Schönborn und Keszler gedenken Aids-Verstorbener

Kardinal Christoph Schönborn und Life-Ball-Organisator Gery Keszler haben Freitagnacht gemeinsam gegen Stigmatisierung von Menschen mit HIV/Aids aufgerufen. Bei einem Gedenkgottesdienst wurde der 36 Millionen Menschen gedacht, die an Aids verstorben sind.

„Gott wolle die Menschen nicht richten, sondern retten“, sagte Kardinal Christoph Schönborn bei einem konfessionsübergreifenden Gedenkgottesdienst aus Anlass des Welt-Aids-Tages. „Was heißt das für uns? Nicht zu urteilen, nicht auszugrenzen, nicht andere ausrichten.“ Sich danach zu halten, könne die Gesellschaft nachhaltig verändern, so der Wiener Erzbischof. Zu der erstmals ausgerichteten Veranstaltung hatten die Erzdiözese Wien und der Verein „Life+“ von Life-Ball-Organisator Gery Keszler eingeladen.

Kardinal Christoph Schönborn und Live Ball Organisator Gery Keszler bei AIDS-Gedenkgottesdienst im Wiener Stephansdom.
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Kardinal Christoph Schönborn und Live-Ball-Organisator Gery Keszler haben gemeinsam zum Gottesdienst eingeladen und im Anschluss an das Mozart Requiem Gospel gesungen

HIV/Aids habe in ärmeren Ländern seinen Schrecken bis heute nicht verloren, erinnerte der Kardinal. „Immer noch sterben Menschen an Aids, weil man nicht bereit ist das zu ermöglichen, was Gott sei Dank bei uns inzwischen möglich ist an medizinischer Betreuung.“ Sehr lebhaft erinnere er sich zurück an eine Reise nach Sambia, wo allein im Jahr seines Besuchs 1.000 Lehrer an Aids gestorben waren. In einem Armenviertel des ostafrikanischen Landes sei er einer an der Krankheit sterbenden, von ihren Kindern umringten Mutter begegnet, und ein Foto von Vollwaisen aufgrund von Aids stehe bis heute auf seinem Schreibtisch. Schönborn würdigte sich zugleich an alle, die sich den Erkrankten und ihren Familien annehmen.

Kardinal Christoph Schönborn und Live Ball Organisator Gery Keszler bei AIDS-Gedenkgottesdienst im Wiener Stephansdom.
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Chonchita Wurst im Fürbittgebet: „Hilf uns, jede Ausgrenzung und Diskriminierung zu durchbrechen.“

36 Millionen Menschen weltweit an Aids verstorben

Beim Gedenkgottesdienst wurde der rund 36 Millionen Menschen gedacht, die bisher weltweit an Aids verstorben sind, insbesondere auch der Opfer der Krankheit in Österreich. Gott sei ein „Gott des Lebens“, formulierte Schönborn in einem Gebet. „Bei dir gibt es keine Toten. Keiner ist vergessen, keiner ist abgeschrieben. Alle dürfen bei dir einmal Heimat finden.“ Wenn man der an HIV/Aids Verstorbenen gedenke, so gebe der Glaube das Bewusstsein, „dass sie nicht für immer verloren sind“. Die Vorausgegangenen und die noch Lebenden seien „gemeinsam auf dem Weg“.

In Europa sei Aids dank großartiger Leistungen der Medizin zwar nicht mehr eine unausweichliche Todkrankheit, doch „trotzdem ist der Tod gewiss“, betonte der Kardinal. Vor Gott sei der Mensch bei seinem Tod letztendlich „nackt“ und könne sich nicht aus der Verantwortung für Misslungenes, Vernachlässigtes oder Wunden herausstehlen. Trotz dieses „Wechselbads der Gefühle“ gehe es am dennoch nicht um Leistungen, Erfolge oder Misserfolge, sondern einzig darum, dass Jesus zu retten und nicht zu richten gekommen sei. Ebenso sollten sich auch die Menschen untereinander verhalten, betonte Schönborn.

