtigkeit und die Achtung der Menschenrechte vorwärtskommen“, sagte der Papst. „Die Zukunft Myanmars muss der Friede sein - ein Friede, der sich auf die Achtung der Würde und der Rechte eines jeden Mitglieds der Gesellschaft gründet, auf die Achtung jeder ethnischen Gruppe und ihrer Identität, auf die Achtung des Rechtsstaates und einer demokratischen Ordnung, die es dem Einzelnen und jeder Gruppe - niemand ausgeschlossen - erlaubt, seinen legitimen Beitrag zum Gemeinwohl zu leisten.“

Suu Kyi zitierte Jesus

Die Seligpreisungen Jesu seien bis heute „Programm und Herausforderung für politische und religiöse Anführer ebenso wie für Verantwortliche in Wirtschaft und Medien“, sagte die De-facto-Regierungschefin in ihrer Rede bei der Veranstaltung mit Vertretern der Zivilgesellschaft und Diplomaten in dem Konferenzzentrum.

Suu Kyi sprach weiter über die „Herausforderungen, vor denen unsere Regierung steht“. „Die Lage in Rakhine hat die Aufmerksamkeit der Welt am meisten auf sich gezogen.“ Die Unterstützung von „unseren guten Freunden“ sei „unschätzbar“ wichtig für das Land beim Aufbau des Friedens. Ihre Regierung bemühe sich darum, die Rechte „aller“ Menschen in Myanmar zu schützen. Ihr Ziel sei auch, zur Schaffung von Frieden Toleranz zu fördern und Sicherheit „für alle“ zu gewährleisten. Auch Suu Kyi nannte die Rohingya nicht beim Namen.

Heikle Reise wegen Rohingya-Krise

Franziskus war am Montag als erstes Oberhaupt der katholischen Kirche zu einem Besuch in Myanmar eingetroffen. Am Dienstag war er zunächst im Präsidentenpalast von Präsident Htin Kyaw empfangen worden, einem engen Vertrauten Suu Kyis. Die Reise gilt wegen Rohingya-Krise als heikel. Franziskus hatte sich in den vergangenen Monaten mehrmals besorgt über die Verfolgung der Rohingya geäußert.

Am Montagabend traf er in der ehemaligen Hauptstadt Yangon (Rangun) bereits den mächtigen Armeechef Min Aung Hlaing, der für das brutale Vorgehen der Sicherheitskräfte gegen die Rohingya verantwortlich gemacht wird. Der General wies bei dem Treffen alle Berichte über deren Diskriminierung zurück. Von Rangun aus fliegt Franziskus am Donnerstag zu einem dreitägigen Besuch nach Bangladesch weiter.

UNO spricht von „ethnischen Säuberungen“

Die muslimischen Rohingya werden im mehrheitlich buddhistischen Myanmar seit Jahrzehnten systematisch unterdrückt, ihnen wird kein Minderheitenstatus eingeräumt. Ende August war der Konflikt eskaliert, als Rohingya-Rebellen Soldaten und Polizisten angriffen und Dutzende Sicherheitskräfte töteten. Das Militär reagierte mit brutaler Gegengewalt. Seither wurden durch das Militär Hunderte Rohingya getötet, rund 620.000 Rohingya flüchteten ins verarmte Nachbarland Bangladesch. Die UNO und Menschenrechtsorganisationen sprechen von „ethnischen Säuberungen“.

Treffen mit Religionsvertretern

Papst Franziskus ist am Dienstag in Myanmar auch mit Vertretern anderer Religionen zusammengekommen. An dem Treffen nahmen neben Vertretern der buddhistischen Bevölkerungsmehrheit auch Muslime, Juden und Hindus teil.

Papst Franziskus mit Religionsvertretern in Myanmar
APA/AFP/Max Rossi
Der Papst traf auch Vertreter anderer Religionen

Bei dem 40-minütigen Gespräch in der Residenz des katholischen Erzbischofs, Kardinal Charles Maung Bo, sei es vor allem um die Einheit in Verschiedenheit gegangen, teilte Vatikan-Sprecher Greg Burke im Anschluss mit. Als Geschwister wolle man am gemeinsamen Aufbau des Landes mitarbeiten. Meinungsverschiedenheiten sollten in brüderlicher Weise ausgetragen werden. Nur so könne man das Land in Frieden aufbauen.

religion.ORF.at/KAP/APA/AFP/dpa

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