Papst zog Bilanz seiner Asien-Reise

Papst Franziskus hat beim Angelus-Gebet am Sonntag für seine Reise nach Myanmar und Bangladesch gedankt. Dass er das Wort „Rohingya“ erst in Bangladesch und nicht schon in Myanmar aussprach, begründete er mit notwendiger Diplomatie.

Er sei „dem Herrn sehr dankbar, dass er all diese Völker“ habe treffen können, sagte er beim Gebet zum ersten Adventsonntag auf dem Petersplatz in Rom. Es sei ein Geschenk gewesen, die vielen Menschen und die katholischen Gemeinschaften in den beiden Ländern zu treffen, sagte der Papst den auf dem Platz versammelten Pilgern.

Papst Franziskus beim Angelus-Gebet zum ersten Adventsonntag
APA/AP/Alessandra Tarantino
Papst Franziskus beim Angelus-Gebet zum ersten Adventsonntag

In seiner Erinnerung seien die Gesichter der Menschen geprägt, die er getroffen habe. „Es sind vom Leben gezeichnete, doch noble und lächelnde Gesichter“, sagte Franziskus. Er bat auch um Gebete für Honduras, das nach den gewaltsamen Protesten gegen das mutmaßliche Ergebnis der Präsidentschaftswahl eine schwierige Zeit erlebe.

Wort „Rohingya“ vermieden

Seinen zurückhaltenden Umgang mit der Krise um die Rohingya-Flüchtlige aus Myanmar während seiner Asienreise verteidigte das Oberhaupt der katholischen Kirche. „Papst verteidigt seine Strategie, den Begriff Rohingya zu vermeiden“, formulierte das Kathpress zufolge der „Daily Observer“ aus Dhaka. In Sozialen Netzwerken und einigen Medien waren Kritik und Enttäuschung über den Pontifex maximus laut geworden.

„Mir war klar, dass sie uns die Tür vor der Nase zuschlagen, wenn ich dieses Wort in meinen offiziellen Reden benutzt hätte“, zitiert das Blatt den Papst. In der Öffentlichkeit habe er aber die Situation beschrieben und gesagt, dass niemand von der Staatsbürgerschaft ausgeschlossen werden sollte.

„Sie wussten schon, was ich denke“

So habe er sich „in den privaten Gesprächen erlauben können, weiter zu gehen“, wird Franziskus zitiert. Der „Observer“ berichtet auch nochmals über die Begegnung des Papstes mit Myanmars Armeechef General Min Aung Hlaing. „Das war ein gutes Gespräch. Die Wahrheit war nicht verhandelbar“, so das Zitat von Franziskus.

„Sie wussten schon, was ich denke“, sagte Franziskus über seine Gesprächspartner. „Für mich ist am wichtigsten, dass die Botschaft ankommt.“ Während seines Besuchs in Myanmar hatte der Papst die Rohingya nicht beim Namen genannt und die systematische Verfolgung der muslimischen Minderheit auch nicht direkt angesprochen.

Kritik an Rücksichtnahme

Kritiker hatten ihm das als übertriebene Rücksichtnahme auf seine Gastgeber ausgelegt. Erst nach einer Begegnung mit Rohingya-Flüchtlingen in Bangladesch hatte der Papst am Freitag den Begriff „Rohingya“ verwendet.

Die Rohingya werden in Myanmar systematisch verfolgt, mehr als 620.000 Angehörige der Minderheit flüchteten in den vergangenen Monaten ins verarmte Nachbarland Bangladesch. Der Begriff „Rohingya“ ist in Myanmar ein Politikum: Die dortige Regierung bestreitet, dass es sich bei der muslimischen Minderheit um eine eigene ethnische Gruppe handelt. Sie betrachtet die Rohingya vielmehr als illegale Einwanderer aus Bangladesch. Die UNO und Menschenrechtsorganisationen sprechen dagegen von „ethnischer Säuberung“.

„Sehr zufrieden“ mit Gesprächen

Auf dem Rückflug nach Rom zeigte sich der Papst „sehr zufrieden“ mit seinen Gesprächen in Myanmar. Er deutete an, in den vertraulichen Unterredungen mit der Staatsführung deutlicher seine Meinung gesagt zu haben als in seinen öffentlichen Äußerungen.

Das Treffen mit den Rohingya-Flüchtlingen in Bangladesch sei für ihn „eine der Bedingungen“ für seine Asien-Reise gewesen, berichtete das Oberhaupt der katholischen Kirche. Die Begegnung habe ihn zu Tränen gerührt, fügte Franziskus hinzu. „Ich habe geweint“, verriet der Papst. Er habe allerdings versucht, seine Tränen zu verbergen.

Das Oberhaupt der katholischen Kirche sagte zugleich, dass er gerne das riesige Flüchtlingslager in Bangladesch mit 900.000 Rohingya besucht hätte. Das Vorhaben sei geprüft worden, aus mehreren Gründen habe es aber nicht umgesetzt werden können. Unter anderem habe es an der fehlenden Zeit und der zu großen Entfernung gelegen. Das Flüchtlingscamp befindet sich nahe der Stadt Cox’s Bazar an der Grenze zu Myanmar.

religion.ORF.at/KAP/APA/AFP

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