Keszler: „Brücken bauen“

Gery Keszler erinnerte in seiner Ansprache an die Erinnerung von Aidslife vor genau 25 Jahren sowie an die Eröffnung des Wiener Aidshilfehauses vor 20 Jahren. Manche Wegbegleiter seien bereits verstorben, so der Lifeball-Initiator. Er rief dazu auf, über weltanschauliche, religiöse oder gesellschaftliche Grenzen hinweg Brücken zu bauen.

Kardinal Christoph Schönborn und Live Ball Organisator Gery Keszler bei AIDS-Gedenkgottesdienst im Wiener Stephansdom.
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In den Wiener Stephansdom waren unter anderem Nationalratspräsidentin Elisabeth Köstinger, die frühere Gesundheitsministerin Pamela Rendi-Wagner, Vertreter der Wiener Stadtpolitik, sowie der Wiener Aids-Seelsorger P. Clemens Kriz gekommen

„Es gibt eine schwierige Tradition zwischen dem Thema HIV/Aids und der Kirche, weil es natürlich Themen berührt wie Sexualität, Lust und auch gleichgeschlechtliche Sexualität“, hatte sich Keszler noch vor dem Gottesdienst geäußert. Nichtsdestotrotz seien viele katholische Schwestern und Missionare die ersten gewesen, die wirklich greifbare Initiativen durchgesetzt hätte, um den Menschen Mitte der 1980er Jahre in den ärmsten Ländern im Kampf gegen die Krankheit zu helfen. Er sei sehr glücklich, dass es mit Christoph Schönborn in Österreich einen Kardinal gebe, der sich im Sinne der Nächstenliebe sehr um Aids-Kranke sorge und auf Menschen, denen es schlecht gehe, ohne Vorurteile zugehe.

Mozart und Fackelzug

Bei dem Gottesdienst im Stephansdom ließ das Wiener Kammerorchester und der Philharmonia Chor Wien Mozarts Requiem unter der Leitung der Dirigentin Keri-Lynn Wilson erklingen. Interpretiert wurde es von Tenor Levy Strauss Sekgapane, der Sopranistin Julia Novikova, der Mezzosopranistin Elena Maximova und dem Bassbariton Andrea Mastroni. Bei dem Gottesdienst wurde um Spenden zugunsten der Aids-Hilfe gebeten. Von der Kirchendecke herab hingen bunte Transparente, die an einzelne Namen der Opfer der Epidemie erinnerten.

Vor dem Gottesdienst fand ein Fackelzug vom Westbahnhof über die Mariahilfer Straße zum Stephansdom statt. Eurovision-Star Conchita Wurst (Thomas Neuwirth) nahm an der ökumenischen Gedenkfeier teil und trug ein Fürbittgebet vor. Anwesend waren zudem u.a. auch Nationalratspräsidentin Elisabeth Köstinger, die frühere Gesundheitsministerin Pamela Rendi-Wagner, Vertreter der Wiener Stadtpolitik sowie der Wiener Aids-Seelsorger P. Clemens Kriz.

Kardinal Christoph Schönborn und Live Ball Organisator Gery Keszler bei AIDS-Gedenkgottesdienst im Wiener Stephansdom.
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Sogenannte Memorial Quilts erinnern an die Verstorbenen und wurden von den Familien, Freunden und Bekannten im Andenken an die Verstorbenen genäht und im Stephansdom aufgehängt

HIV/Aids ist nach wie vor ein großes globales Problem der öffentlichen Gesundheit. Jüngste Statistiken zeigen, dass weltweit schätzungsweise 37 Millionen Menschen mit HIV leben, darunter 1,8 Millionen Kinder.

Die katholische Kirche widmet sich seit dem Ausbruch der Pandemie in den 1980er-Jahren intensiv mit den Betroffenen. Kirchliche Aids-Projekte erreichen weltweit rund 25 Prozent aller HIV-Infizierten.

religion.ORF.at/KAP

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